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St. Helena : Im Bann der Insel

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St. Helena Bild: Andreas Spaeth

Napoleon ist hier versauert, und ohne Schiff kamen bis vor kurzem auch die Bewohner nicht weg – nun ist St. Helena erstmals mit dem Flugzeug zu erreichen.

          Von hier oben sieht es ein bisschen so aus, als würde gleich ein Elefant versuchen, sich auf eine Briefmarke zu setzen. In die Mitte der Briefmarke, wohlgemerkt. Der Elefant – in diesem Fall ein Flugzeug. Die Briefmarke – eine Insel.

          „Das könnte eine etwas besondere Landung werden, vielleicht müssen wir durchstarten und es noch mal versuchen“, meldet sich Kapitän Johann du Toit. Er fliegt den zweistrahligen Embraer-Jet seit einigen Stunden über die landleere Weite des Südatlantiks. Gleich will er auf der Piste des neuen Inselflughafens landen. Die ist zwar fast zwei Kilometer lang, doch weil sich mehr als tausend Kilometer in alle Richtungen ringsherum nichts als Ozean erstreckt, wirkt sie postwertzeichenwinzig.

          Geheimsache St. Helena

          Einfach war die Reise nach St. Helena noch nie. 1502 wurde sie von Portugiesen entdeckt und zunächst geheim gehalten. Noch bis vor kurzem waren die Bewohner auf Schiffe angewiesen. Das von den Einheimischen heftig vermisste Royal Mail Ship „St. Helena“ brachte sie in fünf Tagen bis nach Kapstadt, und erst dann ging es weiter per Flugzeug. Seit 2017 gibt es nun ein Mal die Woche für die 4300 Insulaner und die (noch) wenigen Touristen diesen einen Linienflug mit 76 Plätzen. Und es muss als ein Wunder der Ingenieurskunst angesehen werden, dass hier überhaupt ein Flughafen entstanden ist, der die britischen Steuerzahler rund 300 Millionen Euro gekostet hat. St. Helena ist nur ein bisschen größer als Sylt, besitzt im Innern keine große Ebene, und die Küste besteht beinahe ausnahmslos aus steilen Felsflanken.

          Die neue Luftroute führt Reisende nun zunächst von Johannesburg nach Windhoek in Namibia. Hier werden die Tanks mit fast 13 Tonnen Kerosin randvoll gemacht, sechs Stunden Flugzeit wären damit möglich. Wenn der Wetterbericht für St. Helena passt, startet die Maschine in Windhoek, und sobald über dem Atlantik der „Point of No Return“ erreicht ist, also der Punkt, ab dem ein sicheres Umkehren unmöglich würde, in der Fliegersprache PNR genannt, muss auf einer Insel gelandet werden. Wenn nicht auf St. Helena, dann notfalls auf Ascension, dem nächsten Flecken Land, 1100 Kilometer nordwestlich. Festland gäbe es zwar auch, aber erst wieder in Angola, knapp 2000 Kilometer östlich. Nach Brasilien im Westen sind es sogar 2900 Kilometer.

          Es kann zu Turbulenzen kommen

          „Bitte schnallen Sie sich fest an, in St. Helena kann es beim Anflug zu Turbulenzen kommen“, warnt nun eine Flugbegleiterin. Einige Passagiere vergraben vor Angst ihr Gesicht in den Händen. Während der letzten Steilkurve ist über dem Flügel erstmals die Insel zu sehen – ein kleiner Felsenpfannkuchen im Ozean. Und dann . . . Nichts.

          Ein kurzes Wackeln, danach eine butterweiche Landung, selbst Vielflieger lassen sich zu einem befreiten Applaus hinreißen. Auch Johann du Toits Stimme klingt nun entspannter: „Welcome to St. Helena!“

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