https://www.faz.net/-gxh-94qqz

Rocky Mountains : Das ist kein Champagner, das ist Wermut!

Große Berge, kleine Menschen: Blick auf die Hauptstraße von Banff. Bild: Paul Zizka

Die Rocky Mountains sind berühmt für ihren staubtrockenen, puderzuckerfeinen Schnee, und den besten gibt es in der kanadischen Provinz Alberta. Doch er ist nicht das einzige Geschenk, das man bei einer Skisafari von Banff über Lake Louise nach Jasper von der Natur bekommt.

          Einsamkeit ist das unwahrscheinlichste Glück des alpinen Skifahrers. Es ist derart selten, dass wir unseres noch gar nicht so recht fassen können. Wir stehen mitten in den Rocky Mountains, genau auf der kontinentalen Wasserscheide Nordamerikas, blicken links auf den atlantischen Teil Kanadas, rechts auf den pazifischen und sonst auf nichts als leere Berge, leere Pisten, leere Lifte. Nirgendwo dröhnt Hüttenmusik, weil es keine Hütten gibt, niemand steht im Skifahrerstau, weil es dazu mehr als eines versprengten Häufleins Wintersportler bedarf, nichts trübt den Eindruck, dass wir gerade in unserem Privatskigebiet unterwegs sind, weil uns selbst der durchfrorenste Liftbursche mit der Zuvorkommenheit von Dienstpersonal begegnet. Nur die Sonne scheint nicht im Sunshine Village, doch das überschattet unser Glück jetzt nicht im Geringsten.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Sunshine Village ist das Hausskigebiet von Banff, einem Mythenort der blutjungen kanadischen Geschichte, Mutterschoß und bis heute Epizentrum des Tourismus in den Rocky Mountains. Davon aber ist im Winter kaum etwas zu spüren, denn das Sonnenscheindorf an der Grenze zwischen den Provinzen Alberta und British Columbia lässt nicht nur in der Früh- und Nebensaison den Skifahrer zum Eremiten werden. Eine Gondel und zwölf Sessellifte reichen aus, um drei mächtige Berge zu erschließen. Maximal siebentausend Wintersportler pro Tag reichen nicht aus, um sie auch nur annähernd zu überfüllen.

          Jenseits der Pisten liegt unermessliche Einsamkeit

          Und die strengen Regeln des Banff National Park, in dem Sunshine Village liegt, bieten reichlich Schutz vor einer Totalkommerzialisierung des alpinen Wintersports nach dem nordamerikanischen Prinzip des Ski-in and Ski-out. Weder Condominiums werden im Skigebiet toleriert noch Luxushotels oder Krawallschirmbars für Après-Ski-Exzesse. Die Saisonzeiten nehmen Rücksicht auf die Bedürfnisse von Wolf und Bär, die Erneuerung jedes Lifts erfordert ein episches Ringen mit der Nationalparkverwaltung, die Kunstschneeproduktion beschränkt sich auf ein paar Prozent des Pistenareals. Und der gesamte Betrieb funktioniert nur, weil Sunshine Village einer alteingesessenen, skibegeisterten Familie aus Banff gehört und keinem börsennotierten, profitfixierten Skiliftkonzern mit Dividendenparanoia.

          Diese Selbstgenügsamkeit sorgt – Hand in Hand mit den nicht gerade rasend progressiven Liften, die an gar nicht so gute alte Zeiten in den Alpen vor zwanzig Jahren erinnern – für maximale Entspannung und Entschleunigung beim Skifahren. Wir rumpeln in aller Gemütsruhe mit gemächlichen Sesselliften durchs Gelände, bekommen bei jeder Fahrt eine Lektion in Gelassenheit und haben alle Zeit der Welt, uns an den fabelhaften Ausblicken zu erfreuen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnsons Wahlkreis : „Der beste Premierminister seit Churchill“

          Boris Johnson gerät wegen der Suspendierung des Parlaments immer stärker unter Druck. Seine Anhänger wollen davon jedoch nichts wissen und stehen weiter hinter ihm. Doch wie lange noch? Beobachtungen aus dem Wahlkreis des Premierministers.

          Kretschmann zu Klimapaket : „Das ist doch ein Treppenwitz“

          Die Grünen in Baden-Württemberg lassen kein gutes Haar am Klimapaket der Bundesregierung, auf das die Koalition so stolz ist. So könne man nicht Politik machen, findet Ministerpräsident Winfried Kretschmann.
          In Tipp-Kick-Manier: Robert Lewandowski trifft gegen Kölns Timo Horn.

          4:0 gegen Köln : Lewandowski trifft und trifft

          Spaziergang zum Oktoberfest-Beginn: Bayern München startet gegen Köln leicht und locker in die Münchner Festwochen. Der Torjäger vom Dienst ist gewohnt erfolgreich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.