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Tourismus : Alltours überrascht Reisebranche mit Kerosinsteuer-Forderung

  • Aktualisiert am

Läßt mit „grünen” Forderungen aufhorchen: Alltours-Chef Willi Verhuven Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Alltours hat auf der Internationalen Tourismusbörse für Gesprächsstoff gesorgt. Der Reiseveranstalter ist nicht nur für eine Kerosinsteuer, sondern fordert zudem staatlich festgelegte Mindestpreise für Flugtickets.

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          Der Reiseveranstalter Alltours hat sich als erster großer Flugreisen-Anbieter für eine Kerosinsteuer ausgesprochen und damit die eigene Branche überrascht.

          Auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin forderte der viertgrößte deutsche Reiseanbieter zudem staatlich festgelegte Mindestpreise für Flugtickets und ein generelles Subventionsverbot für Billigfluglinien. Der Präsident des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes (DRV), Klaus Laepple, zeigte sich irritiert über den Vorstoß zur Kerosinsteuer. Die Idee eines Mindestflugpreises sei abwegig.

          „Die Lockvogelangebote der Billigfluglinien sind umweltpolitisch absolut verantwortungslos und obendrein kaufmännisch unseriös", sagte Alltours-Chef Willi Verhuven am Samstag in Berlin. Beim Urlauber werde jedes Gefühl für Leistung zerstört.

          Branche bisher geschlossen gegen Kerosinsteuer

          Alltours ist mit jährlich knapp 1,5 Millionen Urlaubern und einem Umsatz von 1,27 Milliarden Euro Deutschlands viertgrößter Reiseveranstalter. Verhuven sagte, er sei sich bewußt, daß er mit seinem Vorstoß die Reise- und Luftfahrtbranche provoziere. Bisher treten die führenden Reisekonzerne, Fluglinien und Verbände geschlossen gegen eine Kerosinsteuer und andere Aufschläge für Flugreisen an. Er habe seinen wichtigsten Flugpartner Air Berlin vorab über seine Initiative informiert, sagte Verhuven.

          "In Zeiten der Klimaveränderungen müssen wir sehen, daß wir mit dem Flugzeug schon erheblich zur Umweltverschmutzung beitragen", sagte der Alltours-Chef. „Deshalb muß für Flüge ein angemessener Preis gezahlt werden.“

          Ruf nach Subventionsverbot fürBilligflieger

          Alltours unterstütze daher die Überlegungen der Bundesregierung und der EU-Kommission zur Einführung einer europaweiten Kerosinsteuer oder einer Flugticket-Abgabe, sagte Verhuven. Auch der EU-Plan, die öffentlichen Beihilfen für Billigfluglinien zu beschneiden, sei richtig. Gegenwärtig bestehe auf Grund einer „absurden“ Förderung von Billigflughäfen an vielen Flughäfen in Deutschland ein starkes Überangebot. Auch für Fluglinien müsse, wie seit Jahren bei Reiseveranstaltern vorgeschrieben, eine Konkursversicherung zur Pflicht werden.

          Aus Sicht Verhuvens muß sich die Touristik mit den ökologischen Folgen von Massenurlaub auseinandersetzen. In den vergangenen Jahren habe sich in dieser Hinsicht insbesondere bei den Hotels viel getan. Alltours werde jetzt auf Mallorca die von der Regionalregierung geplante grüne Umweltkarte unterstützten und ein bestimmtes Kontinent für seine Gäste übernehmen.

          DRV-Präsident - Kerosinsteuer und Mindestpreis falscher Weg

          DRV-Präsident Laepple hält den Vorstoß von Alltours in vielen Punkten für unsinnig. „Belastungen durch Lärm und Schadstoffemissionen im Luftverkehr lassen sich nicht über eine Kerosinsteuer verringern", sagte Laepple. „Das kann man nur technisch lösen, in dem die Flugzeuge leiser werden und weniger Treibstoff verbrauchen.“ Notwendig seien internationale Umweltvorgaben für Flugzeuge, die sich auf Flughäfen bei den Gebühren niederschlagen könnten. Flugzeuge sollten auch in einen internationalen Emissionshandel einbezogen werden.

          Von Mindestpreisen für Flüge hält der DRV gar nichts. „Wir wollen doch nicht zurück in die sozialistische Planwirtschaft", sagte Laepple. Der nächste Schritt seien dann womöglich festgelegte Höchstpreise. Die Einschränkung von staatlichen Hilfen für Billigfluglinien hingegen unterstütze die Touristikbranche bereits. „Aber Reden und Handeln müssen auch übereinstimmen. Denn Alltours fliegt Urlauber mit Billigfliegern vom Flughafen Weeze bei Düsseldorf aus", sagte Laepple.

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