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Survival-Urlaub : Papa, ich mach’ schon mal Feuer!

  • -Aktualisiert am

Bild: Studio Grau

Der Sohn, der Vater und der Muskelkater: Beim Survival-Urlaub an der Mecklenburger Seenplatte lernen kleine und große Männer einander besser kennen

          4 Min.

          Auf der Lichtung, beim Bolzplatz, gibt es einen von Johanniskraut bewachsenen Hügel. Dort kann man das Handy am langen Arm in den Himmel strecken und manchmal Nachrichten mit dem daheim gebliebenen Rest der Familie austauschen. Manchmal. „Vielleicht hängt es vom Wind ab“, vermutet mein Sohn. Im Wesentlichen sind wir allein. Papa und Kind in der Mecklenburger Wildnis. Mitten in der Seenplatte, beim Kleinen Peetschsee. Direkt vor dem Zelt plätschert das Wasser.

          Spuren im Wald

          Ich bin sonst der Typ, der an der Cocktailbar sitzt, mit dem Barkeeper über Gins philosophiert und dem unterbezahlten Jazzpianisten zuhört. Was habe ich im Wald neben einem Campingplatz zu verlieren? Nichts, richtig! Mein Sohn, Stadtmensch wie ich, bekommt als Erstes im Zelt einen hysterischen Anfall und zählt schreiend Fliegen und Spinnen.

          Dann das Wunder. Zwei Tage später werden wir lässige Trapper sein. Wir werden gelernt haben, wie man richtig Feuer macht, wie man Spuren im Wald liest, wie man mit dem Bogen schießt. Und was man im Kanu tut, wenn Wellen aufkommen. Wir werden uns wie Kerle fühlen. Insofern funktioniert das „Vater-Sohn-Survival light“ des Reiseanbieters Vamos prächtig.

          Verantwortlich dafür ist unser Reiseleiter, der unsere Zelte am Waldrand schon aufgebaut hat und gerade die Gaskocher anwirft, als wir ankommen. Ein Outdoor-Freak, denke ich, aber einer, vor dem man Respekt haben muss. Die Kinder nennen ihn „Marco Polo“, er heißt eigentlich nicht so, aber der Name passt. Freundlich ist er, aber auch bestimmt mit den Kleinen, er schläft gern ohne Zelt draußen und verbringt sein Leben in der Natur. Und er hat Bier gekauft, für uns Väter. Frauen sind keine dabei, sollen auch nicht.

          Während mein Sohn mit seinen neuen Freunden schnitzt und Fußball spielt, muss ich auch lernen, mich auf meine einzustellen. Abends am Lagerfeuer reden die Männer, was man eben so redet unter Aussteigern: Die Menschen konsumieren zu viel und müssen dringend „entschleunigen“. Und wir sind alle unfrei und von Medien sowie Werbung gelenkt. Mit Besorgnis wird das alles ausgetauscht, nicht mit Pegida-Hass, aber schon mit viel Liebe zum Klischee. Es sind auch alle von den Müttern ihrer Kinder getrennt. Väter auf Sinnsuche.

          Gleich am Morgen des zweiten Tages finde ich meine Gabeln nicht. Wir sammeln alles in einer überdachten Feuerstelle, unserer Basis. Aber einer von den anderen Spinnern bunkert seine Dinge in seinem eigenen Koffer. Ich möchte wetten, er hat meine Gabeln. Gleich gibt es Krieg! Als ich das denke, kommt er auf mich zu und entschuldigt sich, er habe aus Versehen mein Besteck mitgenommen. Ein superhöflicher Typ. Hab’ ich Spinner gesagt? Niemals!

          Väter und Söhne

          In den ersten 24 Stunden gehen wir - vier Väter, vier Söhne, ein Marco - tief im Wald Bogenschießen, was erstaunlichen Spaß macht. Danach Baumklettern, wirklich hoch, ich bekomme Höhenangst. Einer hält den anderen angeseilt fest. Da fühle ich mich schon wie im Manager-Seminar. Meine Familie ist eine Abteilung, in der alle nebeneinander her leben, und hier dürfen wir uns wieder solidarisch zusammenfinden. Das Seil hält natürlich mein Sohn.

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