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Tansania : Im Visier

  • -Aktualisiert am

Der Great Ruaha-Fluss und sein wichtigster Wirtschaftsfaktor: Tourismus. Bild: Azura Selous

Afrika ringt mit Ebola und Terror, und selbst in ruhigen Urlaubsdestinationen werden die Gäste weniger. Mancherorts auch die Tiere. Zu Besuch im Selous-Park.

          8 Min.

          Habari sa asubuhi“, sagt Martin. Ich nicke und spreche ihm nach: „Habari su buhi.“

          Er schüttelt den Kopf.

          Nein, fast. Noch mal.

          Wir sitzen bei fast vierzig Grad im Schatten am Great-Ruaha-Fluss, das heißt, ich sitze, und Martin steht, denn er arbeitet hier. Eigentlich soll er mir bloß ein Glas Wasser bringen, ich kann aber erst zehn Tiere und zwei Verben: „beißen“ und „schlafen“. Swahili, das ist hier in Tansania die Sprache, in der die meisten Dinge geregelt werden; es gibt über hundert Sprachen im Land, die kann man unmöglich alle können.

          Die zwölf Villen der „Azura Selous Lodge“ – schick, aber nicht übertrieben komfortabel - liegen am Great Ruaha im nördlichen Teil des Selous-Naturparks, etwa eine halbe Flugstunde von Daressalam entfernt. Nach unserer Abreise wird die Lodge zur Regenzeit geschlossen und renoviert werden. Für die nächste Safarisaison. Doch niemand weiß, wie die aussehen wird. 2012 gab es in Tansania etwa eine Million internationale Ankünfte und Einnahmen aus dem Tourismus in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar. „In den letzten Jahren sind viele Urlauber von Kenia auf Tansania ausgewichen“, sagt Roland Hoede, Afrikakenner und Geschäftsführer der Agentur Exclusive Travel Choice. Doch die Angst vor Anschlägen und Ebola macht an keiner Landesgrenze halt. Wir sind hier zwar mehr als siebentausend Kilometer vom letzten Ebola-Ausbruch in Liberia entfernt, doch seit den Reisewarnungen für Kenia und die Küste, dem jüngsten Anschlag im kenianischen Garissa und in Sansibar und Arusha 2014 verzeichnen auch tansanische Reiseveranstalter Rückgänge. „Je nach Region sind die Buchungen in Tansania seit Oktober 2014 um 30 bis 50 Prozent zurückgegangen“, sagt Michael Merbeck von Abendsonne Afrika, einem der großen Spezialveranstalter.

          Flusspferde sind wie große Schafe: doof, genügsam, glücklich. Wenn man sie nicht ärgert.

          Wenn einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren einbricht, geraten nicht nur die Menschen in Schieflage, auch der Artenschutz und das Ökosystem. Genauer: das, worauf Martin und ich gerade blicken.

          „Aug. Aug. Garoump. Bodoromb.“ Jemand spielt auf einem kaputten Saxophon wubbernde Basstöne. Es ist ein Flusspferd. Viele gibt es im Selous, angeblich 20 000. Vor uns sehen wir sechs dunkelgraue Rücken im reißend-braunen Flusswasser. Sie dösen mit dem Kopf auf dem Hinterteil ihres Nachbarn. Meine Reisegruppe sitzt auf Sofas mit gemusterten Kissen, auf dem Boden liegt das golden eingefärbte Fell eines Nguni-Rindes, unter dem Zeltdach hängt ein schwarzer Kronleuchter. Unser Blick geht über den Strom, der im Osten in den Rufiji mündet. Es rauscht. Es plätschert. Zikaden klicken.

          Die Giraffen-Population ist um 40 Prozent zurückgegangen

          Martins Muttersprache ist eigentlich Luguru, er stammt aus den Uluguru-Bergen, etwa einhundert Kilometer von hier. So freundlich wie auch seine Kollegen antwortet er auf jede Frage. Krokodil heißt Mamba. Große Spinne heißt Buibui. Fisch Samaki. Ndege heißt großer Vogel, aber auch Flugzeug. Ich heißt Mimi, du Wewe und die Giraffe, das Nationaltier Tansanias, heißt Twiga. Auf der gegenüberliegenden Flussseite ist sie allerdings verschwunden. Seit letztem Jahr gibt es dort keine Giraffen mehr. Ein Elefant trötet an unserem Ufer und wackelt mit den Ohren. Das größte Problem seien Wilderer, sagt Andrew Vijoen, Geschäftsführer des Azura-Schwesterresorts auf der Quilalea-Insel in Moçambique. Es seien Banden, Syndikate, oft geführt von Chinesen. Sie glauben, das Knochenmark der Giraffen könne Aids heilen, die Asche der Knochen Schlangenbisse kurieren.

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