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Tokio : Für Maßlose gibt es nur zerzaustes Glück

Hier blinkt und glitzert nichts: Der Friedhof von Yanaka mitten in Tokio ist einer der ältesten der Stadt. Bild: Picture-Alliance

Das gängige Bild von Tokio ist das einer blinkenden Megalopolis. Dabei geht es in vielen Vierteln fast dörflich zu.

          7 Min.

          Bis das Glück erreicht ist, sind viele Versuche nötig. Und zumindest heute wird es das perfekte Glück nicht geben, die Hoffnung erlischt schnell. Irgendwas kommt auf dem Weg dorthin immer dazwischen. Entweder der Anfang gerät zu dünn oder das Ende zu dick. Und wenn man nur für den Bruchteil einer Sekunde unkonzentriert ist, verlässt einen der Schwung. Vielleicht war es vermessen, gleich das Glück anzustreben. Wohlwollen, Wahrheit und selbst die Ewigkeit sind nicht ganz so unerreichbar, scheint es, wenn man auf die tief gebeugten Köpfe um einen herum schaut, die ähnlich hartnäckig nach dem idealen Strich streben. „Ich übe mich schon seit fünfundfünfzig Jahren in Kalligraphie und lerne immer noch dazu“, tröstet Shiro und zeigt noch einmal, wie der Pinsel zu führen ist, damit das Schriftzeichen so aussieht wie vorgeschrieben.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wir sitzen im kleinen Wohnzimmer der alten Dame, das sich tagsüber in eine Schreibschule verwandelt, und versuchen uns in Shodo, der japanischen Kunst des Schönschreibens. Strich für Strich füllt sich das weiße Papier mit schwarzen Linien, jede sieht anders aus und keine so, wie sie soll. Dabei ist das nur die Vorübung für das Kanji, das japanische Schriftzeichen, das wir am Ende der Stunde schreiben sollen. Warum musste es unbedingt das Kanji für Glück sein? Wäre die Wahl auf eine profanere Sache wie Reis oder Baum gefallen, wir wären schon fertig.

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