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Strandbemerkungen : Sylts Schwester ist ein wildes Kind

  • -Aktualisiert am
So geht Spaß: In Sylt fahren die Neureichen Autokorso mit ihren Protzkisten, in Fanø setzt man sich in eine Seifenkiste und rast den Strand entlang

Blokart ist eine schöne Alternative zum Autokorso der Neureichen auf Sylt. Das dazu nötige Gefährt sieht aus wie ein etwas zu großer Kinderwagen, in dessen Mitte ein Surfsegel steckt. Sobald das Ding aufgerichtet ist und der Anschnallgurt sitzt, gibt es kein Halten mehr. Man muss gleichzeitig lenken und an einem Seil ziehen, mit dem man notdürftig das Segel kontrolliert. Zieht man es straff, kann man je nach Windstärke schnell bis zu sechzig Sachen draufhaben - so schnell darf in Kampen kein Maserati fahren. Ein Bremse hat das Gefährt nicht, was wir aber erst merken, als wir mit vollem Karacho auf die Waterkant zurasen. Im letzten Moment lassen wir das Seil locker und reißen das Steuer herum. Das Segel schwabbelt, bis es umklappt und abermals vom Wind erfasst wird - unsere erste Wende ist vollbracht.

Reetdachhäuser sind allerliebst

Es ist wie mit den meisten Dingen im Leben, die neu sind und Spaß machen: Man kann erst einmal gar nicht mehr damit aufhören. So geht es auch uns mit dem Blokart, Wende um Wende, dazwischen immer kühneres Straffziehen des Seils und immer waghalsigere Kurven, bei denen auch schon mal ein Rad abhebt. Zusätzlichen Thrill bereitet der Querverkehr. Denn natürlich sind wir nicht allein, und es gibt noch viel seltsamere Gefährte hier, auf denen Menschen sich von einem Lenkdrachen ziehen lassen und dabei aberwitzige Sprünge vollführen. Nach der zweiten Beinahekollision entsagen wir dem Geschwindigkeitsrausch und lassen das Segel sinken.

Es ist Zeit, den Tag in Dänemarks schönstem Dorf ausklingen zu lassen - hierzu zumindest wurde Sønderho, das an der Südspitze von Fanø liegt, 2011 gekürt. Und es scheint nicht übertrieben. Seine alten Reetdachhäuser sind allerliebst, jedes ein Unikat, man schreitet zwischen ihnen auf engen Pfaden einher, immer wieder ergeben sich überraschende Sichtachsen. Ab und zu grüßt auch ein geschwungener holländischer Giebel, die Idee dazu haben dänische Seefahrer von ihren Reisen mitgebracht. Wie stark das Leben auf See hier alles geprägt hat, sieht man an der Dorfkirche. Auf ihrem Dachboden nähten die Frauen des Ortes über Jahrhunderte Segel. Und im Innenraum erhält das Wort Kirchenschiff eine ganz neue Bedeutung. Hier hängen nämlich lauter aufwendig gestaltete Schiffsmodelle, darunter auch ein holländisches aus dem achtzehnten Jahrhundert mit besonderem Schicksal: Es ist die Miniaturausgabe seines Mutterschiffs, die irgendwann auf Fanø angespült wurde mit einer Flaschenpost im Bauch. Sie teilte mit, dass das Modellschiff nur im Falle des Untergangs des Großschiffs ausgesetzt werde. Wer es finde, solle es doch bitte in einer Kirche zum Gedenken aufstellen.

Viel Rausch, wenig Moderne

Das Historisch-Beschauliche passt zu Fanø, dieser Insel, die sich so hartnäckig dem Rausch der Moderne verweigert. Sieben Berge hat sie, der höchste misst einundzwanzig Meter. Und sieben Kinder gehen in der Kindergarten von Sønderho. In der windgeschützten Mitte der Insel kann man sogar Bienen züchten. Ganz gefeit vor neuen Moden ist man allerdings auch hier nicht. So ist jemand auf die Idee gekommen, dass man Honig auch ins Bier mischen kann. Oder sogar Schokolade. Das sind aber zum Glück nicht die einzigen Sorten im „Fanø Bryghus“, das damit lockt, das „letzte Brauhaus vor England“ zu sein. Vor seiner Tür legt die Fähre nach Harwich ab. Im Herbst wird die Verbindung eingestellt. Und das ist gar nicht schlimm, denken wir uns, als wir einen tiefen Schluck von unserem „Stormflod“ nehmen.

Nassschatzsuche und Trockensegeln

Informationen zur Insel Fanø gibt es im Internet unter www.vistfanoe.dk. Die Austernsafari kann man buchen über die E-Mailadresse event@visitfanoe.dk oder unter der Telefonnummer 0045/70/26 42 00. Am Strand von Rindby gibt es verschiedene Blokart-Verleihe. Ferienhäuser auf Fanø findet man etwa über www.danibo.dk. Für Übernachtungen der gehobeneren Klasse bietet sich das Hotel Sønderho Kro im ältesten Haus des Dorfes an, es wurde 1722 erbaut (Kropladsen 11, Sønderho, DK-6720 Fanø, Telefon: 0045/ 7516 4009. Fanø kann man auch als Tagesausflug vom Festland aus besuchen, die Fähre von Esbjerg nach Nordby kostet für Erwachsene 45 Kronen, für Kinder 25 Kronen und für ein Auto in der Hochsaison 415 Kronen. Die Reise wurde unterstützt von Visit Denmark.

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