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Foto: Restaurant Oberholz

Ein Hang zur Moderne

Von LENZ KOPPELSTÄTTER
Foto: Restaurant Oberholz

4. Februar 2022 · In den Südtiroler Dolomiten hängt die Messlatte ein wenig höher als im Rest der Alpen, jedenfalls wenn es um Architektur und Kulinarik geht. Vier Einkehrschwünge.


Das „Zallinger“

Die Kirche stand schon da, das „Zallinger“ besteht aus sechs Chalets
Die Kirche stand schon da, das „Zallinger“ besteht aus sechs Chalets Foto: Benno Prenn

Wenn Markus Burger zum Fenster hinausblickte, dann sah er ihn bei den Erlen stehen. Jeden Tag. Doch der 43-jährige Hüttenwirt musste warten. Weil der Hirsch noch kein Geweih hatte. Und einen Hirschen ohne Geweih, den schießt man nicht. Weidmannsehre. Burger lebt und arbeitet oben auf der autofreien Seiser Alm, ganz hinten drin im letzten Eck des Skigebiets. Die morgendliche Wintersonne strahlt das typisch helle Felsgestein der umliegenden Dolomitenformationen an: Langkofel, Plattkofel, Rosszähne, Schlern. Beim altertümlichen Florianlift steht minus 20 Grad Celsius auf der Anzeigetafel. Wurscht! Drinnen in der ofengewärmten Lounge des „Zallinger“ ist es kuschelig warm. Und denkt man sich die Skischuhe und die Landschaft vor dem Fenster draußen alles weg – das Kirchlein, eingeweiht anno 1858, eingebettet ins Winterwunderland, die Skispuren im Pulverschnee –, dann könnte man sich auch in einem New Yorker Co-Working-Space wähnen. Plätschernder Jazz. 

  • Der Blick aus der Lounge des Zallinger fällt auf die umliegenden Dolomitenformationen: Langkofel, Plattkofel, Rosszähne, Schlern.
  • Das „Zallinger“ bei Nacht.
  • Der Blick aus der Lounge des Zallinger fällt auf die umliegenden Dolomitenformationen: Langkofel, Plattkofel, Rosszähne, Schlern. Foto: Benno Prenn
  • Das „Zallinger“ bei Nacht. Foto: Benno Prenn


Hipster in Skischuhen greifen nach den Krapfen mit Marillenmarmelade vom Nachbarsbauern und tippen zeitgleich leise Geschäftsideen in ihre Notebooks. „Die sitzen alle hier zusammen, weil wir uns gegen Internet+ auf den Zimmern entschieden haben“, sagt Luisa Schenk, Markus’ Tante. Die 63-Jährige trägt goldene Tracht, lacht vergnügt und nippt an einem Espresso. Da, wo heute die sechs preisgekrönten Chalets aus Lärchenholz stehen, standen einst die Hütten eines Weilers. Früher wurde bei Birnenschnaps und mit Ziehorgel-Gejodel gefeiert. „Doch alles hat seine Zeit“, sagt Schenk. Über den Köpfen der Notebook-Skitouristen hängt ein Geweih. Nicht irgendeins. Der Neffe hat geduldig gewartet, damals, vor einem Jahr, und ihn dann doch noch erwischt. Samt Geweih. Drüben bei den Erlen. Nun brutzelt der Hirsch als Gulasch im Kochtopf.

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