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Skiurlaub : Per Großraumgondel in den Schnee von morgen

  • -Aktualisiert am

In vielen Wintersportgebieten werden kleine Wackelgondeln abgeschafft Bild: dpa

Für die kommende Saison warten die Wintersportregionen mit zahlreichen Neuerungen auf.

          3 Min.

          Die Zukunft gehört den Klassikern. Das ist der wohl auffälligste Trend des kommenden Winters. Es sind die großen, berühmten Orte in den Alpen, die dieses Jahr das Ende der Gaudi-Skiorte ausrufen und diesem Anspruch mit millionenschweren Investitionen Nachdruck verleihen.

          Da verwandelte Lech am Arlberg seine alte Kriegerhornsesselbahn in einen Sechspersonensessel mit Hauben für mehr Komfort bei jedem Wind und Wetter. Konkurrent Kitzbühel runderneuert gleich das ganze Teilgebiet Jochberg/Pass Thurn mit drei neuen Bahnen: der Sechsersesselbahn Bärenbadkogel, der Achtersesselbahn am Hartkaser und einer Vierersesselbahn am Resterkogel.

          Leise rieselt der Kunstschnee

          Am anderen Ende des Kitzbüheler Skigroßraums rieselt neuerdings Kunstschnee auf die Fleckalmabfahrt bis ins Tal nach Kirchberg. Saalbach, Österreichs größter Skiort, schickt gar sein Wahrzeichen, die alte Schattbergbahn, aufs Altenteil. Sie wird durch eine moderne Kabinenbahn für acht Personen ersetzt.

          Auch in der Schweiz haben mehrere klassische Wintersportorte mutig investiert: In Davos halbiert die neue 200-Personen-Standseilbahn Parsenn die Fahrzeit und verdreifacht die Kapazität. St. Moritz, Austragungsort der Ski-WM 2003, leistete sich zum Großereignis die nagelneue Luftseilbahn Piz Nair samt Zwischenausstieg am 2. Mast, wo auf furchtlose Fahrer der steilste Skiabfahrtsstart der Erde wartet.

          Die Franzosen rüsten auf

          Unmittelbar neben der Abfahrtspiste soll das weltweit höchstgelegene Windkraftwerk zum Symbol der Skiweltmeisterschaft werden. Zermatt schließlich, das weltberühmte Dorf am Fuß des Matterhorns, ersetzte die alte Gondelbahn zum Schwarzsee durch eine Achtpersonengondelbahn von Zermatt über Furi zum Schwarzsee.

          Neues auch von der französischen Hautevolée im Skiport: So beschleunigt die Top-Skiregion Val d'Isère den Weg ins Skigebiet durch eine neue 24-Personen-Kabinenbahn anstelle der alten Bellevardebahn, weiter Richtung Tignes geht es nun mit der Achtersesselbahn Tommeuse.

          Neue Verbindungen und Skirouten

          In den Trois Vallées eröffnet diesen Winter eine Achtpersonenkabinenbahn von Saint Martin de Belleville hinauf ins Skigebiet und schließt das alte savoyische Bergdorf neuzeitlich an den größten Skizirkus Frankreichs an. Mit einem kleinen Lift einen großen Schritt voran machte Les Deux Alpes: Dort schafft die Sesselbahn Dôme de la Lauze ab Januar 2003 die Verbindung ins Nachbargebiet La Grave.

          Dolomiti Superski

          Auf nach Bella Italia: Dort setzt das Dolomitenskirevier Alta Badia zum Doppelschlag an. Die alte Großseilbahn La Villa wird durch eine moderne Kabinenbahn für je 15 Personen ersetzt, gleichzeitig lässt eine Sechsergondelbahn vier Schlepplifte von Colfosco zum Grödnerjoch verschwinden. Auf der anderen Passseite, vom Grödnertal aus, macht die nagelneue Vierersesselbahn "Val Setus" die Traumskitour "Sella Ronda" auch im Uhrzeigersinn attraktiver.

          Im Westen Italiens verbindet am Monte Rosa eine neue Sesselbahn von Pianalunga zum Passo dei Salati die Skigebiete Gressoney und Alagna und schlägt damit einen lang ersehnten Bogen zwischen Piemont und Aostatal.

          Wo eins kommt, muss oft auch eins gehen

          Skigebiete entstehen, andere verschwinden. So hat die Mutterer Alm über Innsbruck geschlossen und wird nur wieder öffnen, wenn man ihr die Verbindung zur Axamer Lizum erlaubt. Das Skidorf Kramsach am Eingang zum Zillertal hält nur noch den Babylift geöffnet und wirbt mit einer Skiurlaubspauschale für "absolute Beginners", bei der man von der Mütze bis zum Ski alles gestellt bekommt.

          In Zermatt sind Gant-Platte, Furi-Furgg, Gartenlift und Gandegglift nicht mehr in Betrieb. Garmisch-Partenkirchen erhält zwar eine neue Bahn zum Kreuzeck, gleichzeitig verabschiedet sich aber die Bergbahngesellschaft von den beiden Skigebieten Eckbauer und Wank. Für die Kleinen unter den Skigebieten scheint kein Platz mehr zu sein.

          Großer Spaß für die ganz Kleinen

          Um so mehr machen sich Skiorte für die kleinen Urlauber stark. Sie hoffen, durch alpine Spielferienwelten bei Familien ins Gespräch zu kommen. So entstand beim Gamsgarten am Stubaier Gletscher in 3.000 Meter Höhe ein "Kindererlebnisrestaurant". Galtür startet einen "Abenteuer- und Erlebnisparcours" für Kinder im Skigebiet.

          Oberstdorf im Allgäu glänzt mit einem "Übungs- und Funsportgelände" an der Station Seealpe, wo die lieben Kleinen mit zwei Förderbändern, Snowtubing und einem eigenen "New Technology Center" unterhalten werden. Bei so viel Neudeutsch freut man sich schon fast über ein simples "Bärle-Kinderland", wie es die österreichische Enklave Jungholz im Allgäu erstellt hat.

          Die Innsbrucker treiben es auf die Spitze

          Skifahren ist längst nicht mehr alles: Auch im Tal findet der Investitionswettlauf um den Gast statt. St. Moritz und Zermatt fordern das Glück ihrer Gäste heraus und leisteten sich für die neue Saison Spielcasinos. Malbun in Liechtenstein tut es eine Nummer kleiner und erstellte immerhin ein Schneekino. Galtür im Paznauntal, der vor zwei Jahren von einer gewaltigen Lawine heimgesuchte Ort, integrierte in den mittlerweile gebauten Lawinenschutzwall sein "Alpinarium" - gleichzeitig Regionalmuseum und Forschungsinstitut.

          Auf die Spitze schließlich treibt Innsbruck seine Gäste: Am Bergisel oberhalb der Olympiastadt durfte die britische Stararchitektin Zaha Hadid einen neuen Sprungschanzenturm realisieren. 600.000 Besucher soll er jährlich anlocken - und die wenigsten werden auf Ski von dort abfahren.

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