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Survival-Training in Afrika : Es wird ein bisschen weh tun

  • -Aktualisiert am

Er hat’s überlebt: Unser Autor mit Co-Instructor Matt Bild: Nigel Kuhn

Wer überleben will, muss sich von Impalahoden ernähren und von Frauen verprügeln lassen. Wenigstens weiß man danach, wozu ein Kondom noch gut ist. Fünf Tage Survival-Training im Grenzland von Zimbabwe und Sambia.

          Schnella! Ein Rumpeln und Krachen, es wirft mich hin und her, es prasselt, tost und zischt. Wie eine gigantische Kegelkugel rollt der Donner durch die tiefen Schluchten des Sambesi. Pechschwarz hängt der Gewitterhimmel über uns, steil ragen die Basaltwände empor, üppiges Grün wankt im Regen hin und her. Fischer winken, aufgeschreckte Krokodile verschwinden in Felsspalten, dann schlagen die Wellen der Waschmaschine meterhoch über uns zusammen. Mir ist elend. Ich habe keine Kraft mehr, weder Kondome noch Tampons. Und jetzt melden sich auch noch die rohen Impalahoden und das Pissbeutelfrühstück in meinem Magen. Was soll ich denn noch alles überleben?

          Als wir die Schlauchboote bestiegen, trieb der „mighty Zambezi“, wie man ihn respektvoll nennt, ruhig und gemächlich dahin. Dass er kurz zuvor durch die gigantischen Viktoriafälle gestürzt war, sah man ihm nicht mehr an. Jetzt aber kocht und gurgelt die lauwarme braune Brühe, und wir rudern um unser Leben. Achtern sitzt Käpt’n Simon, ein drahtiger Herr mit Rastafrisur, dem es sichtlich Freude bereitet, sich an uns aufgeschwemmten Weißen für sämtliche erlittenen Kolonialverbrechen des letzten Jahrtausends zu rächen. „Schnella“, ruft er immer wieder, und seine Stimme überschlägt sich dabei - so wie gleich unser Boot.

          In stumpfer Panik paddeln wir um unser Leben. Der Sambesi ist eines der anspruchsvollsten Wildwasserreviere weltweit, seine Stromschnellen sind fast durchgehend mit der Schwierigkeitsstufe 5 klassifiziert, 6 gilt als nicht befahrbar. Sie tragen Namen wie „Waschmaschine“ oder „Terminator 1 und 2“ oder „Gewerblicher Selbstmord“. Es ist meine erste Wildwasserfahrt überhaupt. Und wohl auch meine letzte. Hätte ich das alles geahnt, ich wäre niemals ins Survival-Dschungelcamp nach Afrika aufgebrochen. „Schnella, ihr seid zu langsam!“ Das Boot richtet sich auf, Schreie gellen, ein Gurgeln und ein Tosen. Ich verliere den Halt, gehe über Bord. Rotiere unter Wasser. Mein Helm schlägt an Stein. Dann wird es schwarz.

          „Wir haben in der Regel nur zehn Prozent Verluste“

          Ich habe in meinem Leben schon allerlei Extremsituationen überstanden: Ich war von Anfang bis zum Ende auf einem Konzert der Flippers, ich bin mit der Deutschen Bahn ohne Platzreservierung zur Oktoberfestzeit nach München gefahren, ich habe bei Kentucky Fried Chicken den Zweipersoneneimer mit panierten und frittierten Hähnchenabfällen gegessen, inklusive Sour Cream und zwei mittleren Coleslaw. Und ich habe in den Achtzigern „Die Kunst zu überleben“ gelesen, den Survival-Bestseller von Rüdiger Nehberg. Er war der Erste, der hierzulande das Überleben zum Abenteuer, ja zur Profession gemacht hat.

          Der Rüdiger Nehberg Englands heißt Edward Grylls, doch alle nennen ihn nur „Bear“, den Bären. Als Star erfolgreicher Survival-Fernsehsendungen ist der blendend aussehende, immer noch jung wirkende Mann in Britannien weltberühmt. Er überlebte Hai-Angriffe, einen Fallschirmsprung mit defektem Schirm und bezwang als jüngster Brite mit zweiundzwanzig Jahren den Mount Everest. Natürlich diente er in einer Spezialeinheit der britischen Armee, so wie auch fast alle unsere Ausbilder. Allen voran lead instructor Scotty, ein rotblondes Kraftpaket mit feinen Lachfältchen, der sich nach Einsätzen in Nordirland und im Irak nunmehr um die Sicherheit bei den Survival-Drehs seines Freundes Bear kümmert.

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