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Überbuchte Flüge : Immer schön am Boden bleiben

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Günstiger Urlaubstrip

Die EU-Kommission schätzt, das dies in der Gemeinschaft insgesamt rund 250.000 gebuchte Reisende jährlich am Boden bleiben. In den meisten Fällen sind dies allerdings Leute, die freiwillig auf ihren Platz verzichten und dafür von den Airlines entschädigt werden. Seit 1991 gelten in der EU feste Sätze, die je nach Dauer der verspäteten Ankunft am Zielort zwischen 75 und 300 Euro liegen, Lufthansa bot bisher auch die Möglichkeit eines 100prozentigen Aufschlags, wenn der gegroundete Kunde statt Cash auch einen Gutschein für späteren Ticketkauf akzeptierte. Solche Vouchers im Wert zwischen 150 und 600 Euro waren schon mal ein guter Grundstock für einen günstigen Urlaubstrip.

EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio allerdings blieb die fortdauernde Praxis der Überbuchung ein Dorn im Auge, sie trieb die massive Verschärfung der Entschädigungen voran. Vor wenigen Tagen billigten die Mitgliedsstaaten eine neue Regelung, bei Stimmenthaltung der Bundesregierung, die Anfang 2005 in Kraft treten wird. Darin enthalten sind erstmals auch Charter- und Ferienflüge sowie lange Flugverspätungen und Flugstreichungen - für derartige Unbilden bekommen Verbraucher in Zukunft Bargeld. Für Flüge unter 1.500 Kilometer Länge erhält ein wegen Überbuchung abgeladener oder bei kurzfristiger Streichung gestrandeter Passagier künftig 250 Euro, für Inner-EU-Flüge von mehr als 1.500 Kilometer und andere Flüge bis zu 3.500 Kilometer Entfernung 400 Euro und für alle anderen 600 Euro. Dazu kommt die schnellstmögliche Beförderung sowie Mahlzeiten, Erfrischungen und eventuelle Hotelübernachtungen - ein guter Deal für den Kunden, der für einen Billigflug oft nur nur wenige Euro ausgegeben hat und von bezahlten Übernachtungen sonst nur träumt.

Das Ziel: Zweimal nicht mitkommen

Die Chancen steigen, auch mit der Investition in ein Billigticket einen Gratis- oder Billigst-Flug an ein Traumziel zu erstehen - wobei die sogenannten Low Cost Carrier nach Brancheninformationen weniger stark überbuchen als etwa Lufthansa. Die Airline-Manager schäumen schon wegen der neuen Entschädigungspflichten und drohen steigende Flugpreise an - was sowieso längst überfällig ist. Fliegen ist inzwischen zu billig, sind sich alle Experten einig. Doch schon teilt die Branchenvereinigung Barig mit, daß "der Markt derzeit eine direkte Weitergabe der zusätzlichen Kosten an die Kunden kaum erlaubt". Dabei entstünden der Lufthansa durch die neue Entschädigungsregelung Mehrkosten zwischen zehn und 15 Millionen Euro jährlich, kleinere Firmen seien sogar in ihrer Überlebensfähigkeit bedroht.

Das muß Gutschein-geile Fluggäste erstmal nicht kratzen. Für sie gilt es, sich die wichtigsten Verhaltensregeln der amerikanischen Gutschein-Jäger einzuprägen: "Am besten 90 Minuten vor Abflug eintreffen und gleich fragen, ob Freiwillige für den betreffenden Flug gesucht werden", erklärt Russ Elder, "in acht von zehn Fällen heißt die Antwort: ,Ja, vielleicht'". Reisen nur mit Handgepäck hilft - bei einem Verbleib am Boden müssen so nicht die Koffer gesucht und ausgeladen werden. Und natürlich der richtige Flugtag - am Vortag vom Ende der großen Ferien oder vor und nach großen Messen zum Beispiel. "Für den nächsten Flug, auf den man umgebucht wird, unbedingt nach einem Upgrading fragen", rät Andrew Warner, "und bei mehr als zwei Stunden Wartezeit Essens-Gutscheine verlangen". Schließlich ist das ultimative Erfolgserlebnis im Auge zu behalten: Ein erneutes Abladen auf dem nächsten Flug. "Ein zweites Freiticket an einem Tag - das kann passieren", verheißt der Überbuchungs-Guru auch seinen neuen europäischen Jüngern.

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