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Zum Broadway in Manhattan : Die Vorstellung eines Lebens

Aber auch in Harlem und den umliegenden Randbezirken müssen langjährige Bewohner ihre winzigen Apartments räumen, überall wird noch der letzte Profitrest aus den Gebäuden herausgepresst. Auch die Schlangen bei Wohnungsbesichtigungen gehören zum New Yorker Straßentheater, und die Angst vor Vertreibung und Abstieg ist allerorts mit Händen greifbar. Die Menschen arbeiten wie wild, um sich Wohnungen leisten zu können, in die sie spätabends völlig erschöpft heimkehren, so dass sie den Komfort gar nicht genießen können. Kein Wunder, dass die Selbstmordrate in dieser Stadt proportional zu den Mieten angestiegen ist. An jeder U-Bahn-Station gibt es Werbeschilder für psychologische Telefonseelsorge, „Sie sind nicht allein“ steht da oder: „Denken Sie bitte ein zweites Mal nach“.

Noch immer am Broadway: Hotel Algonquin.

In einem Hauseingang boxt einer mit seinem Schatten, das T-Shirt hat er sich um die Hüften geknotet und die Bluetooth-Box auf volle Lautstärke gestellt für seine Trainingsstunde. Aus den Gullideckeln und Röhren daneben steigt der Dampf immer noch so selbstverständlich hervor, als hätte sich seit den Tagen, an denen hier der junge Stanley Kubrick als Fotoredakteur des „Look“- Magazins auf Motivsuche ging, nichts verändert. Eine phantastische Ausstellung seiner Bilder ist noch bis Ende Oktober im New Yorker Stadtmuseum zu sehen. All die alten New-York-Requisiten, die das Bild der Stadt im Kino und in der Literatur geprägt haben, sind auch heute noch da: Die Feuerleitern, aus tausend Filmen vertraut, versprechen noch immer eine schnelle Nummer, ein Drogengeschäft, einen Zungenkuss – wann sie das letzte Mal wegen Feuergefahr betreten wurden, weiß keiner mehr.

Die Wege sind lang in New York – als Faustregel gilt: Fünf Minuten von Avenue zu Avenue, eine Minute von Street zu Street –, aber nie lang genug, um dabei alles zu sehen. Wer mit der Subway fährt, wird durchgeschüttelt und von dröhnenden Lautsprechern vor sexuellem Fehlverhalten und schließenden Türen gewarnt. Das hastige Laufen – Flanieren im südlichen Sinne ist hier eigentlich nirgendwo möglich – ist auf dem schachbrettartigen Straßenmuster die einzig mögliche Art der Fortbewegung.

Längste Straße der Stadt

Der Broadway ist die längste Straße der Stadt. Bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts schlängelte er sich als Pfad durch die dichten Wälder der Insel. Kontinuierlich ist der sogenannte „Theatre District“ in den letzten Jahrzehnten stadtaufwärts, also „uptown“, gezogen: War er zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch um den Herald Square konzentriert, sind heute eigentlich alle zentralen Bühnen um den Times Square mit seinen Tag und Nacht blinkenden Werbebannern und Plakatwänden verteilt. Was es allerdings nach wie vor gibt, ist der sogenannte Off- oder sogar Off-off-Broadway. Darunter werden all jene kleinen Studiobühnen gezählt, die in New York neben den kommerziellen Marktführern ihr kleines, widerständiges Programm machen. Eine Vielzahl inzwischen international renommierter Theaterkompagnien wurde hier gegründet. Eine der traditionsreichen abseitigen Bühnen ist das sogenannte „Nuyorican Poets Cafe“ in der Lower East Side.

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