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Sudans Pyramiden : Noch eine halbe Stunde bis Meroe

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Der Chirurg grub wie ein Maulwurf

Bis dahin herrschten in der Hauptstadt der Nubier überwiegend Königinnen. Es gab keine erbliche Thronfolge, sondern ein Matriarchat, das die geeignetsten Kinder auswählte. Eine von ihnen war die Königin Amanishakheto, die sich eine prachtvolle Pyramide bauen ließ. Sie war komplett erhalten, als der Franzose Frédéric Cailliaud im Jahr 1821 die Anlage sah und zeichnete. Seine Bilder und Berichte riefen Abenteurer auf den Plan, vorneweg den Italiener Giuseppe Ferlini, der sich als Arzt in der ägyptischen Armee verdingt hatte. 1834 kam er auf der Suche nach Grabschätzen in Meroe an.

Ferlini machte sich wenig kunstgerecht ans Werk. Der Chirurg köpfte mit grobem Besteck die Pyramide der Königin Amanishakheto. Auf der Suche nach Gold grub er sich von oben nach unten durch das antike Bauwerk – kein kluger Plan, denn die nubische Königin war tief unter der steinernen Pyramide bestattet. Unseligerweise trieb Ferlini seinen Krater weiter, er grub sich wie ein Maulwurf bis ins Erdreich, in dem er das unberührte Grab öffnete und den Goldschmuck der Königin entnahm. In Europa hatte der Grabräuber Mühe, den Schmuck zu verkaufen. Am Ende griff Ludwig I. von Bayern zu. Heute sind die goldenen Armreifen, Siegelringe und Amulette der Königin Amanishakheto in den Ägyptischen Museen von Berlin und München zu bewundern.

Die Filme sind unwiederbringlich verblasst

Eine Zeitlang scheint das Sprengen der Pyramidenspitzen in Mode gewesen zu sein, denn zahlreiche Nachahmer versuchten sich an den Bauwerken. Doch damit ist Schluss. Seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts werden die Pyramiden instand gesetzt und teilweise sogar verputzt.

Was Ferlini angerichtet hatte, baute Hinkel wieder auf. Friedrich Hinkel ist eine ganze Schautafel im Eingangshäuschen von Meroe gewidmet. Dem ostdeutschen Architekten gelang mit einfachsten Mitteln und ähnlichen Werkzeugen wie jenen der Nubier sogar die Rekonstruktion der Pyramiden. Dafür ließ er im Libanon Zedern schlagen, dreißig Meter hohe Bäume, die er in der Mitte der Pyramide verankerte, um dann mit dem an der Spitze befestigten Hebelkran im engen Radius des Krans die Außenmauern um den Pyramidenkern zu setzen. Hinkels Berechnungen lösten das Rätsel der ungewöhnlich steilen Neigung der Bauwerke, die einst mit bunten Ornamenten bemalt waren: Der Ausleger an der Zeder begrenzte die Reichweite des Krans und gab damit den Grundriss vor, auf dem die nubischen Königinnen einst ihre Gräber in den Himmel mauerten.

Filmaufnahmen von der Rettung der Pyramiden, von ihrem Wiederaufbau mit deutscher Hilfe, sieht das Publikum im Goethe-Institut nicht, denn für viele Filmrollen kam die Digitalisierung zu spät. Die Filme sind im staatlichen Archiv, das lange Jahre verwaist war, unwiederbringlich verblasst.

Sudans Schatz

Anreise: Khartum wird unter anderem von Egyt Air über Kairo (www.egyptair.com), Turkish Airlines über Istanbul (www.turkishairlines.com) und Ethiopian Airlines über Addis Abeba (www.ethiopianairlines.com) angeflogen. Preise in der Economy Class ab 550 Euro. Direktflüge ab Deutschland gibt es nicht.

Einreise: Für die Einreise in den Sudan ist ein Visum erforderlich, das die Botschaft der Republik Sudan in Berlin für 60 Euro ausstellt. Antragsteller müssen das Formular mit den Abdrücken beider Daumen versehen. Die Erteilung kann die spätere Einreise in die Vereinigten Staaten erschweren. In Khartum müssen sich Reisende binnen drei Tagen beim Ausländeramt registrieren lassen. Hotels bieten ihren Gästen in der Regel an, die Registrierung zu erledigen.

Reisen im Land: In Sudan gilt die Scharia. Der Besitz von Drogen und Alkohol, aber auch Prostitution, Ehebruch, gelebte Homosexualität und zu freizügige Kleidung können mit hohen Strafen geahndet werden. In Sudan können keine Kreditkarten und ausländischen Bankkarten verwendet werden. Reisende sollten Bargeld zur Finanzierung ihres Aufenthaltes mitbringen. Die Einfuhr von Alkohol steht unter Strafe. Das Fotografieren öffentlicher Gebäude und Straßen ist verboten. Eine gültige Impfung gegen Gelbfieber ist erforderlich. Einen Überblick über die Sicherheitslage in Sudan gibt die Seite des Auswärtigen Amtes: www.auswaertiges-amt.de. Reisen in den Norden Sudans zu den Pyramiden von Meroe sind unproblematisch.

Unterkunft: Meroe Camp, Zeltbungalows von Oktober bis April, ab 180 Euro mit Halbpension. Kontakt über Italtoursudan, Telefon: 0039/0331/5416663, E-Mail: international@italtoursudan.com und itcltds@gmail.com.

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