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Steuben-Parade in New York : Sauerkraut Boulevard

  • -Aktualisiert am

Very German: die Feuerwehrwagen der FDNY bei der Steuben-Parade im September. Bild: Imago

Deutschtümelig oder doch sehr amerikanisch? Karnevalsumzug, Oktoberfest, und Santa Claus ist auch dabei: Die Steuben-Parade in New York gibt Rätsel auf. Ein Gastbeitrag.

          6 Min.

          Niemand von meinen New Yorker Freunden und Bekannten wollte mich zur Steuben-Parade begleiten. Die meisten wussten nicht, was das ist, und die, die es wussten, blieben ihr eben dieses Wissens wegen fern. Zu amerikanisch. Zu viel Deutschtümelei. Mich zog es aus genau dem Grund dorthin. Bis zur Pandemie fand sie seit 1957 einmal im Jahr statt, immer am dritten Samstag im September, immer auf der Fifth Avenue, direkt am Central Park, zwischen der 68. und der 86. Straße, dem Sauerkraut Boulevard. Dort waren einst deutsche Metzgereien, Restaurants und Wirtshäuser ansässig – daher der Name. Einige davon wie das Heidelberg oder die Fleischerei Schaller & Weber gibt es heute noch, aber weiter östlich, an der 2nd Avenue. Benannt ist der Umzug nach Freiherr Friedrich Wilhelm von Steuben, einem preußischen General, der dem späteren ersten Präsidenten George Washington im US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zur Seite stand.

          Als ich aus der Subway stieg, warteten die Umzugswagen schon in einer Seitenstraße auf ihren Einsatz. An jeder Ecke standen Polizisten. Manche trugen schwarz-rot-goldene Blumenketten aus Plastik, als wäre Hawaii eine deutsche Kolonie. Alle Wagen hatten die gleiche Länge und Breite, und alle wurden von Pick-up-Trucks gezogen. Einige waren mit hellblauen und weißen Rauten verkleidet, andere in den Farben der Stadt Köln geschmückt, mit Wappen, Dreigestirn und einem Werbeschild: „Forest Pork Store“. Dazwischen Feuerwehrmänner, Mitglieder von Schützen- und Trachtenvereinen und Familien, Mütter und Töchter im Dirndl, Väter und Söhne in Lederhosen und karierten Hemden. Der deutsche Konsul spazierte im dunklen Anzug an mir vorbei, und als ich ihm unauffällig folgte, weil ich dachte, dass die Parade mit ihm an der Spitze losgehen würde, hörte ich eine Frau neben mir sagen, dass es verboten sei, Kamelle zu werfen: „Ihr müsst denen das in die Hand drücken.“ Sie sprach zu ihrem Team, einer Gruppe von Leuten, die alle die gleichen graublauen T-Shirts anhatten mit der Skyline New Yorks und in Deutschlandfarben aufleuchtenden Fenstern.

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