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Sommerserie „Von A nach B“ : Abgeschaltet wird am Berg

Was man sich nach vierzehn Stunden auf der Straße von einem Bergpass wünscht: unberührte Felder, dichter Wald, Blumenwiesen, Meditation mit Kühen Bild: Toni Anzenberger

Keine Zeit für Slow Tourism: Alles ändert sich, wenn man erst auf der Autobahn und am Ende zu Fuß über Nacht von der Großstadt auf den Gipfel muss. Besonders man selbst.

          8 Min.

          Als Blumenwiese und Gipfelkreuz hinter dem Hügel auftauchen und die Schneefelder in der Ferne, die den Hängen des Lechquellengebirges die Maserung von Kuhrücken geben, tritt ein Mädchen mit einem Wurstbrot an meine Seite und sagt mit andächtiger Stimme in die Gipfelstille: „Wir sind die Ersten.“ Drüben, jenseits der Schlucht, thront ein kantiger Felsklotz, die Rote Wand. Am Fuß des Abhangs nähert sich die Karawane aus Kraxen und oberbayerischen Waden. Noch weiter unten ruht das kleine italienische Cabrio in der Mittagssonne. Das Mädchen beißt in sein Wurstbrot und kaut. Ich strecke zum ersten Mal seit vierzehn Stunden die Beine aus. Etwas anderes als „Hauptsache, angekommen“ fällt mir nicht ein.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Es war ein warmer Abend, vierzehn Stunden zuvor. Weil mein gesamter Münchner Freundeskreis beschlossen hatte, in diesem Sommer zu heiraten, sollte es nicht der erste Freitagabend auf der Straße von Frankfurt in Richtung Süden werden, nur der längste, und ich war spät dran. Wie alle Münchner liebte auch das Brautpaar dieses Wochenendes die Berge. Für die Feier hatte es sich zur allgemeinen Überraschung nicht einen der bayerischen Hausberge, sondern die Vorarlberger Alpen ausgesucht. Zwei Tage lang sollte nur Zirbenschnaps getrunken und Kuhglockengeläute vernommen werden. Ein rigoroses Statement gegen die Zeitoptimierungsstrategien der Stadtbewohner, vermuteten jene geladenen Freunde, die am Freitagnachmittag im Büro noch dringend ein paar Dinge erledigen wollten. Ich wollte nicht zu ihnen gehören.

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