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Toskana : Gehst du noch . . .

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Später Nachmittag. Eine Gruppe von Toskana-Urlaubern ist die kilometerlange Zypressenallee heraufgefahren nach Bolgheri. Von der Piazza Alberto sieht man auf rosa blühende Bäume, Olivenhaine und bis zum Meer.

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          Später Nachmittag. Eine Gruppe von Toskana-Urlaubern ist die kilometerlange Zypressenallee heraufgefahren nach Bolgheri. Von der Piazza Alberto sieht man auf rosa blühende Bäume, Olivenhaine und bis zum Meer. Sonnenstrahlen beleuchten die Gläser auf den Tischchen der Vinotheken. Völlig klar, was nun folgen wird: Ein Glas Bolgheri Sassicaia bestellen, dazu Oliven in die Backen schieben, draufbeißen, dass der säuerliche Geschmack in den Mund fließt, und abwarten, bis die Sonnenstrahlen schwächer werden und es Zeit ist fürs Abendessen.

          "Aber wir haben doch gleich Entspannungsgymnastik", sagt die Passauerin. Und so fahren wir die Zypressenallee wieder hinunter und legen uns auf Gummimatten an den Hotelpool. Lauftrainer Kurt Stenzel zeigt, wie sich der Schollenmuskel locker macht.

          Kurt Stenzel, zwölffacher deutscher Langstreckenmeister und Physiotherapeut, bringt Freizeitsportler auf Vordermann. Den weitläufigen Pinienwald von Marina di Bibbona kennt er, hier hat er früher trainiert. Die knapp zwanzig Teilnehmer des Running- und Nordic-Walking-Camps sind zwischen 15 und 70 Jahre alt. Ein hagerer Herr zum Beispiel, der Älteste der Gruppe, hatte "Thrombosen und Lungenembolie", er wolle sehen, was geht, "ich hab' da noch so einiges vor im Leben". Kurt Stenzel schluckt. Michael trainiert "für Hamburg", Petra für einen Halbmarathon. Und ich hielt mich für sportlich, mit dreimal wöchentlich eine halbe Stunde laufen im Park. Aber wie hart diese Woche auch werden mag, ich werde nicht in die Walkinggruppe abrutschen. Nichts gegen Walking. Aber ich nicht. Bitte nicht.

          Galadinner im Hotel zur Eröffnung der Saison. Zwei lange Tafeln, ein mehrgängiges Menü und Wasserflaschen. Kein Wein. Man könnte welchen bestellen. Läufergeschichten. Im Winter sei das Laufen hart, findet die Passauerin. Aber es ist so schön, wenn irgendwann die Hände warm werden. Eine Tischnachbarin sagt: "Genau! Ich hab' immer schon Tränen in den Augen und denke mir, gleich wird es besser." Wo bin ich da hineingeraten.

          Marko entquirlt seine Beine unterm Tisch. Der 18-Jährige hat seinen Trainingsplan mit, er ist Karosseriebauer und schüchtern. Ausnahmetalent, murmeln die Trainer. Oder kennst du noch jemand in Hessen, der 'nen 32-er läuft? Kopfschütteln. Dem Laien wird erklärt: Er läuft zehn Kilometer unter 33 Minuten. Regina, die siebenfache Mutter, sagt, das Laufen sei ihre Zeit am Tag. "Im Wald habe ich meine Ruhe, keiner will etwas von mir." Hundert Kilometer, jede Woche. Kinder in die Schule richten, und los geht es.

          Läufer liefern sich keine Materialschlacht. Ein paar Schuhe, eine Hose, ein Shirt. Am Nachbartisch sitzen Radfahrer, die es vor dem Abendessen nicht mehr unter die Dusche schaffen, sie stehen in ihren klebrigen Klamotten und den Klick-Schuhen ums Buffet, besprechen Grammwerte von Gangschaltungen. Während der Bauch über die Radlerhose quillt.

          Früher Morgen vor dem Hotel. Gisela, End-Fünfzigerin mit langen Beinen, hat ihren Namen hinten auf der Hose stehen. "Damit die Männer wissen, wer sie überholt." Einer aus ihrem Verein sagte zu ihr, "und wenn ich kotze, an mir kommst du nicht vorbei". Sie und ihr Mann schenken sich zu jedem runden Geburtstag einen Lauf, "New York, Boston, und jetzt wollen wir auf Langkawi die Quali für Hawaii holen".

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