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Den Haag : Auf Du und Du mit Prins Pilsje

  • -Aktualisiert am

Was hat Den Haag, was Amsterdam nicht hat? Weniger Touristen und einen Strand zum Beispiel. Bild: Picture-Alliance

In Den Haag lebt die niederländische Königsfamilie, tagen die Parlamentarier, wohnen Adlige und Diplomaten. Doch die Stadt macht nicht viel Aufhebens um ihre Hautevolée, sondern pflegt lieber eine diskrete Vornehmheit.

          Vor dem Palast Noordeinde in der Altstadt von Den Haag geht es so beschaulich zu wie auf einem Dorfplatz. Unter dem Reiterstandbild von Wilhelm I., Prinz von Oranien-Nassau, hat ein Eismann seinen Karren aufgestellt. Mütter, die ihre Kinder mit Lastenrädern transportieren, halten an, um den Sprösslingen Erdbeereis und gekühlte Schokolutscher zu kaufen. Und obwohl die niederländische Flagge auf Vollmast weht, König Willem-Alexander also an seinem Arbeitsplatz ist, sind die beiden Wachhäuschen vor der viktorianischen Fassade verwaist. Dem König ist martialisches Muskelspiel ein Greuel, er mag keine Soldaten mit Maschinengewehren vor seinen Bürofenstern.

          Auch am Hintereingang im Schlosspark sind nur zwei Polizeibeamte postiert, die mit verschränkten Armen lässig plaudern, als würden sie nicht des Königs Arbeitsstätte, sondern einen Käsemarkt bewachen. Überhaupt ist die königliche Grünanlage, zu der jeder Zutritt hat, ein gutes Beispiel für das unverkrampfte Verhältnis, das die Niederländer gegenüber ihrer royalen Familie haben. In den Baumkronen, in deren Schatten Tai-Chi-Adepten ihre zeitlupenhaften Verrenkungen trainieren, hängen überdimensionierte, kirmesbunte Hüte aus Stahl. Die Kunstinstallation soll ein augenzwinkernder Hinweis auf die extravaganten Kopfbedeckungen der früheren Königin Beatrix sein, die nach ihrer Abdankung einen Wohnsitz im Haus Nummer 66 gleich neben dem Palast Noordeinde bezogen hat. Die Ex-Regentin hatte ein Faible für schillernde Hutkreationen, die sie über ihrer immer gleich toupierten Betonfrisur trug. Im Park wird auch an die legendären Schmuckketten der einstigen Königin Juliana, der Mutter von Beatrix, erinnert: Riesige Perlen fügen sich zu einem Spielgerät zusammen, auf dem Kinder turnen und balancieren.

          Entspannte holländische „gezelligheid“

          Gleich nebenan, im verwinkelten Hofkwartier, kann man in Haute-Couture-Boutiquen, Schmuckgeschäften und Antiquitätenläden, deren Fassaden mit dem exklusiven Hoflieferantenwappen geschmückt sind, wie Königs shoppen. Beim Juwelier Steltman ließ Willem-Alexander den Verlobungsring für Máxima anfertigen. Die Königin selbst sieht man öfter im Geschäft von Fred van Wordrapen, der mit Marken wie Chanel, Dior und Gucci die Crème de la Crème der Modehäuser vertritt, oder bei Michael Barnaart, der für seine Design-Kleider mit grafischen Mustern berühmt ist. Die Medaillen, die der König am Nationalfeiertag verdienstvollen Bürgern ans Revers heftet, werden im traditionsreichen Handwerksatelier von Van Wielik hergestellt, während die Spezialität im hundertfünfzig Jahre alten Feinkostladen Slagreij Dungelmann „koninklijke croquetten“ sind, knusprige Kroketten mit Rindfleischfüllung.

          Prächtige Passage: Die Einkaufsgalerie Haagse Passage.

          Gelegentlich sieht man das königliche Paar, begleitet von ihren drei als A-Team bezeichneten Töchtern Amalia, Alexia und Ariane, beim Einkaufsbummel in der „Passage“. Der luxuriöse Glaskuppelbau im venezianischen Stil war bei seiner Entstehung Ende des neunzehnten Jahrhunderts eine der ersten überdachten Ladengalerien in Europa und wurde vom Schriftsteller Ferdinand Bordewijk als „ein in Architektur geblasenes Champagnerglas“ gefeiert. Entlang der Hoogstraat und Prinsestraat und ihren Seitengässchen reiht sich nicht nur eine vornehme Boutique an die andere, auch die Dichte an Restaurants und Bistros ist hoch. Und in der Kneipenmeile rund um die Molenstraat verdiente sich Willem-Alexander in Junggesellenjahren den Ruf des „Prins Pilsje“. Der joviale Monarch, der entspannten holländischen „gezelligheid“ seiner Landsleute zugetan, feierte gerne und sorgte seinerzeit für Belustigung, als er mit seinem Auto in einer Gracht baden ging.

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