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Spezial : Auf der Suche nach den Kleinoden der Seidenstraße

  • -Aktualisiert am

Samarkand: Registan, Medrese Tella Kari Bild: SRT / Christian Nowak

Reisen in einer Krisenregion? Usbekistan ist ein Land für Entdecker, die statt Klubanlagen Menschen kennenlernen wollen.

          2 Min.

          Als der venezianische Kaufmann Marco Polo 1271 nach China aufbrach, lagen mehr als drei mühselige Reisejahre vor ihm, bis er den Hof des Kublai Khan in der Nähe von Peking erreichte. Nach seiner Rückkehr schrieb er den ersten Reiseführer, der sofort zum Bestseller wurde. Unfassbar waren seine Erlebnisse für das mittelalterliche Europa, sagenhafte Schätze und gigantische Städte hatte er unterwegs gesehen. Durch ihn gelangte die 7.000 Kilometer lange Seidenstraße, die uralte, abenteuerliche Verbindung zwischen Orient und Okzident erstmals ins Bewusstsein der Europäer.

          Heute sind es nur noch rund sechs Flugstunden von Frankfurt nach Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans, das noch lange nach Marco Polo zu den sagenumwobensten Ländern Asiens gehörte. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurden die ehemalige Sowjetrepublik Usbekistan und auch die Nachbarrepubliken in die Freiheit entlassen. Seitdem verbessern sich die Reisemöglichkeiten zwar langsam, aber doch spürbar. Inmitten der Wüstengebiete Zentralasiens grenzt das Land im Norden an Kasachstan, im Süden an Turkmenistan und Afghanistan. Im Osten trennt Usbekistan ein kompliziertes Grenzsystem von Tadschikistan und Kirgisistan. Die Namen wecken Assoziationen an galoppierende Reiterhorden und Mongolenfürsten wie Dschingis Khan, die in einer Staubwolke durch die unendliche Steppe jagen, an Geschichten und Legenden aus 1001 Nacht. Hier also liegen das sagenhafte Samarkand, Buchara, Chiwa und Kashgar.

          Politischer Krisenherd

          Die jungen Länder im Zentrum Asiens bergen aber auch Zündstoff. Afghanistan, seit dem 11. September einer der größten Krisenherde der Welt, liegt direkt vor der Haustür. Taliban und Terrorismus, Drogenschmuggel und Fundamentalismus sind die beunruhigenden Wörter, die sich automatisch im Kopf festsetzen. Darf man bei diesen Rahmenbedingungen überhaupt an Tourismus denken? Der deutsche Botschafter, Dr. Martin Hecker, seit mittlerweile zwei Jahren in Taschkent, beruhigt Ängstliche. Das Leben in Usbekistan verlaufe völlig normal, niemand brauche Angst vor Übergriffen zu haben, behauptet er mit Nachdruck. Es gebe keinen Grund, eine Reise nach Usbekistan abzusagen. Nach seiner Einschätzung wird das auch in Zukunft so bleiben.

          Buchara: Kinder vor dem Torhaus Tschar Menar

          Nur rund 10.000 deutsche Touristen kamen im vergangenen Jahr nach Usbekistan, die meisten wohl behütet von großen Studienreiseveranstaltern. Noch liegt ein Großteil des touristischen Potenzial des Landes brach, bei geschätzten 4.000 Architekturdenkmälern ist so manches Kleinod noch unentdeckt. Doch schon jetzt zählen einige der usbekischen Sehenswürdigkeiten wie die Altstädte von Samarkand, Buchara und Chiwa zum Weltkulturerbe. Mittlerweile ist der touristische Aufschwung wohl auch von staatlicher Seite gewünscht und gefördert. Vielleicht führt dies dann auch zu der Einsicht, dass umständliche Ein- und Ausreiserituale, Zollerklärungen in mehrfacher Ausfertigung und laufende Polizeikontrollen nicht mehr zeitgemäß sind.

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