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Skifahren in Colorado : Der Gipfel der Freiheit

Colorado-Mischung in blau-weiß und grün: Buckel und Bäume bis auf dreieinhalbtausend Metern Bild: Achim Dreis

Vail ist mehr als ein Skiort. Es ist ein Versprechen. In guten Wintern stapelt sich hier der Pulverschnee meterhoch. In mittelguten fasziniert immer noch die Weite, die Ruhe und die Lässigkeit.

          „I come from Kansas City”, dröhnt es im Sessellift vom Nebensitz, kaum dass der Bügel geschlossen ist. „Woher?“ und „Wohin?“ sind hier in der Bergwelt von Colorado große Themen für den kleinen Talk, fast noch ergiebiger als Wetter oder Schneeverhältnisse. Die Antwort „Reisereporter aus Germany“ löst dabei aber nicht viel mehr Erstaunen aus als Busfahrer aus Oregon oder Tierpfleger aus Florida. Es ist eigentlich egal, was du bist und woher du kommst. Hauptsache, du bist da, am „place to be“.

          Vail ist mehr als ein Skiort. Es ist ein Versprechen. Auf 215 Kilometern markierter Pisten und scheinbar endlosem Off-Piste-Terrain gilt Vail Mountain als größtes Skigebiet der Vereinigten Staaten. Und, noch wichtiger: In guten Wintern stapelt sich hier der Pulverschnee meterhoch. Wegen des trockenen Klimas hat der „champagne powder“ Weltruhm erlangt. Durchschnittlich fallen hier laut unabhängiger Wetterdienste knapp neun Meter Neuschnee pro Saison – und das bei 300 Tagen Sonnenschein im Jahr. Wir erwischen eine mittelgute Woche. Der Schnee staubt, er ist trocken, griffig, gut zu fahren - aber es ist eben doch nur Schnee.

          Dichte Wälder bis ganz weit oben

          Horst Essl kennt hier jeden Hügel und alle Schneearten. Der drahtige Österreicher kam Ende der 1960er Jahre nach Amerika, „um einen Winter als Skilehrer zu arbeiten“. Und blieb für immer. Mittlerweile 76 Jahre alt, sieht er kaum älter aus als Anfang 60 und spricht immer noch seinen herrlichen Alpendialekt. Natürlich fährt er jeden Tag Ski. Ruhestand? Nicht mit ihm. Horst muss den Leuten die Berge zeigen, das Skifahren beibringen, seine Geschichten erzählen. Und nebenbei ist ein Tagessatz von 800 Dollar für einen Privatskilehrer ja auch ein schönes Zubrot als Pensionär. Nach Stationen in Vermont und Lake Tahoe hat es ihn 1979 nach Colorado verschlagen. „Hier hat’s mir gefallen, hier bin ich heimisch geworden“, sagt er und blickt über die Weiten des schneebedeckten Blue Sky Basins.

          Sanfte Hügel, freie Pisten: die große Freiheit des Skifahrens Bilderstrecke

          Ungewohnt an dem Anblick ist für europäische Augen, dass dichte Wälder bis zum höchsten der sanft geschwungenen Hügel wachsen – bei rund 3500 Metern über dem Meer. Die Baumgrenze liegt so weit oben, weil Vail am 39. Breitengrad liegt und somit deutlich näher am Äquator als die Alpen – Innsbruck zum Vergleich ist am 47. Breitengrad angesiedelt. Zudem ist in Vail schon das Tal auf stolzen 2476 Metern, was angesichts der Anfahrt nicht zu vermuten wäre.

          Wir erreichen den edlen Skiort bequem über die Interstate 70, eine vierspurige Autobahn, die den Stadtrand passiert. Von der Haustür in Deutschland zur Hotelrezeption brauchen wir knapp 17 Stunden – aber nur dank eines Direktflugs von Frankfurt nach Denver und weil der Shuttlebus, der 120 Minuten ins Skigebiet fährt, pünktlich am Flughafen parat steht. Sieben Stunden Zeitunterschied stecken trotzdem in den Knochen, der Jetlag hält bis zum Rückflug.

          Texaner gründeten den ganzen Ort

          Zum Einstieg führt uns Horst morgens über die perfekt präparierten Pisten der Front Side, die lustige Namen tragen wie Lost Boy, Dealers Choice oder Born Free. Alpine Hektik, wie wir sie von europäischen Skigebieten kennen, weicht hier schnell nordamerikanischer Gelassenheit. Auf den Pisten, an den Liften und in den Hütten, von denen manche Selbstversorgungscharakter haben und andere guten Restaurantstandard: Keiner rast, keiner drängelt, keiner betrinkt sich. Und keine Partymusik stört die entspannte Atmosphäre.

          Beim Anstehen kommt nie der Eindruck auf, jemand würde hier Zeit verlieren. Und das, obwohl Preise von 157 Dollar für den Tagesskipass vermuten lassen, die Leute müssten ihn so intensiv wie möglich abfahren. Natürlich zahle kaum jemand den regulären Preis an der Tageskasse, lassen wir uns aufklären. Fast alle Touristen nutzten Pakete, bei denen Skipässe mit Übernachtung und Flugtickets zusammengeschnürt werden. Meistens gehört die Saisonkarte dazu.

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