https://www.faz.net/-gxh-89r6m

Familienurlaub in Stockholm : Knäckebrotkönige und Piratentöchter

  • -Aktualisiert am

Bären, Wölfe und Luchse

Die Vergangenheit zum Anfassen findet man im Freilichtmuseum Skansen auf Djurgården, den ehemaligen Jagdgründen der schwedischen Monarchen. Die Fahrt mit der Fähre von Gamla Stan dorthin gehört zu den Höhepunkten eines Stockholm-Besuches. Es sind unvergessliche zehn Minuten, in denen die Stadt an einem Sonnentag jede Postkarte, jedes Idealbild, das man sich von ihr machen könnte, schamlos überbietet: die glitzernde See, die üppigen Wälder, die großartigen Häuser, in deren Gärten ausnahmslos die schwedische Flagge weht. Abends wird sie eingeholt, aus Respekt für das Tuch. Nur an Mittsommer, dem längsten Tag des Jahres, weht sie rund um die Uhr. Und überall sind Boote aller Art und aller Größe zu sehen, deren Kapitäne jedes Winken fröhlich erwidern: Hej, hej! So sagt man hallo auf Schwedisch, der Sprache, die so angenehm sparsam dasselbe Wort für Bitte und Danke verwendet, nämlich Tack.

Hier wohnt der Herrscher: das königliche Schloss in Stockholm.
Hier wohnt der Herrscher: das königliche Schloss in Stockholm. : Bild: dpa

Als das Skansen im Jahr 1891 gegründet wurde, war es das erste Museum der Welt, das ein ganzes Land en miniature abbildete. Und so ist es bis heute. Auf 74 Hektar Fläche begegnet man Glasbläsern, Wandmalern, Gärtnern, Webern bei der Arbeit, während im angeschlossenen Zoo Schwedens Fauna von Bären über Wölfe bis zu Luchsen zu bestaunen ist. Und typisch Schwedisches wird in den kleinen Restaurants und Cafés serviert. Lachs, Flusskrebse und Shrimps dominieren die Karte, während man sich mit dicken Pfannkuchen voller Blaubeeren, die hier in allen Wäldern wachsen, die Zunge blau färben kann. Teuer ist das Essengehen in Stockholm wie überhaupt der Besuch in dieser Stadt - aber eben auch unvergesslich gut.

Staatsbegräbnis für die Kinderbuchautorin

Viele der Häuser auf Skansen kommen einem bekannt vor. Und es dauert eine Weile, bis man begreift, warum man das alles schon einmal gesehen zu haben glaubt: Es könnten auch die Häuser von Pippi Langstrumpf sein, von den Kindern von Bullerbü oder Michel von Lönneberga, der in Schweden Emil heißt - ein Name, der in Deutschland schon von Erich Kästners kleinem Helden besetzt war. In Junibacken taucht man dann vollends in Astrid Lindgrens Welt ein. Hier trifft man sie alle, Niels Karlsson Däumling, Karlsson vom Dach, die Mädchen aus den Ferien in Saltkrokan, die Brüder Löwenherz, die Räuber, die nicht im Wald sind, Mio, mein Mio. Die Klugheit, die Subtilität und der Charme von Lindgrens Schöpfungen sind in Junibacken so präsent, dass die Kinder wie aufgedreht durch diesen Wirklichkeit gewordenen, literarischen Kosmos flitzen. Ihre erschöpften Eltern können sich im Herzen der Villa Kunterbunt, einem riesigen Klettergestell, bei einer Fika ausruhen, der schwedischen Variante von Kaffee mit Kuchen, während die Kleinen auf einem lebensgroßen Modell des Kleinen Onkels reiten. In einem hat Pippi gewiss recht: Wer keine Familie hat, nie zur Schule gegangen ist und auch später keinen Mann im Haus dulden will, der ist besser sehr stark und hat einen dicken Koffer voller Geld im Keller.

Als Astrid Lindgren im Jahre 2002 im Alter von 94 Jahren starb, bekam sie ein Staatsbegräbnis. Und als gerechte Belohnung für ihr Werk und ihr Verständnis für das rebellische Kind, das in der Welt der Erwachsenen gefälligst zu funktionieren hat, es aber nicht will, wird sie im Herbst Selma Lagerlöff, die Autorin von „Nils Holgersson“, auf der Zwanzig-Kronen-Note ablösen. Auch hier ist Schweden unter allen Ländern der Welt Vorreiter in Sachen Gleichberechtigung: Kein anderer Staat hat so viele Frauen auf seinen Geldscheinen, darunter Greta Garbo und die Opernsängerin Jenny Lind.

Weitere Themen

Die Schwestern

FAZ Plus Artikel: Elsass : Die Schwestern

Straßburg oder Colmar? Beide Städte sind dank makellos erhaltener Altstädte Nabelpunkte des elsässischen Tourismus. Einander würdigen sie mit herzlich gepflegter Nichtbeachtung. Doch jetzt beginnt ein Wettkampf städtebaulicher Großprojekte und innovativer Verkehrskonzepte.

Topmeldungen

EU-Parlamentspräsident David Sassoli, Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen und Portugals Premier Antonio Costa in Porto.

Impfstoff-Debatte : EU-Staaten sehen Bidens Patent-Vorstoß mit Skepsis

Bei einem Treffen in Porto sollen mehrere Staats- und Regierungschefs gemutmaßt haben, dass Washington mit dem Freigabe-Vorschlag vor allem vom dürftigen Impfstoff-Export der USA ablenken wolle. Auch die Bundeskanzlerin soll sich entschieden gegen die Aussetzung der Patente gewandt haben.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.