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TGV : Frankreich hat es eilig

  • Aktualisiert am

Ein TGV unterwegs Bild: dpa

Kaum ist die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Paris und Marseille fertig, plant die französische Eisenbahngesellschaft den Ausbau der Ostverbindung.

          Frankreich setzt auf die Bahn und feiert seine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke Paris-Marseille: Dieser „französische Erfolg“ stellt eine „Ausnahmeerscheinungen dar, die das Ausland zunächst als zu aufwendig und kostspielig abtut, um sie dann wegen ihrer Vorteile zu beneiden“, urteilt die Pariser Tageszeitung Le Monde.

          Eine Ausnahme deshalb, weil der französische Staat das TGV-Netz plant und finanziell absichert. Nur deshalb konnte die Rekordstrecke trotz massiver Proteste von Umweltschützern und Anwohnern gebaut werden. Und der superschnelle Zug soll Frankreich näher an das vereinte Europa bringen. Nach London und Brüssel peilt der TGV (Train à grande vitesse) jetzt Barcelona und Mailand an. Auch Deutschland soll an das Schienennetz angebunden werden. „Die französische Ausnahme sollte eine europäische werden“, wünscht sich die Tagezeitung und spricht Staatspräsident Jacques Chirac und Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot aus der Seele.

          Umweltschützer protestieren

          Chirac eröffnete am Donnerstag die neue TGV-Verbindung zwischen Paris und Marseille. Der Protest gegen die Hochgeschwindigkeitsstrecke ist nach wie vor enorm. Umweltschützer und Anwohner sehen wegen der Züge, die mit teilweise über 300 Kilometern in der Stunde über die Schienen donnern, düstere Zeiten kommen. Die Fahrtzeit zwischen den beiden größten französischen Städten dauert mit dem TGV 70 Minuten weniger und drei Stunden lang. 25-Milliarden-Franc (knapp 7,5 Milliarden Mark) verschlang das Projekt, das in fünf Jahren Bauzeit durchgezogen wurde.

          Die Erwartungen der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF sind groß. Jährlich sollen sechs Millionen Reisende zusätzlich die schnellen Züge ans Mittelmeer nutzen. Derzeit werden mit dem TGV rund 80 Millionen Reisende jährlich befördert. Bislang verspricht die neue Strecke zwischen Paris und Marseille ein Erfolg zu werden. Der Kartenverkauf für die Trasse boomt, über 600.000 Fahrkarten wurden bis zum August bereits verkauft worden. Im Juli ist der Zug fast schon komplett ausgebucht, meldete die SCNF am Donnerstag.

          Eurocity nach Lyon

          Auch Reisende aus Deutschland können die neue TGV-Verbindung nach Aix-en-Provence, Avignon, Nimes und Marseille besser nutzen: Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag sind die Partnerstädte Lyon und Frankfurt erstmals durch einen Eurocity verbunden. Die Fahrt nach Lyon dauert aber immer noch knapp siebeneinhalb Stunden.

          Süddeutschland hofft auf TGV-Est

          Der so genannte TGV-Est nach Lothringen und ins Elsass soll mehr als 20 Milliarden Franc (knapp sechs Milliarden Mark) kosten und die Fahrt von Straßburg nach Paris in zwei Stunden und 20 Minuten ermöglichen. Derzeit dauert die Fahrt noch fast vier Stunden. Frankreich will auch die Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Straßburg und Lyon ausbauen. Die Arbeiten sollen noch vor 2006 beginnen.

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