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Skifahren in Tschechien : Jenseits von Österreich

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Wo geht’s zur Piste? Das ist im Skigebiet von Benecko nicht immer ganz klar. Bild: ddp Images

Vierzig Jahre Kommunismus haben den Tourismus ausgebremst, doch die Küche tröstet über vieles hinweg. Skifahren in Tschechien ist eine Alternative zu den Alpen – aber eine abenteuerliche.

          5 Min.

          Die undurchdringliche Weite Osteuropas beginnt irgendwo im Dreiländereck hinter Zittau. Sie beginnt, wenn man anfängt zu überlegen, ob das eine gute Idee war, einmal nicht in den Alpen Winterurlaub zu machen, sondern im tschechischen Riesengebirge, wenn man die ersten Ortschaften mit vokalarmen Namen passiert, wenn man auf Nebenstraßen abbiegt, an denen sämtliche EU-Mittel vorbeigeflossen sind, und sich schließlich einen langen Anstieg hinauf in den Wald und ins Gebirge kämpft, um durch tief eingeschnittene Täler unter weißverkrusteten Fichten und über schneegefüllte Schlaglöcher bis nach Benecko zu rumpeln.

          Skifahren in Tschechien, das ist etwas Exotisches, auf das man sich einlassen muss. Im Krkonoše, wie die Tschechen ihr Gebirge nennen, ist die Sprache für deutsche Touristen noch unverständlicher als in Österreich. Die tschechische Krone erinnert an die D-Mark-Schilling-Umrechnungszeiten, Gulasch und Knödel auf den Hütten, die hier Bauden heißen, können es mit alpiner Kulinarik aufnehmen, kosten aber nur ein Viertel davon. Und wie sind die Skigebiete im Vergleich zu den Alpen? Nun ja, sagen wir es vielleicht mit den Worten von Dominik Brožek, einem jungen Mann von der Bergwacht des Skigebietes Benecko: „In den Alpen hatten sie nicht vierzig Jahre Kommunismus.“

          Hundert Jahre Skitourismus

          Aber vielleicht sollte man zunächst den unvoreingenommenen ersten Eindruck wirken lassen, den der Skiort Neuankömmlingen präsentiert. Es ist bereits dunkel, als wir den Wald und die Schlaglöcher hinter uns gelassen haben und Benecko umso strahlender vor uns auftaucht. Die Straße führt direkt auf die hell erleuchtete Hauptpiste zu, wo sie jeden Abend die Scheinwerfer fürs „Nachtskifahren“ einschalten. Der Vierer-Sessellift der österreichischen Firma Doppelmayr befördert die Wintersportler hinauf zum höchsten Punkt auf etwas über eintausend Meter Höhe, und neben der breiten Piste werfen die eingeschneiten Fichten lange Flutlichtschatten. Die Straße führt in Serpentinen ganz nahe an der Piste nach oben in den Ort, und es fühlt sich an, als führe man mitten durchs Skigebiet, als wären die Pisten und Lifte unentwirrbar mit den Straßen und Häusern verknotet. Oben befindet sich das Familienareal. Auch dort ist noch Betrieb. Kinder rutschen in Autoreifenschläuchen eine Bahn hinunter, und ihre Eltern trinken in einer kleinen Bude neben einem blau erleuchteten Tannenbaum Glühwein. Es beginnt zu schneien.

          Wo die Orte vokalärmer werden: Im Riesengebirge ist vor allem für Langläufer gut gesorgt.

          Benecko, ein Ort mit 1200 Einwohnern, ist einer der ältesten tschechischen Skiorte. Schon im Winter 1892/93 war hier ein gewisser Jan Buchar auf Skiern unterwegs. Früher wurde in den Alpen auch nicht Ski gefahren, und tatsächlich verlief die Skihistorie im Riesengebirge ähnlich wie in den Alpen. Als der Norweger Fridtjof Nansen 1888 Grönland auf Skiern durchquerte, wurde ganz Europa auf dieses Fortbewegungsgerät aufmerksam. Es dauerte nicht lange, da verbreitete es sich auch in den Alpen – und im Riesengebirge. Johann Nepomuk Graf von Harrach brachte 1890 ein paar norwegische Skier mit ins Krkonoše und ließ einige Kopien anfertigen. Eines davon gab er Jan Buchar, einem Lehrer mit ausgeprägtem Sinn fürs Abenteuer. Der zog dann damit durch die Berge rund um Benecko und ging als erster Skifahrer Tschechiens in die Geschichte ein. Noch heute ist Buchar Ehrenbürger von Jilemnice, dem Talort von Benecko, wo er auch einen Skiclub gründete.

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