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Familienurlaub in Stockholm : Knäckebrotkönige und Piratentöchter

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Heute bin ich die „Dancing Queen“

Nur einen Steinwurf von Junibacken entfernt befindet sich einer der ältesten Tivolis der Welt. Doch muss das wirklich sein, muss man in Stockholm unbedingt auf einen Rummelplatz gehen? Ja, es muss wirklich sein. Im Jahr 1881 am westlichen Ufer von Djurgården gegründet, leuchten die Lichter von Grönalund noch immer hell für alle Schweden gleich welchen Alters und welcher Herkunft auf seiner Landzunge mitten in der Stadt. Es ist eine Welt, die sich mit fast trotzigem Charme dem virtuellen Amüsement unserer Gegenwart verweigert und wie eine Reminiszenz an eine Zeit wirkt, in der vielleicht tatsächlich alles gut und alt war. Und noch der nöligste Teenager verstummt erschreckt, wenn er in der Kabine des berühmten Fallturmes im scheinbar freien Fall nach unten rast.

Nicht immer nur Christbaum: So sieht Stockholm in der Vorweihnachtszeit aus.
Nicht immer nur Christbaum: So sieht Stockholm in der Vorweihnachtszeit aus. : Bild: dpa

Gleich neben Grönalund geht das Vergnügen weiter, und zwar im ABBA Museum. Viele Jahre nach der Auflösung der Band waren die vier einfach nur uncool. Doch dann wurden ihre zahllosen Hits durch Kinofilme wie „Muriels Hochzeit“ und „Priscilla“ wieder populär. Dem Ganzen die Krone setzte das Musical „Mamma Mia“ samt dem gleichnamigen Film mit Meryl Streep auf. Und jetzt ist ABBA generationenübergreifend ein europäisches Kulturgut. Im Museum sieht man Nachbauten des Studios, des Managerbüros und des kleinen Inselhauses, in dem Björn und Benny komponierten und Björn und Agnetha in einer sehr bescheidenen Ikea-Küche kochten. Auf Audioguides erzählen die vier selbst, wie alles anfing, während sie in der Disko als Hologramm wieder lebendig werden. Dann wird es interaktiv und damit alles andere als ernst: In vier Karaoke-Kabinen kann man „Money, Money, Money“ oder „Dancing Queen“ nachsingen - und merkt sehr schnell, dass diese Lieder, die zum Teil über zwei volle Oktaven gehen, alles andere als seicht und anspruchslos sind.

Schokolade mit grünem Marzipan

Skeppsholm ist die Insel der Schiffe. Hier liegt die „Wasa“ auf ewig im Vasamuseet, einem der spektakulärsten Schifffahrtsmuseen überhaupt. Als das stolze Schiff im Jahr 1628 zu Wasser gelassen wurde, war es mit seiner glanzvollen Karriere auch schon wieder vorbei - es sank kaum eine Meile vom Ufer entfernt. Der Grund war königliche Hybris. Diese Fregatte sollte nicht eines, nicht zwei, nein: drei Kanonendecks haben, was sie zu schwer für das Wasser machte. Heute schlängeln sich Stufen fünf Stockwerke hinauf und hinunter durch das ganze Schiff, das in den späten sechziger Jahren mit unerhörtem technischen Aufwand geborgen wurde. Kein Winkel der Fregatte bleibt unerforscht, alles wird zum Leben erweckt, und ein spezieller Kinderpfad gibt dem Wort begreifen einen neuen Sinn. Im Café im Bauch des Schiffes türmen sich dann wieder die üblichen Naschereien: Dammsugare, ein Biskuit mit grünem Marzipan und Schokolade, oder Mazarine, mit leichter Mandelmasse gefüllt und etwas bekömmlicher als ihr Pate, der Kardinal gleichen Namens. Schließlich kommt die heutige Königsfamilie Bernadotte aus Frankreich. Und man fragt sich: Wie bleiben die Schweden bei all der Nascherei nur so schlank und schön?

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