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Begegnungen mit Bären : Grizzly-Grüße aus Alaska

  • -Aktualisiert am

Nach links oder nach rechts? Am besten geradeaus. Denn dann stößt man auf Wale, Otter und Seelöwen. Bild: LAIF

Wegrennen? Tot stellen? Oder einfach nur laut sein? Ein paar Tipps, wie man am besten durch Alaska reist und nicht von Bären gefressen wird. Auch, wenn am Ende gar kein wildes Exemplar zu sehen ist

          Wir hatten viele Fragen, als wir nach Alaska kamen. Die drängendste war die nach den Bären. Was macht man, wenn man einem begegnet? Man führt ein Glöckchen bei sich, sagten die Reiseleiter. Das bindet man um den Wanderstock oder an den Rucksack, bevor man in die Wildnis aufbricht. Das Gebimmel nervt den Wanderer und auch den Bären. Normalerweise. Ein junger Bergführer wies darauf hin, dass man „nicht schneller rennen muss als der Bär - bloß schneller als dein langsamster Freund“. Und ein alter Trapper riet dazu, angesichts eines aggressiven Bären laut „Lauft!“ zu rufen, selbst aber stehenzubleiben. Ein Bär betrachtet nämlich das als Beute, was sich wie Beute verhält. Sich tot stellen sei deshalb keine schlecht Idee. Leider tendiert der Grizzlybär dazu, das Schauspieltalent seines Opfers mit Scheinangriffen auf die Probe zu stellen. Zur aktiven Abwehr gebe es noch Bärenspray, eine besonders potente Variante des Pfeffersprays. Doch das nutzt einem nur etwas, wenn man einen kühlen Kopf bewahrt und der Wind aus der richtigen Richtung weht; ansonsten sprüht man sich selbst ein und macht sich zu schreiendem, herzhaft gewürztem Bärenfutter.

          Wir verzichteten also auf Bärenspray und sprachen extra laut, wenn wir durch den Wald gingen. Mit Erfolg: Der erste und einzige Bär, den wir in Alaska sahen, war eingesperrt und futterte Riesengemüse. Nur zögerlich fing das Tier an, seine kindsgroßen Zucchini anzuknabbern und die Rettiche im Medizinballformat, die ihm mit einer Baggerschaufel vorgesetzt wurden. Das war im Alaska Wildlife Conservation Center in Portage, wo man sich um verletzte und bedrohte Wildtiere kümmert; einmalig ist das Programm, den Bison wieder in Alaska heimisch zu machen. Die Bären bleiben dagegen lebenslänglich hier: Wenn sie sich einmal an die Nähe von Menschen gewöhnt haben, suchen sie sie wieder und wieder, und das ist gefährlich, wie uns der Ranger erklärt. Als wilder Bär wird man geboren, oder eben nicht.

          Belugawale und Bergziegen

          Alaska, das bedeutet Wildnis, und Wildnis bedeutet auch Gefahr. Sonst könnte man ja auch ins Sauerland fahren. Waffentragen ist überall erlaubt im Frontier State Alaska, und die Müllcontainer sind allesamt bärensicher; Zivilisation und Wildnis liegen näher beieinander als in den meisten Ländern dieser Erde. Anchorage ist eine moderne Stadt, in der man prima essen, ins Museum gehen und Holzfällerhemden kaufen kann. Weite Teile des Landes bleiben unerschlossen. In die Hauptstadt Juneau führt keine Straße, der größte Teil Alaskas ist nur mit dem Flugzeug und dem Schiff zu erreichen.

          Sieht aus wie ein Kuscheltier, ist aber keines: Wer einem Grizzly begegnet, sollte wissen, was zu tun ist.

          Doch man muss nicht wochenlang durch den Busch irren, um die Natur des Frontier State zu erleben. Man kann auch einfach nach Anchorage fliegen und sich kurz in den Zug setzen: Die Alaska Railroad fährt nach Seward mit seinen Walen, an den Prince-William-Sound und in die Chugach Mountains. Mietwagen oder Wasserflugzeuge bringen einen in den Kenai- oder den Denali-Nationalpark, wo sich große Wildtiere gute Nacht sagen, und in Alyeska kann man auf einen Gletscher klettern und im Frühjahr bis halb sieben abends Ski fahren. Schon auf dem Seward Highway, keine zwanzig Minuten vom Flughafen entfernt, sehen wir die ersten Belugawale, die hier in einer kleinen, isolierten Population vorkommen. Weiß blitzen sie aus dem blaugrauen Turnagain Arm hervor, einer schmalen Sackgasse des Cook Inlet, an dem James Cook 1778 umkehren musste: Die erhoffte Nordwestpassage fand sich nicht. Auch weiße Bergziegen kann man an den Hängen ausmachen, die auf der anderen Seite des Seward Highway steil aufragen. Wir sind auf dem Weg nach Girdwood, einem Städtchen am Fuß der Chugach Mountains und Ausgangspunkt für Klettertouren auf die Gletscher ringsum. Im Winter sind die Chugach Mountains ein Skigebiet, im Sommer kann man auf dem zwanzig Kilometer langen Trail von Indian nach Girdwood wandern, Mountainbike fahren oder in verlassenen Goldgräberstädtchen nach letzten Resten des Edelmetalls schürfen, das für die Besiedlung großer Teile von Alaska verantwortlich ist.

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