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Wandern im Böhmerwald : Aus der Welt der Waldeinsamkeiten

  • -Aktualisiert am

„Das Beste steht nicht immer in den Büchern, sondern in der Natur. Nur haben die Menschen meist nicht die Augen, es zu sehen“, schrieb Adalbert Stifter, der es wissen musste, weil er für seine Werke in der Natur der Böhmerwaldes las. Bild: Richard Fraunberger

Der Böhmerwald ist der schönste Flecken Tschechiens, eine Landschaft voller Geschichten. Auch heute noch kann man dort die große Einsamkeit finden – trotz der Touristen.

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          Auf einer Holzbank am Rande eines Waldes sitzt Pavel Hetzer und trinkt Bier. Es ist schon warm, die Sonne brennt, und in der Luft schwirren Bremsen wie Schmeißfliegen auf der Kuhweide. Hetzer, der Kinnbart grau, die Haare kurz, im linken Ohrläppchen ein silbernes Kreuz, macht gerade Pause vom Rasenmähen. Es ist Samstag. Gestern hat Hetzer das Auto bepackt und ist mit Kind und Kegel heraus aufs Land gefahren.

          Dabei lebt er auf dem Land, in Hartmanice, einem Dorf im Böhmerwald mit Kirche, Bächlein und 1028 Einwohnern. Jetzt sitzt Pavel Hetzer vor seiner Chata, zwanzig Kilometer von Hartmanice entfernt, und öffnet genüsslich das zweite Bier. Die Chata ist die tschechische Datsche. Sie ist Nationalsport und Relikt aus kommunistischer Zeit, als die halbe Nation in Plattenbauten wohnte und man nicht einfach ins Ausland reisen durfte. „Also fuhr man auf die Chata. Dort wurde gelebt, gefeiert, geliebt, und so ist es heute noch“, sagt Hetzer. Sie ist der Rückzugsort ins Private, in der man alles Politische hinter sich lässt oder politisch wurde – so wie Václav Havel, der auf seiner Chata Theaterstücke schrieb und mit Freunden diskutierte.

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