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Elsass : Die Schwestern

  • -Aktualisiert am

Heimliche Hauptstadt Colmar: herausgeputztes Fachwerk und überbordende Geranienflut. Bild: Picture-Alliance

Straßburg oder Colmar? Beide Städte sind dank makellos erhaltener Altstädte Nabelpunkte des elsässischen Tourismus. Einander würdigen sie mit herzlich gepflegter Nichtbeachtung. Doch jetzt beginnt ein Wettkampf städtebaulicher Großprojekte und innovativer Verkehrskonzepte.

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          Aller Anfang ist schwer für einen Straßburger in Colmar. Eric Girardin, Drei-Tage-Bart, graumelierter Mecki, versinkt im orangefarbenen Rietveld-Fauteuil und streckt die langen Beine in Richtung des deckenhohen Rokoko-Fayence-Ofens aus. „Stimmt, Colmar und Straßburg sind sich nicht grün, das gehört zur elsässischen Folklore“, erzählt der Hotelier und Koch aus der Tiefe des Designklassikers. Wo sonst Rollkoffer durch die Empfangshalle rattern, herrscht pandemiegedingte Stille im Foyer der „Maison des Têtes“. Auch im zum Haus gehörenden, vom Büro F+F Architectes – aus Straßburg, ausgerechnet! – entworfenen Restaurant ist seit Monaten der Lock-down-Vorhang für das perfekt orchestrierte Ballet der Kellner und für das dem Haus angemessene große französische Restauranttheater gefallen. Was dessen Indendant Eric Girardin mit Fassung trägt.

          Denn der Ruf der „Maison des Têtes“ ist gleich doppelt gesichert, damit die Hoffnung auf eine erfolgreiche Wiederaufnahme des Betriebs bei abklingender Pandemie berechtigt. Kein Reiseführer, in dem Colmars prachtvollster Stadtpalast, der seinen Namen den hundertsechs Steinköpfen an der vierhundert Jahre alten Renaissance-Fassade verdankt, nicht erwähnt wäre. Kein Gourmetführer, der das darin untergebrachte Restaurant nicht in höchsten Tönen lobte. Und kein Tag vergeht, an dem sich auch in Zeiten der Pandemie Passanten durch das gewaltige Portal wagen, um einen Blick in den Innenhof zu werfen. Oder um das im Internet bestellte Menü abzuholen.

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