https://www.faz.net/-gxh-38bx

Spezial : Jahr des Öko-Tourismus - neue Wege im Urlaubsgeschäft oder nur ein Werbegag?

  • -Aktualisiert am

Das Logo des Öko-Tourismus Bild: viabono

Ein "Internationales Jahr des Öko-Tourismus“ soll das Jahr 2002 werden. Auf die deutsche Reisebranche wirkt sich die UNO-Initiative kaum aus.

          2 Min.

          Das Jahr 2002 soll nach dem Willen der Uno zum "Internationalen Jahr des Öko-Tourismus“(IYE) werden. Nachhaltiger und respektvoller Umgang mit der Natur steht im Mittelpunkt des Themenjahres, das von der Welttourismusorganisation (WTO) in Zusammenarbeit mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) durchgeführt wird.

          Doch in erster Linie ist das "IYE" ein Konferenzreigen. Im August 2001 begann in Brasilien die Serie von Seminaren und Konferenzen. Bis April 2002 tagen und diskutieren Touristiker und Politiker rund um den Globus zum Thema Öko-Tourismus: in Österreich und Kasachstan, in Griechenland und Algerien, auf den Seychellen, den Malediven und den Fidschi-Inseln. Die Ergebnisse ihrer regionalen Gesprächs- und Diskussionsrunden tragen sie beim Weltgipfel des Öko-Tourismus zusammen, der vom 19. bis 22. Mai 2002 in Quebec stattfindet.

          Tourismus soll nachhaltig und sozialverträglich sein

          Öko-Tourismus werde in Zukunft für die Entwicklung des Fremdenverkehrs eine wichtige Rolle spielen, erklärt WTO-Chef Eugenio Yunis. Gleichzeitig bedürfe es aber entsprechender Umweltschutzprogramme, um den Tourismus vor allem in Regionen der dritten Welt nicht zu gefährden.

          Nachhaltigkeit soll den Tourismus der Zukunft prägen. Das heißt: Natur und Menschen in den Urlaubsregionen sollen die touristische Erschließung überdauern und so auch für zukünftige Generationen interessant und attraktiv bleiben. Ein nachhaltiger, sozialverträglicher Tourismus schafft den Einheimischen eine dauerhafte Existenz zu menschenwürdigen Bedingungen.

          Öko-Urlaub gibt es bisher nur bei kleinen Spezialisten

          Auf die Reisebranche hat das IYE bislang keine nachhaltigen Auswirkungen. Die Kataloge der großen Reiseveranstalter präsentieren wie eh und je Hotels und Rundreisen ohne besonderen Öko-Anstrich. Wer "umwelt- und sozialverträglichen Urlaub" ohne Auto und Flugzeug sucht, der findet ihn nur bei kleinen Spezialisten. So zum Beispiel bei den mittlerweile rund 60 Anbietern, die sich in dem 1998 gegründeten Verband "forum anders reisen" zusammengeschlossen haben. Eine Übersicht über das Reiseangebot der Mitglieder ist gegen Rückporto erhältlich.

          Natur-Logos auf dem Vormarsch

          Diese Anbieter sind schon länger auf dem Markt - ohne Anstoß durch ein Internationales Jahr des Öko-Tourismus. Mit der Uno-Initiative, so Walter Krombach aus dem Vorstand des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbands (DRV), ist "wieder einmal eine Chance weitgehend vertan" worden. Jedenfalls sind spezifische Öko-Tourismus-Initiativen bislang am Reisemarkt kaum auszumachen.

          Immerhin: Die Deutsche Zentrale für Tourismus präsentiert herausragende Schönheiten zwischen Ostsee und Alpen im Jahr 2002 unter dem Slogan "Lust auf Natur". Und Reiseveranstalter wie TUI, Neckermann und Ameropa unterstützen die Aktion, indem sie mit dem eigens entwickelten Logo auf Natur-Offerten in ihren Katalogen verweisen. Allerdings handelt es sich dabei um ohnehin vorhandene Angebote; spezielle neue Programme wurden nicht entwickelt.

          Gütesiegel "Viabono" garantiert Umweltfreundlichkeit

          Ein weiterer Nebeneffekt des IYE ist die Schaffung einer vom Bundesministerium für Wirtschaft und Umwelt geschaffenen "Umweltdachmarke": Viabono soll interessierten Urlaubern den Weg zu Hoteliers und anderen touristischen Unternehmen erleichtern, die sich ökologisch besonders hervortun und umweltfreundliche Urlaubsformen anbieten. Hauptsächlich geredet und bestimmt auch heftig diskutiert wird auf der Reisemesse CMT in Stuttgart: Dort trägt der Deutschland-Tag am 22. Januar dem Jahr des Öko-Tourismus mit einer Podiumsdiskussion Rechnung. Das Thema: "Nationalparks und Tourismus - Konflikt oder Kooperation?"

          Weitere Themen

          Herber Rückschlag für Südafrikas Safari-Lodges Video-Seite öffnen

          Wegen Omikron-Variante : Herber Rückschlag für Südafrikas Safari-Lodges

          Nach anderthalb Jahren Pandemie-bedingter Zwangspause hatte Südafrikas Tourismusbranche auf eine Rückkehr internationaler Gäste gehofft – dann kam Omikron: Wegen der neuen Variante des Coronavirus steht das Land wieder auf der schwarzen Liste der Risikogebiete. Nicht nur für den Safari-Tourismus ist das ein herber Rückschlag.

          Topmeldungen

          Damals, im April, die erste Sitzung des Ausschusses im Großen Festsaal im Rathaus von Hamburg

          Cum-ex-Affäre : Staatsanwältin kritisiert Hamburger Behörden

          Im Untersuchungsausschuss zur Cum-ex-Affäre zeigt eine Staatsanwältin wenig Verständnis für das Verhalten der Hamburger Behörden. Eine Frage wird immer dringlicher: Gab es eine politische Einflussnahme?
          Bild der Geschlossenheit: Auch die unterlegenen Präsidentschaftsanwärter versammeln sich nach der Vorwahl der bürgerlichen Rechten um die Siegerin Valérie Pécresse.

          Pécresse tritt gegen Macron an : Eine Präsidentin für Frankreich?

          Zum ersten Mal zieht die bürgerliche Rechte mit einer Frau in den französischen Präsidentenwahlkampf. Valérie Pécresse, die als Vorbilder Angela Merkel und Margaret Thatcher nennt, ist oft unterschätzt worden.