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Triest : Nur der Tod trennt die Nachbarn

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Nah am Wasser: Triest ist die nördlichste Hafenstadt am Mittelmeer, also von allen nördlichen Metropolen die südlichste. Schon ein paar hundert Meter hlher beginnt auf dem Karst das kargere Leben. Bild: DPA/Huber

Triest, die Schleuse zwischen Nord und Süd, ist so provinziell wie kosmopolitisch. Die Stadt lebt von Ideen ihrer Besucher und Zuwanderer.

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          Mitten im heißen Sommer öffnete sich Triest an der nördlichen Adria jungen Modeleuten mit schrillen Ideen aus Jeans, Seide, Wolle und Leder. Talente von China bis Amerika stritten das zwölfte Mal beim „International Talent Support“ (ITS) um Preise und Anerkennung. Die Kaffeemaschinen des Triester Illy-Clans standen nicht still. Es roch nach Schweiß, Parfum - und Kaffee.

          Die fremdesten Sprachen mischten sich ins Italienische. Doch die Hektik bei der Fischhalle an der Mole passte gut zur heiteren Klassik der nach 1719 kunstvoll ans Meer gebauten Stadt: So hartnäckig Kaiser Karl VI. und seine Tochter Maria Theresia ihren österreichisch-ungarischen Freihafen in ein Zentrum von Handel und Kultur zwischen Mittelmeer und Nordeuropa verwandeln wollten - so sehr strengten sich 450 Finalisten von 11000 Bewerbern aus 80 Nationen an, Triest zu einem Zentrum ihrer Kreativität zu machen.

          Triest lebt seit Beginn seiner jüngeren Geschichte von Ideen ihrer Besucher und Zuwanderer. Der Triester Schriftsteller und Germanist Claudio Magris beschrieb einmal die Kläglichkeit der italienischen und slowenischen Stadtbauern, die vor 300 Jahren in der Kleinstadt am Golf lebten und durch die Habsburger vor die Alternative gestellt wurden, sich den Fremden zu öffnen und Stadtbürger mit Handels- und Bildungsinteressen in alle Welt zu werden - oder als deren Diener zu enden. Serben, Kroaten, Griechen, Deutsche, Türken und vor allem auch Juden lockten die Habsburger nach Triest. Reiche Kaufleute und Versicherungen bauten die Paläste am großen Karree, das nach Vereinnahmung der Stadt durch Italien „Platz der Einheit“ getauft wurde und als Europas größter Platz am Meer gilt. Bei diesen Palästen wurde weder an Marmor noch an byzantinisch anmutendem Mosaik gespart; die Häuser dahinter aber wurden meist im einheitlich praktischen Stil hochgezogen.

          „Triest vereint bis heute Wirtschaft und Kultur“

          Eng sind dort die meisten Gassen, aber die vier- oder fünfstöckigen Häuser bekommen nach den damaligen Wiener Bauvorschriften genügend Licht in ihre Zimmer: unten waren Geschäfte, Lager und Kontor; oben lebten die Familien. Doch so dicht die aus aller Welt stammenden Nachbarn bis heute in diesen Häusern beieinander wohnen - spätestens der Tod trennt sie wieder. Triests Zentralfriedhof hat nämlich sieben Abteilungen: Der größte ist katholisch, der zweitgrößte Teil jüdisch; es gibt einen evangelischen sowie einen orthodoxen Teil. Die Waldenser haben wie die meist aus der Türkei kommenden Muslime ihren Abschnitt und die Briten auch.

          Doch niemand muss auf den Friedhof, um die aus vielen Facetten wie ein Kristall gestaltete Identität Triests zu erkennen. Auf der Piazza Hortis begegnet der Tourist dem in Erz gegossenen Schriftsteller Italo Svevo („Italiener Schwabe“), der eigentlich Aron Ettore Schmitz hieß. Für diesen aus einer jüdisch-deutschen Familie stammenden Fremden, der 1861 geboren wurde, war Triest Heimat. Der Autor ist auch deswegen ein gutes Beispiel für die Identität Triests, weil er nicht nur Literat, sondern auch Geschäftsmann war.

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