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Südafrika : Das Glück liegt hinter Düne 91

Wer möchte, kann mit Andries, einem San, der in der Lodge arbeitet, durch die Dünen wandern und sich die Vegetation erklären lassen. Er versteht sich auch aufs Spurenlesen: „Die San lesen die Dünen wie eine Zeitung“, sagt Richard Ilett. „Sie wissen genau, dass hier eine Maus gelaufen ist und auch, in welchem Gemütszustand die Maus war - je nachdem, ob sie den Schwanz erhoben hatte oder schleifen ließ.“ Das hier sei jedenfalls eine drei Tage alte Leopardenspur, sagt Andries und deutet auf Vertiefungen im Sand. Wir sind beeindruckt. Woran er das erkennt? „Na, sie war vor zwei Tagen auch schon da!“, sagt Andries und grinst. Wir lachen erleichtert. Buschmannwissen ist also auch kein Hexenwerk.

Frühmorgens wandern wir mit Andries durch die Dünen. Als San kann er die Spuren lesen wie eine Zeitung.

Andries Freundin Melissa ist eine Mier und hat in der Lodge den Aufstieg von der Küchenhilfe zur Rangerin geschafft – ein Beruf, den man sonst eher mit weißen mittelalten Männern verbindet. „Ich mag Tiere“, sagt Melissa einfach und sucht den Horizont ab. Da hinten, ein Gepard! Wir kneifen die Augen zusammen und reichen das Fernglas herum: Doch, da hinten am Hügel, da sitzt er. „Well spotted“, sagt Richard. Dass er auf Erfolgsgeschichten wie die von Melissa ziemlich stolz ist, merkt man ihm an. Dann mixt er Gin Tonic für alle, denn den Sundowner nimmt man am Besten in freier Natur. Das ist luxuriöser als jede Hotelbar.

Leere gibt es hier reichlich

Für Freunde des Eventtourismus im ganz großen Safaristil ist die Kalahari wirklich nicht geeignet. Hier jagt man nicht in Jeeps Elefantenherden hinterher, man steht eher einmal um einen Busch herum, reibt Blätter und stellt fest, dass sie wie Lavendel riechen. Man lernt, wie Käferspuren aussehen und Skorpionspuren und darf einen fünfzehn Zentimeter langen, daumendicken Tausendfüßler anfassen, wenn man sich traut. Man parkt stundenlang an einer Kreuzung, weil man sich nicht vom Anblick zweier Wüstenfuchswelpen losreißen kann. Man schaut in den Nachthimmel, sucht Orion und Jupiter und Mars und guckt ansonsten in die Leere. Davon gibt es hier viel, obwohl Leere heute so selten geworden ist.

Bevor es nach Upington zurückgeht, machen wir einen Abstecher zum zweiten Nationalpark der Gegend, dem Augrabies Falls National Park. Er ist nur ein Bruchteil so groß wie der Kgalagadi, aber die Landschaft spricht sehr für einen Besuch. Während wir in den Dünen die Schönheit eher im Detail gesucht haben, gibt es in Augrabies das ganz große Überwältigungsprogramm mit bizarren Felsformationen in roter Abendsonne, mächtigen, dickblättrigen Köcherbäumen und vor allem dem tiefen Canyon, den der Orange River in die Landschaft gegraben hat. Ein Labyrinth aus Holztreppen, Stegen und Plattformen macht es möglich, sich die Schlucht angstfrei anzuschauen und das Wasser von oben zu betrachten.

Der Wasserfall ist momentan zwar eher ein tröpfelndes Rinnsal als überschäumende Naturgewalt. Aber was macht das schon, wenn man auf dem Rückweg zwei stänkernden Giraffenbullen über den Weg läuft? Diese sonst so in sich ruhenden Tiere winden ihre Hälse ineinander und drücken sich gegenseitig nieder. Ab und zu schauen sie zu uns herüber. Giraffen sehen sehr gut und wissen genau, wer wir sind und dass wir keine Gefahr bedeuten. Deshalb gibt es für sie keinen Anlass, schreckhaft zu sein. Irgendwann beruhigen sie sich wieder und ziehen davon, ganz gemächlich überqueren sie die Straße, die langen Hälse schaukeln bei jedem Schritt. Sie gehören ganz allein uns, denn sonst ist ja niemand da.

Im roten Wüstensand

Anreise zum Beispiel mit South African Airlines von Frankfurt oder München via Johannesburg nach Upington. Informationen unter Telefon 069/29980320 oder www.flysaa.com.

Der Kgalagadi Transfrontier Park ist ab Upington ausgeschildert und lässt sich mit dem Mietwagen gut erreichen. Selbstversorgerhütten kosten um die 75 Euro pro Chalet. Alle Informationen unter www.sanparks.org/parks/kgalagadi.

Die !Xaus-Lodge hat die schöne Adresse „Dune 91, Off the Auob River“ und bietet Arrangements für mehrtägige Aufenthalte an. Kosten pro Person/Tag inklusive Mahlzeiten und Aktivitäten ca. 195 bis 245 Euro. Informationen und Buchung unter www.xauslodge.co.za.

Der Augrabies Falls National Park ist mit seinen gutausgebauten Wegen kleiner, aber auch bequemer als Kgalagadi. Es gibt Selbstversorgerhütten (um 75 Euro), aber auch ein empfehlenswertes Restaurant. Informationen unter www.sanparks.org/parks/augrabies

Allgemeine Informationen über das Land erteilt die Tourismusbehörde von Südafrika unter der Telefonnummer 0800/1189118, per E-Mail unter info.de@southafrica.net oder auf der Website www.dein-suedafrika.de.

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