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St. Petersburg : Eiskünstler im Winter

  • -Aktualisiert am

Hier verlieren Schnee und Frost ihre Schrecken. Bild: laif

Viel Elend hat der Winter den Russen gebracht. Doch in Kriegszeiten wurde er auch zum Retter: Schweden, Franzosen und Deutsche scheiterten an der gnadenlosen Kälte.

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          Die Ex-Petro- und Ex-Leningrader haben gelernt, mit ihr zu leben. Auf den Märkten gibt es selbst für zarte Wesen kein Pardon: Nelken schimmern durch Eisblumen, die auf den von Kerzen beheizten Glashäuschen blühen. Welpen kuscheln sich um eine Wärmflasche.

          Dampfend stapfen halbnackte Männer, „Walrösser“ genannt, aus den heißen Badestuben zur Newa, um ihr Mütchen prustend in einem Eisloch zu kühlen. Auf einer verschneiten Parkbank setzen andere, über ein Schachbrett gebeugt, die Kälte spielend matt. Umhüllt von Flocken lässt ein Pärchen küssend Frühlingsgefühle sprießen, dick verpackt in Wolle.

          Wer sich im Sommer fragt, warum auf den verglasten Balkons im Plattenbaugürtel rund um die Fünf-Millionen-Stadt nie jemand sitzt, versteht jetzt: Es lohnt sich nicht, die isolierende Rumpelkammer wegen der paar milden Tage pro Jahr auszuräumen.

          Auch mit Muse trotzen die Petersburger der eisigen Starre. Was soll man im Winter sonst tun, als sich der Kunst hinzugeben? Vielleicht verdanken die Russen ihre großartigen Komponisten und Schriftsteller, ihre schwermütig-schönen Chöre, das kunterbunte Kunsthandwerk und nicht zuletzt ihre überreichen Feiertagstafeln nicht nur ihrem persönlichen Genius. Väterchen Frost hat hierbei wohl auch immer wieder seine kalten Finger mit im Spiel.

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