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Tegernsee : Das Ursprüngliche wiederentdecken

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An diesem Morgen rollt er in munteren kleinen Wellen so frisch und klar ans Ufer, dass das leichte Kopfweh schnell verfliegt. Der Fischer bringt Kaffee. Seine Leute bauen den Grill auf. Reservierungen werden keine mehr angenommen. Das „Fischerei-Bistro“, eine Art Ableger der berühmten Fischerei im Wiesseer Ortsteil Abwinkl ist jetzt schon die Topadresse der Saison. Weil die Saiblinge aus sind, müssen wir hinein ins Boot und hinüber nach Tegernsee. Wie der junge Fischer, Chef des Bistros und Schulabbrecher, Christoph von Preysing, breitbeinig im T-Shirt den See stehend überquert, als wäre Hinsetzen etwas für Loser, sieht er fast so aus, als stünde er auf den eisgrauen Wellen. Egal, dass er ein albernes Glitzer-T-Shirt trägt, auf dem „Bunga Bunga rules“ und „Mei Liebba“ steht. Endlich ist es da, das versprochene Syltfeeling, und aus Wasser, Mann und Fisch wird für einen herrlichen Moment eine Einheit, ein Versprechen von schlichter Zuversicht, dass die Zukunft eine gute sein wird.

Lehrstunde in Botanik

Auf Vorschlag von Thomas Mandl, dem einzigen Tegernseer, der als „Sozi“ im Kreisrat sitzt, nehmen wir am Nachmittag den „Winterweg“ auf die Neureuth. Mit jedem Schritt über die matschige Erde nach oben auf den Tegernseer Hausberg werden die Alpenchalets und Seniorenresidenzen kleiner, bis sie kaum noch zu erkennen sind. Hat man den steilen Anstieg durch den Wald hinter sich und tritt durch hartnäckige Schneeflecken aus dem Schatten in die Sonne, blühen, was man auf einmal unbedingt wissen will und später googeln wird: Himmelschlüssel, Silberwurz und Leimkraut.

Dann hebt sich der Blick, und neue Berge und Fragen tauchen auf. Der SPD-Mann zählt die Namen der Berge auf, die man, aus München kommend, seit der Kindheit kennt, die Blauberge, den Fockenstein, den Wendelstein, das Karwendelgebirge, und dann schweigen wir ein bisschen. Das würde man gerne länger tun. Und dann vielleicht mal wieder „Servus“ sagen oder „Grüß Gott“, ganz ohne Ironie und ohne Hintergedanken, einfach, weil man in Bayern geboren ist, einfach ins Blaue hinein, das hier blauer ist als anderswo. Für eine kurze Zeit gelingt es sogar. Der Himmel wird weit, und die Sonne scheint zwischen die Gedanken. Doch dann schieben sich wieder die dreißig spanischen Krankenschwestern aus dem „Medical Park“ in Bad Wiessee dazwischen, die schwer Anschluss finden, denen höchstens mal ein Mann nachpfeift, aber niemand eine Wohnung vermieten möchte, die Pläne der Ernst Tengelmann GmbH für ein „Almdorf“, was auch immer das sein soll, das Wissen, dass Tourismus nie unschuldig ist.

Gast ist nicht gleich Gast

Wir reden über die Gastfreundschaft, die selektiv ist. „Willkommen ist nur, wer 150 Euro am Tag liegen lässt. Eine normale Familie kann es sich nicht mehr leisten, hier Ferien zu machen. Und die Einheimischen ziehen weg, weil es kaum Wohnungen gibt, und wenn es welche gibt, die Miete zu hoch ist. Tegernsee hat 600 Betten verloren, und alle tun so, als wäre es ein Marketingproblem, meiner Meinung aber ist es ein strukturelles.“ Warum die Menschen die Natur kaputtmachen, obwohl sie auf sie angewiesen sind? Mandl zitiert Hannah Arendt („gebrauchen statt verbrauchen“), Immanuel Kant („Das radikal Böse“) und Karl Valentin („Jedes Ding hat drei Seiten“).

So fein und blau liegt der See weit unter uns, dass man eigentlich auch gerne investieren möchte. Mandl hat eine Idee. Oben auf der Alm empfiehlt er den Käsekuchen.

Der Weg zum Tegernsee

Anreise Am besten ab München mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB). Für 16 Euro ist man in knapp einer Stunde am Tegernsee.

Übernachtung Im „Lanserhof Tegernsee“ bei Marienstein kostet die Nacht im Doppelzimmer ab 300 Euro pro Person. Ein „Lans Med Kennenlern-Wochenende“ (inklusive eines ärztlichen Beratungsgesprächs, einer Tiefenmassage und eines Salzbads) kostet ab 797 Euro pro Person für zwei Nächte. Eine Woche „Lans Med Basic“ exklusive Unterkunft kostet ab 1410 Euro. Informationen zu einzelnen Behandlungen und weiteren Specials unter www.lanserhof.com

Essen Zum Beispiel in der Fischerei Tegernsee in Bad Wiessee: www.fischerei-tegernsee.com/bistro.html Weitere Informationen unter www.tegernsee.com Diese Reise wurde unterstützt vom „Lanserhof Tegernsee“.

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