https://www.faz.net/aktuell/reise/skiurlaub-mit-kindern-ein-schrecklich-netter-familienurlaub-liechtenstein-11662326.html

Skiurlaub mit Kindern : Ein schrecklich netter Familienurlaub: Liechtenstein

Urlaub mit und von den Kindern: Malbun in Liechtenstein
          2 Min.

          Plötzlich waren die Kinder weg. Also: Unsere Kinder. Wir hatten es zuerst kaum bemerkt, weil immer noch genug andere Kinder da waren im Speisesaal des Hotels, kleine Kinder und sehr kleine Kinder vor allem, Kinder, die brav ihr Gemüse aßen, und solche, die es resolut zurückwiesen, Kinder, die im Hochstuhl auf den Biobrei warteten, den sie bald auf die Lätzchen mit dem Hotellogo kleckern würden, und andere, die ihre Teller schon vom Buffet zum Tisch tragen konnten, mehr oder weniger unfallfrei – all diese Kinder waren, wenn das Gefühl nicht trügte, deutlich in der Überzahl, zumindest am Anfang jedes Abendessens, bevor sie dann nach und nach in den Keller verschwanden, zu Monika, Sabine, Rachel, Doris, zu den sehr aufmerksamen Betreuerinnen, zu Kickertisch, Rutsche, Malbüchern und Holzbauklötzen, und zu den anderen Kindern natürlich, unter denen sie sich ihrem Alter entsprechend benehmen durften, also genau so, wie es eine Etage höher auch die sogenannten Erwachsenen versuchten, für die verbleibenden Runden des 5-Gänge-Menüs. Es gab also keinen Anlass, beunruhigt zu sein. Außerdem waren wir schließlich in Liechtenstein. Hier gehe, so versicherten uns es die Einheimischen, niemand verloren.

          Harald Staun
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Der Keller, muss man dazusagen, war ein sehr freundlicher Raum, ein Souterrain, mit sehr viel Platz für Kinderquatsch und frischem Obst rund um die Uhr, ein Ort also, der nichts mit den tristen fensterlosen Räumen zu tun hat, die manche Hotels als Spielzimmer ausgeben. Und dass er den ambitionierten Namen „Fantasiewerkstatt“ trug, irritierte die Kinder auch nicht weiter.

          Seltsame Effekte

          Genauso wenig wie die, so muss man das wohl nennen, bewegte Geschichte dieses Ortes. Den radikalen Wandel, den das Liechtensteiner Bergdorf Malbun im Laufe der vergangenen Jahrzehnte erlebt hat, kann man wohl nirgends besser veranschaulichen als an der Umwidmung dieses Raums. Getobt nämlich wurde schon immer in diesem Keller des Hotels „Gorfion“, nur eben bis in die achtziger Jahre hinein zu Livemusik von „internationalen Top-Bands“ namens Manhattan oder Union 2000. Das Hotel, heißt es, war damals vor allem wegen des Tanzlokals „Taverne“ ein Begriff, zumindest bis hinunter ins zwanzig Minuten entfernte Vaduz. Die Gäste kamen in Strömen, nur leider mussten viele Besucher auch irgendwie wieder ins Tal fahren, die Autounfälle häuften sich, auch die Alkoholkontrollen, und irgendwann waren wohl auch die Bands nicht mehr top genug, um genügend Gäste anzulocken.

          2002 wurde das „Gorfion“ mit dem benachbarten Hotel „Malbunerhof“ zusammengelegt, und als es 2010 komplett renoviert wurde, hatte sich die Besitzerfamilie Schwärzler bereits sehr konsequent einem Konzept verschrieben, das heute das gesamte Dorf prägt: dem Familienskiurlaub. Was nicht nur an den knallroten Kinderwagen sichtbar wird, die sich so unübersehbar aus der Winterlandschaft abheben.

          Kurz-lang-kurz-lang-kurz-kurz: So sieht ein Familienskiurlaub im Sechsersessellift in Malbun aus
          Kurz-lang-kurz-lang-kurz-kurz: So sieht ein Familienskiurlaub im Sechsersessellift in Malbun aus : Bild: Liechtenstein Marketing
          Volles Rohr: Zauberteppich Teppichlift im „Malbi Park“
          Volles Rohr: Zauberteppich Teppichlift im „Malbi Park“ : Bild: Liechtenstein Marketing
          Liechtenstein
          Liechtenstein : Bild: F.A.Z.

          Der Weg nach Malbun

          Anreise: Mit dem Flugzeug nach Zürich, Altenrhein oder Friedrichshafen, mit der Bahn nach Sargans, Buchs oder Feldkirch. Weiter mit Bussen oder dem Auto.

          Skifahren: Malbun bietet fünf Bahn- und Liftanlagen und 23 Pistenkilometer, eine Familienkarte für eine Woche kostet ab etwa 680 Euro.

          Unterkunft: Eine Woche im „Gor-fion“-Familienhotel für Erwachsene und zwei Kinder inklusive Ausschlafservice, Babyausstattung und Vollpension kostet ab etwa 2000 Euro. Kinder unter zwei Jahren sind frei. Bis zum 9. April gibt es verschiedene Sonderangebote, mehr unter www.gorfion.s-hotels.com

          Weitere Informationen über Liechtenstein unter www.tourismus.li

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wollen eine Identifikationsnummer: Russische Bürger vor einem Bürgeramt in Almaty

          Mobilmachung in Russland : Abgesetzt aus Putins Reich

          Zigtausende Russen sind wohl schon nach Kasachstan geflohen. Dessen Präsident Tokajew verspricht Hilfe – und setzt sich von Putin ab.

          Sabotage an Nord Stream : Eine bekannte Gefahr

          Seit Montag entweicht aus drei Lecks in den Pipelines Nord Stream 1 und 2 Gas in die Ostsee. Nun fragen sich alle: Wer hat die Pipelines sabotiert?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.