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St. Petersburg : Geister aus dem Wasser

  • -Aktualisiert am

Freude mit einem Schuss Melancholie: ein Marinesoldat. Bild: laif

Eine Leseempfehlung für die Stadt an der Newa: Dostojewskij. Geheimnisvoll wie seine Romanfigur Raskolnikow ist das Schicksal Rasputins, ein weiterer Sohn St. Petersburgs.

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          Wer konnte die Abgründe der Seele erschütternder schildern als Fjodor Dostojewskij? Der unruhige Geist hat, mit Unterbrechungen, 28 Jahre in St. Petersburg gelebt und dabei 20 Mal seine Wohnung gewechselt. Die kalte Welt seiner Romanfigur Raskolnikow lässt sich am besten im Herbst nachempfinden: in den düsteren Gassen und Hinterhöfen des Heumarktviertels, im klammen Nebel am Katharinenkanal.

          Woran starb Rasputin?

          Das Wasser der Newa könnte auch von dem schauerlichen Schicksal einer anderen, äußerst widersprüchlichen Figur erzählen: dem des Predigers Grigorij Rasputin. Der Sohn eines sibirischen Bauern stieg als Wunderheiler zum Vertrauten des Herrscherhauses Romanow auf, denn nur er brachte es fertig, den bluterkranken Thronfolger Alexej erfolgreich zu behandeln. Der Adel aber neidete ihm seinen Einfluss am Zarenhof.

          Es war eine klirrend kalte Dezembernacht im Jahre 1916, als Rasputins hochgeborene Neider ihn im Palast des Fürsten Jussupow in die Falle lockten. Doch weder Zyankali noch ein Schuss ins Herz brachten die erhoffte Wirkung. Der Totgeglaubte sprang wieder auf, würgte einen der Verschwörer und versuchte zu fliehen. Zwei weitere Kugeln, eine davon in den Hinterkopf, streckten den Sibirer nochmals nieder. Danach versenkten die Mörder ihn außerhalb der Stadt, an der Petrowskij-Brücke, unter die Eisschollen in die Newa. Das Unglaubliche daran: Die Obduktion der Leiche ergab, dass Rasputin ertrunken war.

          Kurz vor seinem Tod soll er dem Zaren prophezeit haben: „Sollten es Adlige sein, die mich umbringen (...), so wird innerhalb von zwei Jahren von Deiner Familie keiner mehr am Leben sein.“ Im Juli 1918 wurden Zar Nikolaus, seine Frau und ihre fünf Kinder in einem anderthalbstündigen Gemetzel durch ein Revolutionskommando getötet.

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