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Skifahren in Tschechien : Jenseits von Österreich

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Eine verzauberte Mittelgebirgswinterlandschaft

Man hat jedenfalls schon einiges erlebt, ehe der Skitag richtig beginnt und man an der Talstation des Sesselliftes die passende Skikarte kauft. Aber es hat sich gelohnt. Vom höchsten Punkt des Skigebiets geht der Blick über eine verzauberte weiße Mittelgebirgswinterlandschaft. Vor uns liegt die gut präparierte rote Piste. Die Mischung aus Kunst- und Naturschnee ist griffig, und auf der breiten Abfahrt ist genug Platz. Als durchschnittlicher Skifahrer fühlt man sich zudem sehr schnell sehr souverän, da sich das Niveau hier sympathischerweise in Grenzen hält. Alles läuft sehr gemächlich ab, irgendwo liegt immer irgendwer und versucht, die soeben beim Sturz verlorenen Skier wieder anzuschnallen. Manche sehen aus, als hätte sie Jan Buchar noch persönlich benutzt. Ein zwei Meter langer und leuchtgelber „Völkel P9 Riesenslalom“, ein weißgrüner „Fischer SC4 Super Pro“ und andere Nostalgiemodelle, die man schon fast vergessen hat, weil sie aus dem Bild der Alpen vor zwanzig Jahren verschwunden sind.

Der Sessellift in Benecko. Und noch viel besser: das Essen auf der Hütte unten

Die Fortgeschrittenen bewegen sich auf der schwarzen Piste. Davon gibt es genau eine einzige in Benecko. Neben der roten Hauptpiste zieht sich ein weißes Band durch den Wald. Um dort hinaufzugelangen, muss man ein weiteres osteuropäisches Abenteuer bestehen: den Bügel-Schlepplift, der in den 1960er Jahren hier aufgebaut wurde und noch immer seinen Dienst verrichtet. Die Bügel sind aus Holz, die Stangen gußeisern und die Seile so abgewetzt, dass man gedanklich schon die Fallbewegung durchspielt, falls das Seil reißen oder der Bügel brechen sollte. Aber es geht alles gut, und die schwarze Piste mit dem finalen Schussstück zurück zum Lift ist ein großes Vergnügen.

Das zweite Mal folgen wir oben dem Schild „Macher. 16.00 h“. Das ist, laut Pistenplan, noch ein weiterer Schlepplift auf der anderen Seite des Berges. Es ist gerade mal 14 Uhr, und der Mann im Lifthäuschen nickt uns zu, als wir an ihm vorbei im Wald verschwinden. Danach ist überhaupt nicht klar, wie es weitergeht. Wir schnallen ab, tragen die Skier über einen Feldweg nach rechts, weil wir dort die Piste vermuten. Dort ist zumindest eine Wiese, ohne Spuren, dafür mit fünf Zentimetern Neuschnee. Wir haben das Freeride-Gebiet von Benecko entdeckt! Leider ist es nur dreihundert Meter lang, dann endet die Wiese am Waldrand. Wir schnallen wieder ab und gehen durch die Fichten zu Fuß weiter zum „Macher“- Lift. Doch der steht still, kein Mensch weit und breit, kein Schild weist den Weg zurück, und so können wir nur unserem Gefühl folgen und durch den Wald zurückstapfen. Wir rechnen jeden Moment damit, Bären und Wölfen zu begegnen.

Nach einer Viertelstunde sind wir zurück in der Zivilisation, in der Hütte, die sich im gleichen Gebäude befindet wie der alte Schlepplift. Dort gibt es phantastisches Gulasch, Knödel und Bier – zu einem Preis, den man nur als Entschuldigung für all die Strapazen verstehen kann.

Der Weg ins Riesengebirge

Anreise Mit dem Auto über Dresden und weiter auf der A4 Richtung Görlitz/Zittau. In Tschechien weiter über Liberec, Turnov, Košt’álov und Jilemnice bis Benecko. Ab Berlin fährt man knapp fünf Stunden.

Skigebiete Das Skigebiet von Benecko verfügt über einen Sessel-, vier Schlepp- und acht Tellerlifte. Die Pisten werden künstlich beschneit und sind für Kinder und Anfänger gut geeignet. Es ist jedoch mühsam, von einer zur anderen Piste zu gelangen, da es so gut wie keine Verbindungen zwischen den Pisten gibt. Die Tageskarte kostet etwa 18 Euro (Kinder 14 Euro). Das benachbarte Skigebiet Herlíkovice-Bubákov hat eine Seilbahn und neun Lifte. Es gibt Pläne, die beiden Gebiete zu verbinden. Spindlermühle, das größte tschechische Skigebiet, ist etwa eine halbe Fahrstunde entfernt. Mehr unter www.benecko.info, www.herlikovice.cz und www.skiareal.cz

Langlauf Benecko ist Teil des großen Riesengebiet-Langlaufnetzes. Die 71 Kilometer lange „Riesengebirgsmagistrale“ führt einmal von Westen nach Osten durch die Berge und kann von Benecko über Zubringer-Lopien erreicht werden.

Unterkunft und Bauden Benecko hat eine große Auswahl an Hotels und Pensionen: www.benecko.info. Zu empfehlen ist die „Hančova Bouda“, ein gutbürgerliches Gasthaus mit vierzehn Zimmern: www.hancovabouda.cz.

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