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Zur emotionalen Unterstützung : Schön, wenn sich das Tier im Flieger zu benehmen weiß

Tiere an Bord sollten Manieren haben, sonst nerven sie die anderen Passagiere. Bild: Picture-Alliance

Wenn der kleine Liebling nicht in den Frachtraum soll, kann man ihn als „Emotional Support Animal“ registrieren lassen. Das ist schön – wenn sich das Tier zu benehmen weiß. Aber wehe wenn nicht!

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          Es ist gar nicht mal gesagt, dass es ein Nachteil wäre, wenn statt Menschen nur noch Tiere in Flugzeugen mitfliegen dürften. Truthähne klatschen bei der Landung nicht, Ringelnattern schütten keinen Tomatensaft über das Laptop des Nachbarn, Neufundländer grölen keine Wolfgang-Petry-Songs, Hasen telefonieren nicht mit Herrn Bauer vom Vertrieb, Koalabären kneifen nach allem, was man weiß, niemandem in den Po. Es könnte sein, dass es auf Flügen, die nur Tiere befördern, zivilisierter zuginge als beim Transport von Menschen.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Problematisch wird es nur dann, wenn beide Spezies zusammen in einer Kabine fliegen sollen. Erst vor kurzem biss ein riesiger Hund einen Fluggast, der neben ihm saß, mehrfach ins Bein. Der Hund war von seinem Besitzer als „Emotional Support Animal“ registriert, als Tier, das in der Kabine mitreisen darf, um seinem Besitzer die Flugangst zu nehmen.

          Immer mehr „animal incidents“

          Normalerweise sind fast alle flügellosen Tiere, die zum Fliegen gezwungen werden, nervöser als ihre Besitzer, müssen aber trotzdem in der Regel im Frachtraum mitfliegen. Weil das wiederum ihre Besitzer nervös macht, lassen sich viele eine Bescheinigung über Angstzustände ausstellen und dürfen ihren Liebling mit an Bord nehmen, wo er im Namen der emotionalen Beruhigung seines Herrchens ungestört den Nacken der Leute auf den Vordersitzen vollsabbern, die ohnehin dünne Luft hingebungsvoll zerfurzen und die Ruhe an Bord nach Herzenslust zerbellen darf.

          Emotionale Support-Corgis sind an Bord des königlichen Flugzeuges selbstverständlich erlaubt.
          Emotionale Support-Corgis sind an Bord des königlichen Flugzeuges selbstverständlich erlaubt. : Bild: Picture-Alliance

          Nicht nur Hunde, auch Katzen, Schlangen, Truthähne und Hasen durften lange als lebende Beruhigungsmittel mitfliegen, in den Vereinigten Staaten sind 750.000 Tiere als Emotional Support Animals registriert, täglich muss allein Delta Airlines siebenhundert Tiere in der Kabine befördern. Die Fluglinie vermeldete, dass die Zahl der animal incidents, die „Zwischenfälle mit Tieren“ an Bord, seit 2016 um 86 Prozent zunahm; seit März dieses Jahres sind bestimmte Schlangen und Eichhörnchen verboten, auch Truthähne dürfen nur noch in gekochtem Zustand die Kabine betreten.

          Nach einem soeben veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz muss ein Spaziergänger, auf den ein unangeleinter Hund zurast, nicht erst abwarten, ob der Hund nur spielen will, sondern darf ihn sofort mit allem abwehren, was er gerade zu greifen bekommt, im vorliegenden Fall war es ein Ast. Wenn die Sache mit den Psychobegleithunden zunimmt, empfiehlt es sich also, zur eigenen gesundheitlichen Unterstützung einen schönen kleinen Baum oder einen Emotional- Support-Ast mit an Bord zu nehmen: Bellt nicht, singt nicht, ist schön grün, duftet, hilft gegen Angstzustände UND bissige Hunde.

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