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Mit dem Fahrrad durch die Steiermark : Wassergöttin statt Schwarzenegger

  • -Aktualisiert am

Eine stählerne Nixe? Eine verzauberte Schwimmerin? An der Mur begegnet man den eigenwilligsten Wesen. Bild: Volker Mehnert

Von wegen Biedermeier! Auf dem Radweg entlang der Mur offenbart die Steiermark landschaftliche und kulturelle Kostbarkeiten - und überrascht mit Mut zur Moderne.

          Arnold Schwarzenegger mag international der bekannteste Steirer sein, als typischer Repräsentant seiner Heimat kann er nicht gelten. Denn die Steiermark ist alles andere als ein Revier für maskuline Muskelprotze und Hollywood-Politiker und schon gar kein Terminator-Territorium, auch wenn sie dem Mann in seinem Geburtsort Thal schon zu Lebzeiten ein Museum gewidmet haben. Das braucht man sich aber wirklich nicht anzuschauen. Die adäquaten Hauptdarsteller im steirischen Heimatfilm hingegen sind zwei unbeugsame Bäume, ein abnormer Kürbis, ungewollte Thermalquellen und in einer brillanten Gastrolle der amerikanische Künstler Vito Acconci.

          Aus der Ferne betrachtet, kommt die Steiermark zunächst reichlich bieder daher: kein Habsburger Prunk wie in Wien, keine Kette von vergletscherten Dreitausendern wie in Tirol, keine Festspiel-Metropole wie Salzburg, keine Serie von warmen Badeseen wie in Kärnten. Und statt schöner blauer Donau oder gletschergrünem Inn fließt bloß die weithin unbekannte Mur hindurch. Aber die schlägt einen flotten Bogen durchs Land und erschließt verblüffende Seiten der Steiermark. Jetzt, da der Radweg entlang der Mur durchgehend fertiggestellt ist, kann man in einer Woche gemächlich durch die vermeintliche steirische Biederkeit hindurchrollen und sich am Wegesrand von einigen landschaftlichen und zivilisatorischen Kostbarkeiten überraschen lassen.

          Der Wunderbaum der Alpen

          Die Mur freilich ist keine geborene Steirerin, denn sie entspringt einige Kilometer oberhalb der Grenze zum Salzburger Land in den Hohen Tauern. Wenn sie die Steiermark erreicht, ist sie bereits ein kraftvoller Gebirgsbach, der sich dann ab Murau auch Fluss nennen darf. Dort erteilt ihr von einem Felsen aus eine Statue der Wassergöttin Murna den Segen für ihren weiteren Weg bis zur Mündung in die Drau. Hier am Oberlauf des Flusses präsentiert sich die Steiermark zunächst noch so, wie man sie sich vorgestellt hat: anmutig und grün, aber wenig aufregend, mit Wiesen, bewaldeten Berghängen, mittelalterlichen Burgen und pittoresken Dörfern, in denen die Bauern Ferienwohnungen eingerichtet haben und die Frühstückspensionen ihren Stammgästen Familienanschluss bieten.

          Schon bald jedoch begegnet man zwei stämmigen steirischen Prominenten: der Zirbe, und der Lärche. Die Region südlich von Judenburg umfasst den größten erhaltenen Zirbenwaldgürtel Mitteleuropas; anderswo in den Alpen ist der Baum fast überall der Almwirtschaft zum Opfer gefallen. Die Zirbe, in der Schweiz auch Arve genannt, wächst extrem langsam und erreicht erst nach fünfzig Jahren die Größe eines Menschen. Dafür kann sie tausend Jahre alt werden. Im hohen Alter zeigt sie sich dann mit ihren verwirbelten Stämmen und Ästen in einer bizarren, individualistischen Knorrigkeit. Als Jugendliche und junge Erwachsene hingegen tritt die Zirbe gern gemeinsam mit der Lärche auf, ihrer koniferen Gefährtin von der Baumgrenze, an der die beiden den obersten Waldgürtel bilden. Sie sind gemeinsame Kämpfer und Überlebenskünstler in einer feindlichen Welt aus Fels und Frost. Weil die Lärche schneller wächst, bildet sich zunächst ein Lärchenwald, aus dem dann langsam ein Lärchen-Zirbenwald wird, bis die langlebige Zirbe das Kommando vollends übernimmt. Zwischen dem Aufkeimen der ersten Lärchen und dem gealterten Zirbenwald liegen allerdings mehrere Jahrhunderte.

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