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Skifahren in Tschechien : Jenseits von Österreich

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Wie in den Alpen begann Skitourismus auch im Riesengebirge erst nach dem Zweiten Weltkrieg. In den Sechziger Jahren haben Einheimische in Benecko die ersten Lifte gebaut und den Ort nach und nach ausgebaut. Heute gibt es rund fünfzig Gasthäuser, Pensionen und Hotels, einen Skiverleih, eine Skischule und einen Zauberteppich für kleine Kinder. In den Neunziger Jahren kamen die ersten Schneekanonen auf, 2006 wurde der Sessellift gebaut, und seitdem fahren jedes Jahr zwischen Dezember und April rund hunderttausend Menschen in Benecko Ski oder Snowboard. Es sind überwiegend Familien mit Kindern, die auf den flachen Pisten gut zurechtkommen. Damit hebt sich Benecko bewusst von Spindlermühle ab, dem größten und bekanntesten Skiort in Tschechien. Der liegt nur eine halbe Fahrstunde entfernt, eine mondäne Mischung aus Kitzbühel und Karlsbad, mit osteuropäischem Glamour, überfüllten Gassen, kaum Parkplätzen und 17 Liften.

Gehen Sie doch einfach durch den Wald

Da geht es in Benecko gemütlicher zu. Aber auch etwas unkonventioneller. Wenn man vom Familienareal hinüber zum Sessellift will, alles Teil des auf dem Pistenplan verbundenen Skigebiets, dann steht man erst mal vor einem Problem. Am ersten Tellerlift sagt die Frau im Kassenhäuschen auf Deutsch, dass wir hier keinen Tagesskipass, sondern nur eine Punktekarte für diesen Lift kaufen können. Wir kämen aber über diesen Weg im Wald, sie deutet über die Schulter, schnell zur nächsten Piste.

Jilemnice im Januar. An Schnee mangelt es in Böhmen nicht.

Also steigen wir rund hundert Meter durch den Wald, kommen zum nächsten Tellerlift, wo ein junger Mann ebenfalls auf Deutsch wieder sagt, dass wir eine Punktekarte benötigen. Er lasse uns aber einmal hochfahren, und oben kämen wir hinüber zur Hauptpiste. Wir fahren also einmal hoch, dann wieder ein Stück hinunter und wundern uns über den Bach, der am Rande der Piste fließt: eine kaum sichtbare, rund fünfzig Zentimeter tiefe Senke, nicht gekennzeichnet oder abgesichert, die, bei hohem Tempo und schlechter Sicht, in der Lage ist, einem die Beine zu brechen. In den Alpen würden Sicherheitsbeauftragte bei so einem Anblick Herzrasen bekommen.

Und während wir noch überlegen, wie das alles möglich sein kann, queren wir zur Liftspur, um auf einem kaum fahrbaren Pfad durch den Wald endlich hinüber zum Sessellift zu gelangen. Auch in den Alpen muss man immer wieder mal eine Liftspur kreuzen. Dann konzentriert man sich auf die Menschen im Lift und die Lücken dazwischen, die man zur Durchfahrt nutzt. In Tschechien muss man jedoch auch auf die herabhängenden Tellerliftbügel achten, die von oben nach unten fahren. Die schweben genau in Kopfhöhe – ein durchgezogener rechter Haken für alle Skifahrer, die nur nach unten schauen. Bäng! Willkommen in Benecko. Das ist der Moment, in dem man angekommen ist.

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