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Zum Broadway in Manhattan : Die Vorstellung eines Lebens

1973 aus einem Literaturzirkel um den Schriftsteller Miguel Algarín entstanden, wurde das „Cafe“ schnell zu einem Mehrspartenhaus, in dem insbesondere puerto-ricanisch-lateinamerikanische sowie afroamerikanische Kultur präsentiert wurde. Allen Ginsberg nannte das kleine Theater den „höchstintegrierten Platz auf Erden“. Inzwischen liegt die beste Zeit des Hauses hinter ihm. An diesem Abend ist ein Stück mit dem Titel „Life among the Aryans“ angekündigt. Am Eingang begrüßt der Direktor des Hauses jeden einzelnen der etwa zehn Besucher mit Handschlag und einem Plastikbecher Bananenpudding – eine „Delikatesse der Südstaaten“, wie er betont und damit gleich in die tagesaktuellen Themen des Abends einführt: Rassismus, Kulturkampf, das politische Amerika.

Bevor der Vorhang sich hebt, hält der Direktor eine kleine Rede, dankt jedem einzelnen Besucher für sein Kommen und betont, dass seine Schauspieler alle „working class people“ seien, also zur Arbeiterschicht gehörten und daher die Probleme, die sie auf der Bühne verhandelten, aus eigener Erfahrung kennen würden. Ungefähr fünfzehn Schauspieler kommen auf die Bühne und spielen leidenschaftlich die etwas arg pädagogisierende Parabel der Verführbarkeit ihres Milieus – Trumps berüchtigte „forgotten men and women“ – durch einen rassistischen Quacksalber vor. Einige haben Textprobleme, andere sprechen ihre Zeilen so innig bebend, als hätte ihnen Peter O’Toole persönlich die Intonation beigebracht. Als auf der Bühne die Rede davon ist, dass die Gewerkschaften einen massiven Mitgliedereinbruch verzeichnen – von 35 auf 19 Prozent ist die Zahl der in den „Unions“ organisierten amerikanischen Arbeiter gesunken –, geht ein Raunen durch die dünn besetzten Besucherreihen. Das Identifikationsgefühl ist groß an diesem Abend, größer als das Interesse an „schöner Kunst“.

Ein paar Schritte entfernt vom kleinen Theater ist der berühmteste Pastrami-Laden der Stadt. „Katz’s Delicatessen“ heißt er und wurde 1888 gegründet. Kurz vor Mitternacht findet man hier kaum einen Platz, Taxifahrer und Professoren bestellen nebeneinander ihre Sandwichs.

Epizentrum des derzeitigen Theaterbooms: Hamilton.

Eines der wichtigsten Theatererlebnisse in New York ist das alljährlich im Central Park stattfindende Open Air Festival „Shakespeare in the Park“. Seit 1961 spielen hier die besten englischsprachigen Schauspieler Shakespeare unter freiem Himmel in einem Amphitheater mitten im Central Park. Al Pacino konnte man hier schon als Shylock sehen und Meryl Streep als Katharina in „Der Widerspenstigen Zähmung“. Die Besonderheit ist, dass die Karten für die Vorstellungen von der Stadt gezahlt werden, der Eintritt ist also für jedermann frei.

Der Andrang auf die Gratiskarten für die Abendvorstellungen ist erheblich, so dass sich im Sommer schon frühmorgens in der Nähe des „National History Museums“ an der Westseite des Central Park eine lange Schlange bildet. Es wird Zeitung gelesen, Schach gespielt, Musik gemacht, über Trump geredet – immer wieder kommen Lieferanten aus den umliegenden Restaurants und bringen frischen Kaffee und Bagels vorbei. Um Punkt zwölf beginnt dann die Ticketvergabe, und alle stellen sich in die Schlange, die einmal nicht die soziale Hierarchie, sondern die Hierarchie der Frühaufsteher widerspiegelt.

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