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Spanien : Barcelona erklärt sich zur „Anti-Stierkampf-Stadt“

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Soll es nicht mehr geben: Todesstoß für den Stier in der Arena von Barcelona Bild: AP

Historische Entscheidung im Stadtparlament von Barcelona: Stierkämpfe sollen dort abgeschafft werden. Tierschützer bejubeln bereits das Ende der traditionsreichen Corridas.

          In einer als historisch bezeichneten Erklärung hat sich Barcelona als erste Großstadt in der Geschichte Spaniens für die Abschaffung des Stierkampfes ausgesprochen. Mit 21 gegen 15 Stimmen und zwei Enthaltungen verabschiedete der Stadtrat nach einer hitzigen Debatte am Dienstagabend eine Resolution, wonach Stiere schützenswerte
          Säugetiere und „körperlich wie geistig sensible Wesen“ sind.

          Die zweitgrößte Metropole Spaniens nach Madrid erklärte sich damit zur „Anti-Stierkampf-Stadt“. Während die Anhänger der Jahrhunderte alten Tradition auf die Barrikaden gingen, brach unter Tierschützern Jubel aus: „Das ist der Anfang vom Ende dieses blutigen Spektakels“, glauben sie.

          Ein Verbot der Corridas bedeutet der Entschluß zwar nicht, dafür wären nämlich eine Gesetzesvorlage der katalanischen Regierung und ein Votum des Regionalparlaments nötig. Aber die Resolution hat einen starken Symbolcharakter - und eine Signalwirkung, denn in Katalonien wie in der Hauptstadt Barcelona regiert die gleiche von Sozialisten geführte Parteienkonstellation. Die Vertreter des „Nein“ kündigten bereits eine Initiative an, um der „fiesta nacional“ (dem Nationalfest) in der 6,2 Millionen Einwohner zählenden Region den Garaus zu machen - andere werden dann folgen, hoffen sie.

          „Von aggressiven Kulturen verunglimpft“

          Barcelonas sozialistischer Bürgermeister Joan Clos zeigte sich jedenfalls überzeugt: „Langfristig wird der Stierkampf verschwinden.“ Bei der Debatte kochten die Emotionen hoch. „Der Stierkampf ist ein Fest unserer Kultur, das von imperialistischen und aggressiven Kulturen wie der deutschen und der angelsächsischen verunglimpft wird“, entfuhr es als glühendem Anhänger des Spektakels dem Stadtrat Javier Basso von der konservativen Volkspartei (PP) des scheidenden Ministerpräsidenten José María Aznar. Der Stierkampf sei nichts anderes als „ein nobler Tanz zwischen Stier und Mensch“.

          Die PP sprach sich jedenfalls geschlossen gegen ein Verbot aus, die Sozialisten waren gespalten. Das Thema war derart brisant, daß die Abstimmung geheim war. „Es sollte niemand stigmatisiert werden“, warnte Bürgermeister Clos. Geschlossen für das Aus votierten Nationalisten, Grüne und Linksrepublikaner. Zu letzteren gehört der stellvertretende Bürgermeister Jordi Portabella, von Beruf Biologe. Er widersprach vehement dem Bild des „toro bravo“ (wilden Stieres) und zeichnete für den letztlich verabschiedeten Text verantwortlich. „Der Stier ist ein friedliches Säugetier und ein Wiederkäuer, dessen Nervensystem dem des Menschen ähnelt und mit dem er folglich viele Gefühle teilt“, heißt es darin.

          250.000 Unterschriften gegen die Corridas

          Auf die Stierkampf-Impresarios wirkte das wie ein rotes Tuch. „Einer lebendigen Tradition kann man doch nicht mit einer simplen Abstimmung den Todesstoß verpassen“, empörte sich deren Verbandspräsident, Juan Segura Palomares. Er erinnerte daran, daß die Arena von Barcelona, genannt „La Monumental“ (Die Monumentale), an einem guten Abend 17.000 zahlende Zuschauer zählt.

          Martin Riebe, Geschäftsführer der Welttierschutzgesellschaft WSPA, sieht dagegen das Ende der Corrida kommen: „Wir sind sehr erfreut über das tierfreundliche Abstimmungsergebnis, das die Meinung der eigenen Bürger ernst nimmt und sich mutig gegen eine überkommene und grausame Tradition ausspricht“, sagte er in Bonn. Tierschützer hatten zuvor im Rathaus von Barcelona fast 250.000 Unterschriften aus 30 Ländern für ein Verbot eingereicht.

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