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Thermen und Freizeitbäder : Woher bloß die Energie nehmen?

  • -Aktualisiert am

Angesichts der schlechten Nachrichtenlage einfach abtauchen, sich von der Wärme wegtragen lassen: Badende in der Toskana-Therme Bad Sulza. Bild: Martin Kirchner/Laif

Die neue Entspannungspolitik: Thermen in Deutschland versuchen der Krise zu trotzen, in der Schweiz werden zur Energiegewinnung die Seen angezapft.

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          Schon schön. Bis übers Kinn in 35 Grad warmes Wasser abzutauchen und mit halb geschlossenen Augen den Dampfschwaden folgen, die aus dem Becken in die kalte Luft aufsteigen und sich in ihr auflösen. Mehr gibt es gerade nicht zu tun. Wenn nur diese Stimme im Kopf nicht wäre. „Muss das sein?“, sagt sie: „Mal überlegt, was das kostet? An Energie. Wie viel CO2 dafür in die Umwelt gepustet wird.“

          Ein verstohlener Rundumblick zu den Beckennachbarn. Die sehen ebenfalls nicht so aus, als würde das schlechte Gewissen schmerzhaft an ihnen nagen. Wenn sie sich überhaupt bewegen, dann nur, um die Sprudelmassage von der linken an die rechte Schulter zu lenken. Gemessen an den Eintrittspreisen und der Auslastung der Anlage sind zumindest an diesem Samstagnachmittag im November zudem noch sehr viele Menschen vom persönlichen Bankrott durch gestiegene Energiepreise entfernt.

          Die Therme im oberbayrischen Bad Aibling bei Rosenheim ist eines der wenigen kommunalen Bäder, die bisher ohne jegliche Einschränkung arbeiten. „Wir haben vor, so lange geöffnet zu haben, wie es gesetzlich erlaubt ist. Und dabei wird es auch keinerlei Einschränkung geben – weder beim Angebot noch bei der Beckentemperatur“, kündigte der örtliche Stadtwerke-Leiter Stefan Barber bereits im September an. Das ist insofern bemerkenswert, als die Therme mit Gas betrieben wird – wie laut Bäderallianz 90 Prozent aller öffentlichen Bäder in Deutschland. Zusammen mit der daneben liegenden Eishalle ist die Anlage in Bad Aibling größter Kunde der örtlichen Gas und Wärme GmbH und verbraucht nach offiziellen Angaben rund 7800 Megawattstunden (MWh). Umgerechnet in die bei Verbrauchern gebräuchlicheren Kilowattstunden (kWh) sind das 7.800.000.

          Wichtiger Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region: Außenbereich der Therme im oberbayerischen Bad Aibling.
          Wichtiger Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region: Außenbereich der Therme im oberbayerischen Bad Aibling. : Bild: Therme Bad Aibling

          Zum Vergleich: In einem Zweipersonenhaushalt mit einer 80-Quadratmeter-Wohnung werden in einem Jahr etwa 15.000 Kilowattstunden Energie für Heizung, Strom und heißes Wasser verbraucht. Auch der immense Wasserbedarf wird deutlich. Allein die Wasserbecken in Bad Aibling sind über 800 Kubikmeter groß, fassen also mehr als 800.000 Liter Wasser. Nach Angaben der Stadtwerke werden täglich etwa 115.000 Liter Frischwasser zugeführt. Nur ein einstelliger Prozentanteil ist nämlich Thermalwasser, das mit 39 Grad aus dem Boden kommt. Der große Rest ist Trinkwasser, das entsprechend aufgeheizt und warmgehalten werden muss. Darauf werden 45 Prozent des Wärmebedarfs verwendet.

          Zahlreiche kommunale Versorger fürchten, dass sie in diesem Winter in die Insolvenz rutschen könnten – weil womöglich viele ihrer Kunden die gesalzenen Rechnungen nicht mehr werden bezahlen können. Schwimmbäder sind in der Regel ebenfalls ein teures Zuschussgeschäft. Vielerorts wurden die Wasser- und Raumtemperaturen um ein bis zwei Grad gesenkt. Das bringt oft schon 25 Prozent Ersparnis. Die meisten öffentlichen Saunen sind geschlossen.

          Eine erneute Schießung hätte verheerende Folgen

          Dass Bad Aibling dennoch den uneingeschränkten Betrieb seiner Therme verteidigt, liegt an deren wirtschaftlicher Bedeutung für die Gegend. Die Stadt mit Blick auf den Wendelstein und die bayrischen Kalkalpen ist das älteste Moorheilbad Bayerns, den Titel trägt es bereits seit über 125 Jahren. Doch ein um die andere Gesundheitsreform sah die Kurgäste schwinden, viele Anwendungen werden von den Krankenkassen nicht mehr bezahlt. Die 2007 eröffnete Therme, in der sich Spaßbad und Wohlfühl­oase zusammentaten, floriert dagegen und trägt nicht unwesentlich dazu bei, das touristische Angebot aufrechtzuerhalten. Die Konzerte und Kabaretts, das Dokumentarfilmfest, das internationale Gitarrenfestival, die Märkte. Auch Gaststätten, Hotels und Pensionen. Corona hat Spuren hinerlassen, eine erneute Schließung, fürchten sie in Bad Aibling, hätte verheerende Folgen.

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