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Japan : Ein Onsen heilt alles, nur die Liebe nicht

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Das Besondere an Onsen-Wasser ist die mineralische Zusammensetzung. Eine japanische Weisheit besagt sogar: Ein Onsen kann alles heilen, nur die Liebe nicht.
Das Besondere an Onsen-Wasser ist die mineralische Zusammensetzung. Eine japanische Weisheit besagt sogar: Ein Onsen kann alles heilen, nur die Liebe nicht. : Bild: Nacasa & Partners Inc.

„Seit ungefähr 710 nach Christus gibt es Onsen“, erklärt „Aman“-Bademeisterin Chieko Kobayashi. „Knapp fünfhundert Jahre später benutzten die Samurai das Onsen, um dann zur Meditation überzugehen.“ Erst in der Edo-Ära im siebzehnten Jahrhundert öffneten sich die Onsen für die Allgemeinheit: „Es war der einzige Ort, an dem es warmes Wasser für die Körperhygiene gab. Bambus ersetzte die Zahnbürste. Naturschwämme wurden zur Körperreinigung eingesetzt. Seife war noch unbekannt.“

Sind wir Deutschen eigentlich Schmutzfinken?

Bis heute hocken die Japaner auf einem winzigen Schemel im Waschraum, schrubben sich ab, was das Zeug hält, gießen literweise Wasser aus einem Bottich über den Körper und beginnen abermals mit der peniblen Körperhygiene. „Alle sind nackt. Und damit sind alle auch gleich“, sagt Chieko. Eine echte Ausnahme im sonst eher prüden Japan: Onsen sind deshalb auch die einzigen Örtlichkeiten, in denen ein Junger vor einem Alten etwa ein Becken betreten darf, ohne einen gravierenden Etiketteverstoß zu begehen, oder wo der Geschäftsführer mit einem seiner Arbeiter vom Fließband von Angesicht zu Angesicht im Wasser badet. Es gibt keine Verbeugungen oder andere der sonst üblichen Respektsbezeugungen.

Das Konzept des Resorts oberhalb der Ago-Bucht, berühmt für ihre Zuchtperlen, ist einfach und schlüssig: „Minka“ - Min heißt „Leute“ und Ka „Haus“ - bedeutet, dass man wie Einheimische auf dem Land wohnt, nur komfortabler.
Das Konzept des Resorts oberhalb der Ago-Bucht, berühmt für ihre Zuchtperlen, ist einfach und schlüssig: „Minka“ - Min heißt „Leute“ und Ka „Haus“ - bedeutet, dass man wie Einheimische auf dem Land wohnt, nur komfortabler. : Bild: Nacasa & Partners Inc.

Nur das Ritual der peniblen Körperreinigung ist wie in Stein gemeißelt. Da fragt man sich: Sind wir Deutschen eigentlich Schmutzfinken? Die sich hoppla-di-hopp waschen (und tatsächlich manche auch gar nicht!), bevor sie ins öffentliche Bad gehen? Wenn man einem Japaner dabei zusieht, wie inbrünstig, intensiv und sorgfältig er sich reinigt, bevor er ins Onsen steigt, könnte man das meinen. In manchen japanischen Hotels ist vor der Dusche oder der Wanne bis heute ein Abfluss, weil sich viele Japaner schon vorher waschen. Dieser Habitus ist dem Onsen geschuldet, wonach man niemals ohne vorherige gründliche Körperreinigung in ein Becken steigt.

Im Onsen sind alle nackt und damit auch alle gleich.
Im Onsen sind alle nackt und damit auch alle gleich. : Bild: Nacasa & Partners Inc.

„Gut eine Stunde, manchmal bis zu zwei Stunden nehme ich mir fürs Onsen Zeit“, sagt Yurie, die Japanerin aus Düsseldorf. Wie bei uns die Saunen haben viele Onsen in den letzten zwanzig Jahren auch Entertainment-Charakter bekommen. Man trifft sich - winters wie sommers - mit Freunden zum Entspannen und Palavern. Zuweilen sind auch Sauna, Dampfbad oder Kaltwasserbecken dazu gekommen. Und ins Wasser werden inzwischen - entgegen der Tradition - auch Zusatzstoffe gegeben, etwa Kräuter oder saisonales Obst. „Die japanische Kultur kommt Ausländern sehr oft wie ein Buch mit sieben Siegeln vor“, weiß Yurie. Wer vorangeht, wie oft man sich verbeugt und wie man jemanden anredet, das sind schon bekannte Verhaltensregeln. Doch in Japan lernt man nie aus.

Tätowierte müssen oft draußen bleiben

„Aber unser Rad ist kleiner geworden“, sagt die japanische Germanistin in Anspielung auf Hermann Hesses „Unterm Rad“, das sie beeindruckt hat. Dennoch: „Das japanische Rad ist viel, viel größer als das deutsche.“

 Das Ritual der peniblen Körperreinigung ist in Japan wie in Stein gemeißelt.
Das Ritual der peniblen Körperreinigung ist in Japan wie in Stein gemeißelt. : Bild: Jochen Müssig

Und so wirkt der Verhaltenskodex im „Amanemu“ angenehm locker: Man kann sich einfach duschen, aber sich natürlich auch auf dem Hockerchen mit der Kelle vor dem Zuber waschen. In Japan verpönte Tätowierungen müssen nicht mit Pflastern abgeklebt werden - in traditionellen Onsen ist der Besuch für tätowierte Gäste vielfach verboten, das gilt auch für Urlauber der Generation Y. Und die Japaner machen im „Amanemu“ etwas, was sonst ebenfalls unmöglich ist: Sie gehen in Badekleidung in die großen Thermalbecken. Und zwar alle zusammen: Männlein, Weiblein und Kinder. Ein Vergnügen, das in einem traditionellen Onsen aufgrund strikter Geschlechtertrennung verboten ist. Im „Amanemu“ wären dann also auch Obama und Japans Premier Shinzo Abe in einem Onsen gesessen, vielleicht sogar zusammen mit der Bundeskanzlerin, Hollande oder Italiens Renzi. Ein Gipfeltreffen im Onsen mit Wellness auf Japanisch! Und Seidenbaum-Kräutertee in den Händen, der zum Ausgleich der Energieebenen getrunken wird. Wahrscheinlich hätte all das mehr gebracht als stundenlanges Sitzen an nüchternen Verhandlungstischen.

Wellness auf Japanisch

Informationen: Das „Amanemu“ liegt zwei Stunden von Nagoya entfernt, Website unter www.aman.com/amanemu. Der dortige Flughafen wird von der japanischen Fluggesellschaft ANA nonstop ab Frankfurt angeflogen. Flugplan im Internet unter www.ana.co.jp.

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