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USA : Magie ist machbar oder Kaffeepause im Bagdad Café

Der Film „Out of Rosenheim“ hieß in Amerika „Bagdad Café“ Bild: Freddy Langer

Touristen, Cowboys, Außerirdische: Alle treffen sich in Newberry Springs, Kalifornien.

          5 Min.

          Andree war nicht da. Aber von einer Fotografie aus, hinter der Theke, lachte sie in den Raum. Ich erkannte das Gesicht und die blonde Strubbelfrisur sofort wieder. Vom letzten Besuch. Vor etwas mehr als fünfzehn Jahren. Ihre Schicht beginne erst am Nachmittag, antwortete George auf meine Frage. Bis dahin würde er dafür sorgen, dass der Betrieb läuft. Und ja, es gehe ihr gut. Brian, ein Gast, der mit schwarzer Jacke, schwarzer Hose und brauner Baseballkappe an der Theke saß und fernsah, wiederholte ungefragt, dass ihre Schicht erst am Nachmittag beginne und es ihr, oh ja, gutgehe. Er sprach es mehr zu sich selbst. Dann wandte er sich wieder dem Fernseher zu und verfolgte einen Beitrag über Menschen, die Ufos gesehen haben oder sogar von Außerirdischen entführt worden sind. Als wieder einmal eines der unscharfen Fotos dieser bizarren Flugobjekte eingeblendet wurde, sagte George, der ebenfalls auf den Fernseher starrte, während ich mich vor allem auf die Speisekarte konzentrierte, trocken: „Habe ich schon mal gesehen.“ Es war nicht ganz klar, ob er das Foto meinte oder von den Ufos sprach. Aber dann fügte er hinzu: „Die fliegen hier doch überall herum.“

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Es ist ein leeres Stück Land, das sich um das Bagdad Café in alle vier Himmelsrichtungen ausbreitet. Am Horizont ein paar Hügel und Berge. Ansonsten ist alles platt, und das Einzige, was sich dem Himmel entgegenstreckt, ist ein altes Werbeschild an einem verwitterten Holzmast: „Motel“. Ein Buchstabe steht unter dem anderen, jeder einzelne ist von Neonröhren umrahmt, aber die haben schon sehr lange nicht mehr gebrannt, wie es das ganze Motel schon sehr lange nicht mehr gibt. Keine Häuschen mehr, keine Zimmer. Alles weg. Als Marianne Sägebrecht vor dreißig Jahren unter diesem Motelschild stand, da sah auch sie ein wenig so aus, als sei sie von einem anderen Stern hier gelandet. Im Lodenkostüm samt Trachtenhütchen, daran, keck geschwungen, die Feder eines Fasans. Sie wolle ein Zimmer mieten, radebrechte sie an der Rezeption, einem völlig vermüllten Raum, zunächst für eine Nacht, aber vielleicht bliebe sie länger. Es wurden Wochen und Monate daraus, in deren Verlauf sie in der Rolle der stämmigen Bayerin Jasmin Münchgstetter das schäbige Motel samt dem angeschlossenen Café auf Vordermann bringt und schließlich mit ihrer Zaubershow sogar zu einer Kultstätte macht, für die Fernfahrer in Scharen einen Umweg auf sich nehmen und vom Interstate Highway abbiegen: Magie ist machbar! So erzählte es 1987 Percy Adlon in seinem Märchenfilm „Out of Rosenheim“; in Amerika lief er unter dem Titel „Bagdad Café“ in den Programmkinos.

          Andree Pruett hatte noch nie von dem Film gehört, als sie das Café vor einem Vierteljahrhundert kaufte. Sie hatte einen Ort gesucht, um Strauße zu züchten. Doch dann kamen Touristen und erkannten das Haus. Damals hieß es „Sidewinder Café“, und ihr Sohn, Schauspieler in Hollywood, riet ihr, unbedingt den Namen, den das Haus im Film getragen hat, wieder an die Fassade zu malen, also: Bagdad Café. Seither ist das Lokal auch in der Wirklichkeit Kult. Denn es gibt dem Traum des Films einen tatsächlichen Raum. Diesem amüsanten, sentimentalen, unglaublichen und doch glaubwürdigem Kammerspiel, in dem eine Handvoll Menschen, Zukurzgekommene allesamt, aufblühen, weil sie sich trauen, das zu tun, wovor sie ihr Leben lang ängstlich zurückgeschreckt waren, was sie aber immer schon tun wollten: musizieren, malen, zaubern. Einmal reicht im Film ein Regenbogen direkt hinter dem Haus bis hinunter auf den Sand der Wüste, mehr Symbol braucht es nicht für diesen Schatz.

          Der Illusion eine Heimat geben

          Auch jetzt macht das Café nicht viel Gewese um sich. Die Werbeplakate des Films hängen gerahmt an der Wand. Und die zitronengelbe Thermoskanne, mit der im Film die gehörigen Unstimmigkeiten über die Qualität von Kaffee ihren Ausgang nehmen, baumelt an einem Haken hinter der Bar. Der Kaffee schmeckt heute wieder so wie damals, bevor Jasmin Münchgstetter mit ihren Ideen in das Café eingriff. „That’s not coffee. That’s brown water!“, hatte sie geschimpft, aber der bayerische Zungenschlag hatte der Beschwerde ein Moment von Komik verliehen. George schenkt mir nach, lange bevor die Tasse auch nur halbleer ist.

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