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Survival-Training in Afrika : Es wird ein bisschen weh tun

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Zum Frühstück gab es Pipibeutel - wee in a bag, wie die Briten scherzten: Zwei unterschiedlich große Plastikbeutel, einer enthielt einen Brei aus Ei, Bohnen und Fleisch, der die Farbe von Erbrochenem hatte, im anderen war ein Natriumkissen, das loskochte, wenn man es befeuchtete. „Den Bohnenbeutel in den großen, und dann Flüssigkeit draufgeben“, kommandierte Scotty. Bei Expeditionen sei Trinkwasser dafür natürlich zu schade, da empfehle es sich, in den Beutel zu pinkeln, um so den Brei aufzukochen. Beim anschließenden Verzehr sei darauf zu achten, eine saubere Beutelecke außerhalb des Pissbeutels zu belassen, an der man dann sauge. Nun durften wir Wasser zugeben.

Mach den Schmetterling

Wenig später schlürften wir den Nahrungsbrei in uns hinein und diskutierten die ideale Farbe von Urin. Sei der nämlich orange-gelb, könne man nur schlecht überleben, dann sei man dehydriert. Wasserklar sei aber auch nicht gut, dann sei man ausgeschwemmt und demineralisiert. „Ideal ist ein leichtes Hellgelb“, sagte Scotty - und ließ vor Schreck plötzlich seinen Behälter fallen. Einer der Kursteilnehmer hatte tatsächlich eine eindeutig hellgelbe Flüssigkeit in seinem Aufkochbeutel.

Nach dem Frühstück mussten wir Selbstverteidigung üben und im Zweikampf gegeneinander antreten. Meine Gegnerin war Marisa, die in Südafrika Impalas und Giraffen züchtete. Eine Frau zu verprügeln ist viel schwieriger, als man glauben möchte. Ich konnte keinen einzigen Treffer setzen, dafür schlug sie mir die Oberarme grün und blau. Ich war stinksauer. Danach wurde ich von Jabu verdroschen. Wären sie Männer gewesen, ich hätte sie zu Frühstücksbrei gehauen. So aber blieben mir nur zwei Niederlagen und acht blaue Flecken.

So schleppte ich mich durch die Wildnis Afrikas, das ständig schwächer werdende Aggregat wurde durch immer neue Adrenalinstöße vorangepeitscht. Als es an einem Abhang im Wald nicht mehr weiterging, mussten wir uns abseilen. Das hatte ich noch nie in meinem Leben gemacht. Also schlug ich Scotty vor, lieber weiterzugehen und nach einer Seilbahn oder einer Treppe zu suchen. Der Ausbilder lächelte gequält, ließ den Karabiner in meinen Sitzgurt einrasten, sagte mir, ich solle „den Schmetterling“ machen, und schon hing ich voll in den Seilen. Zu meiner Verwunderung kam ich lebend unten an.

Vom Team gerettet

So ging es auf und ab, über Stock und Stein, Fels und Fluss. Wir hangelten uns an Seilen entlang und flogen in offenen Helikoptern. Wer hinfiel, wurde aufgehoben, wer aufgab, wurde weitergeschleift. Ohne dass Scotty es angeordnet hatte, achteten wir auf- und sorgten füreinander. Dass wir ein Team geworden waren, erfuhr ich am letzten Tag am eigenen Leib.

Wir saßen im Boot und ruderten durch den Gewitterregen. Um unser Leben. Die Waschmaschine hatten wir mit Mühe überstanden, nun spürten wir den Sog von Terminator 1. Das Boot richtete sich auf, Schreie gellten, Gurgeln und Tosen: Ich verlor den Halt, ging über Bord und schlingerte durch den mächtig reißenden Sambesi. Just bevor es ganz schwarz wurde, spürte ich zwei Hände. Drei! Vier! Fünf! Sie zogen mich empor, ins sichere Boot. Mein Team hat mich gerettet. Seitdem fühlte ich mich unverwundbar. Jedenfalls fast.

Als ich, zurück in der Safari-Lodge, aus Scottys Händen die Urkunde für erfolgreiches Überleben erhielt, bilanzierte ich einundzwanzig Schrammen, Hämatome und offene Wunden an insgesamt fünf Extremitäten. Bear Grylls hat recht behalten, es hat ein bisschen weh getan. Aber ich habe überlebt. Und ich werde weiter überleben, denn für die Zukunft bin ich gewappnet: Vielleicht nicht immer mit Pipibeutel, aber Kondome und Tampons hab’ ich jetzt immer in der Tasche. Und vielleicht sogar ein bisschen Elefanten-Dung.

Der Weg zum Überlebenstraining

Anreise: South African Airlines fliegt täglich ab Frankfurt über Johannesburg nach Victoria Falls (Hin- und Rückflug kosten rund 900 Euro, www.flysaa.com). Alternativ und etwas günstiger fliegt auch British Airways von Frankfurt über London und Johannesburg nach Victoria Falls (ca. 700 Euro, www.britishairways.com).

Der fünftägige Survival-Kurs der Bear Grylls Survival Academy Africa am Sambesi in Zimbabwe kostet inklusive Unterkunft, Verpflegung, Ausrüstung, sämtlicher Kletter- und Raftingtouren, Jeep- und Helikopter-Transfers ca. 2300 Euro. In Großbritannien und Amerika werden auch kürzere Kurse angeboten, zum Beispiel 24-Stunden-Intensivkurse. Mehr dazu unter www.beargryllssurvivalacademy.com. Für Edward „Bear“ Grylls in Aktion www.discoveryuk.com/web/born-survivor

Weitere Informationen zu Reisen nach Zimbabwe www.zimbabwetourism.net Diese Reise wurde unterstützt von Bear Grylls Survival Academy und Mantis Extreme.

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