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Zum Broadway in Manhattan : Die Vorstellung eines Lebens

1500 Dollar für eine Theaterkarte

Apropos Urzeit: Es gibt wohl keinen Ort, an dem man im Moment das Herz Amerikas deutlicher schlagen hören könnte als im Zuschauerraum des Richard Rodgers Theatre, unweit des Times Square. Hier ist man endlich angekommen am „richtigen“ Broadway. Schon lange vor Vorstellungsbeginn des umjubelten Musicals „Hamilton“ drängeln sich aufgekratzte Besucher in der kleinen Lobby des Bühnenhauses. Sie sind von weither angereist, aus Kansas und Alaska, um sich die Lebensgeschichte von Alexander Hamilton, des ersten amerikanischen Finanzministers und Vertrauten von George Washington, erzählen zu lassen. Die Euphorie, die um dieses Musikstück entstanden ist, kennt keine Grenzen mehr. Im Mai 2009 war der junge Musical-Sänger und Komponist Lin-Manuel Miranda zu Gast im Weißen Haus und präsentierte dort einen Rap-Song über Hamilton, dessen Biographie er in den Sommerferien gelesen hatte. Barack Obama soll den jungen Sänger danach dazu ermutigt haben, das Ganze zu einem Musical auszuarbeiten. Was dann 2015 zunächst in einem Off-Broadway uraufgeführt wurde, entwickelte sich schnell zum absoluten Publikumsmagneten. Karten für die täglichen „Hamilton“-Aufführungen sind inzwischen bis ins Jahr 2020 ausgebucht, die Kartenpreise auf dem Schwarzmarkt liegen bei ungefähr 1500 Dollar. Damit wird eine alte Tradition weitergeführt, denn New York war die erste amerikanische Stadt, in der auf Theaterkarten nicht nur drei-, sondern sogar vierstellige Preise standen. Da die Theater keine staatlichen Subventionen bekommen, ist die Produktion eines Broadwaystücks ein gigantisches finanzielles Risiko. Viele Aufführungen spielen ihre Anfangsinvestition, die sich durchaus auf Millionensummen im zweistelligen Bereich belaufen können, nie ein.

Allerdings ist gerade in der aktuellen Broadway-Saison so viel Geld eingenommen worden wie nie zuvor. Rund vierzehn Millionen Zuschauer haben 2017/18 eines der rund dreißig Theater besucht und dafür insgesamt 1,7 Milliarden Dollar ausgegeben. An dieser Zahl hat „Hamilton“, das allein pro Woche etwa zwei Millionen Dollar einspielt, einen großen Anteil. Die mitreißende Art und Weise, mit der die Lebensgeschichte des ehrgeizigen sozialen Aufsteigers erzählt wird, verbindet Hiphop, klassische Broadway-Musik und verschiedene andere Pop-Stile zu einer energisch-unterhaltsamen Unterrichtsstunde im bestmöglichen Sinn. Der Umstand, dass die Gründerväter ausnahmslos von schwarzen Sängern dargestellt werden, verleiht dem Ganzen auch noch eine politische Dimension. Wem gehört die amerikanische Nation, wer hat das Recht auf Erinnerung und Patriotismus? „I am not throwing away my shot“ oder „I want to be in the room where it happens“ heißen die entscheidenden Liedzeilen des Abends. Im Publikum sitzen junge Schulmädchen und alte Rechtsanwälte und kennen jede Zeile der anspruchsvollen Liedtexte auswendig. Gebannt verfolgen sie die lustvoll choreographierten Szenen, jede Bewegung hier, so scheint es, ist eine für Freiheit, für das Recht auf Teilhabe an der Nation und ihrer Geschichte.

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