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Strandbemerkungen : Sylts Schwester ist ein wildes Kind

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Ausgekippt ins Gras, sieht die Auster schon anders aus, stellenweise schillernd, man beginnt die feinen Schichten im Kalkpanzer zu sehen. Nun beginnt der kulinarische Teil. Vor einer Hütte in den Dünen hat Jesper einen Tisch mit seinen Utensilien vorbereitet. Man legt die Auster in ein Handtuch, greift sie mit einer Hand und zückt mit der anderen ein kleines Messer, das man in die Auster sticht, „ins Auge“, wie man sagt, womit eine Schwachstelle des Muschelmuskels gemeint ist. Nicht gleich findet der Anfänger den richtigen Ansatzpunkt, aber irgendwann geht das Messer dann hinein. Man dreht es, es knackt, es ist geschafft. Jetzt zeigt die Muschel ihre blanke, weiße Innenseite. Das Lebewesen, das bis zu dreißig Jahre lang in seinem immer dicker werdenden Panzer gehaust hat, wird losgeschnitten und mit etwas Zitrone beträufelt. Dann tritt es seine erste und letzte Rutschfahrt an.

Dünsten im eigenen Saft

Wenn man im Delikatessengeschäft frische Austern kauft, sind sie meist schon ein paar Tage alt“, sagt Jesper mit einem herzhaften Lachen, das auch ein kleiner Hieb auf gewisse Nachbarinseln ist. Hier werden sie nach kaum einer Stunde schon verzehrt - frischer geht es nun wirklich nicht. Jesper bietet die Austerntour erst seit kurzem an, hatte aber schon Besuch aus dem Kopenhagener Spitzenrestaurant „Noma“ und von Mitarbeitern des Starkochs Jamie Oliver. Derzeit ist er dabei, selbst ein Kochbuch mit eigenen Austern-Kreationen zu schreiben. Sein Hit könnte zum Beispiel jenes Rezept mit Scheibchen frischer Erdbeeren und schwarzem Pfeffer werden. Wer vor dem Verzehr frischer Austern zu viel Respekt hat, kann eine andere Variante wählen: Auf dem Grill werden die Muscheln in ihrem eigenen Saft gedünstet, wobei sie sich von selbst öffnen. Dann nimmt man die obere Schalenhälfte ab und gratiniert, wahlweise mit Kräuterbutter, Parmesan oder Gorgonzola. Gewiss gewagt, aber auch gewinnend. Wer davon probiert, lässt garantiert allen Widerstand fahren, denn es ist wirklich ein Hochgenuss.

Der Witz bei der Sache ist aber auch, dass bei der familientauglichen Sammel-Safari der Auster die letzten snobistischen Assoziationen genommen werden. Was es wie Sand am Meer gibt, kann nicht mehr als Distinktionsmerkmal der High Society gelten: Austern für alle, Spaß für ’ne Mark, und das sogar noch mit gutem Gewissen, denn wenn der Mensch die Austern wegsammelt, werden sie vielleicht nicht allzu dominant im Wattenmeer. Aufpassen muss man natürlich etwas beim Frischverzehr. Verzichten sollte man, wenn das Meerwasser mehr als vierzehn Grad hat.

Mit dem Blokart durch den Sand

Wenn das in der Nordsee einmal der Fall ist, sollte man aber ohnehin nicht mehr Austern sammeln, sondern ein Freudenbad nehmen. Das geht auf Fanø am besten an der Westseite der Insel, die hier einen vierzehn Kilometer langen Sandstrand bietet. Es ist jetzt Nachmittag und nach den Gaumenfreuden Zeit für etwas Bewegung. Der Strand von Rindby hat dafür alles, was man sich wünscht, inklusive Strandaktivitäten, für die man gar nicht ins Wasser muss, etwa das Trockensegeln. Die Dänen nennen es natürlich anders: Sie fahren Blokart.

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