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Im Strandkorb : Für jeden gibt’s ein Haus am Meer

  • -Aktualisiert am

Strandkorbglück Bild: dpa

Wie ist das, wenn sich das ganze Ferienleben in einem großen Korb abspielt? Unsere Autorin knüpft daran nur allerbeste Erinnerungen.

          1 Min.

          Im Alter von acht Monaten lag ich zum ersten Mal in einem Strandkorb, in Scharbeutz an der Lübecker Bucht. Ich trug einen weißen Frotteestrampler, hörte Stimmen, Kinderlachen, Möwen, das Meer. In einem Strandkorb cremte mich meine Mutter ein, mit Piz Buin oder Delial. In einem Strandkorb trug ich meinen ersten Sonnenhut. In einem Strandkorb aß ich mein erstes Eis (Mini Milk Vanille). Unter einem Strandkorb verbarg sich meine vierundfünfzigteilige Schlumpfsammlung, mit der ich frühmorgens im Sand Siedlungen anlegte und sie abends wieder aufgab. Unter jenem Strandkorb lagerten ebenso Bagger, Spielzeugautos, Schaufeln, Eimer sowie zwei Luftmatratzen in Blau und Rot. In einem Strandkorb versteckte ich mich vor dem Schwimmunterricht.

          An einen Strandkorb band mein Vater eine aufblasbare Milka-Kuh, damit ich ihn im Gewirr wiederfinden würde. In einem Strandkorb aßen wir in jenem Sommer Milchreis mit Zimt und Zucker. In unserem Strandkorb duftete es nach Salz, Sand und Sonnenmilch, sein Inneres war orange-weiß gestreift, unter dem Dach sah man Vögel, Schilf und Seesterne, an seinen Seiten hingen Handtücher, Hosen, Strandtaschen. In einem Strandkorb saß ich zwischen meinen Eltern und wartete Sommergewitter ab. In einem Strandkorb habe ich mehr gelesen als in der Schule: erst „Yps“, dann die „Bravo“, die „Brigitte“ und später Buch um Buch. In einem Strandkorb versteckte ich mein Teenagerselbst in sackförmigen Schlabbershirts. In einem Strandkorb cremte ich viele Jahre später meine Mutter ein. In einem Strandkorb saßen wir nebeneinander und schauten auf die Ostsee. In einem Strandkorb fiel mir mein erstes Fischgedicht ein. Aus einem Strandkorb heraus sah ich die Welt, aber die Welt sah mich nur, wenn ich das wollte. Alle reden von dem berühmten Haus am Meer. Ich wuchs in einem auf.

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