https://www.faz.net/-gxh-7m1de

Skifahren exotisch (3) : Wo ein Wille ist, ist eine Piste

  • -Aktualisiert am

Dass der Schnee nicht bis ins Tal reicht und man mit dem Lift zurück zum Parkplatz fahren muss: Das konnte einem in dieser Saison auch in den Alpen passieren. Bild: Lena Bopp

Skifahren auf der griechischen Peloponnes fühlt sich an, als würde man einer ständigen Sinnestäuschung erliegen - es sieht aus wie Sommer, ist aber Winter.

          Ja, es gibt Haine mit Hunderten von Oliven-, Zitronen- und Mandarinenbäumen an den Hängen rund um das kleine Dorf Kalavryta im Norden der Peloponnes, gerade so, wie man es erwartet. Bei der Hinfahrt blickt man aufs Meer und sieht das Obst am Straßenrand wachsen. Später sitzt man auf einem Dorfplatz vor dem Café unter einer mächtigen Eiche, durch deren Äste eine Sonne scheint, hell und kräftig, selbst zu dieser Jahreszeit. Dennoch spürt man zugleich eine gewisse Kühle und Frische, die von den Bergen herunter- und vom Boden heraufzieht. In der Luft liegt ein Geruch von verbranntem Holz. Und dort, wo die Tannen aufhören, beginnen der Schnee und die Skilifte. So fühlt sich Skifahren in Kalavryta an wie eine ständige Sinnestäuschung.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          In Griechenland haben die Menschen für diese Tage einen Namen gefunden: „Alkyonides“ - sieht aus wie Sommer, ist aber Winter. Wer morgens beim Blick aus dem Fenster noch den Eindruck hatte, ein Pullover genügte fürs Skifahren, der wird nach der fünfzehnminütigen Fahrt hinauf in das Skigebiet auf den Berg Stiga denn auch eines Besseren belehrt. Wo Schnee liegt, ist es kalt - eigentlich unnötig, sich das ins Gedächtnis zu rufen, doch die helle Sonne, die alles in warmes Licht taucht, verleitet dazu, sich immer wieder darüber zu wundern. Dabei unterscheidet sich das Skifahren hier kaum vom Skifahren anderswo, prinzipiell gesprochen. Man inspiziert die ausgeliehenen Skier, prüft Dichte, Höhe und Beschaffenheit des Schnees, der spärlich, aber ausreichend liegt, macht ein paar Schwünge auf der Piste, hält an, atmet tief ein und saugt die Aussicht auf die Bucht und die sich dahinter erhebenden schneebedeckten Berge des Parnass ein. Dann schickt man eine SMS nach Hause, in der man mit genau dieser Aussicht prahlt, und ärgert sich keine fünf Minuten später über sich selbst und die lächerliche Wichtigtuerei dieser Nachricht. Erst allmählich schiebt man beim Anblick der moderat bevölkerten Piste das selbstgefällige, aber wieder und wieder aufkommende Erstaunen darüber, dass die Griechen in ihrem heißen Land am Mittelmeer tatsächlich Ski fahren, durch den Gedanken beiseite, dass doch wohl jeder Ski fahren kann, der einen schneebedeckten Berg in seiner Nähe hat - also auch die Griechen in ihrem Chelmos-Gebirge. So vergeht der Tag, oder besser: So vergehen ein, zwei Stunden.

          Der Lift braucht eine viertel Stunde

          Denn wenn man zwischendurch nicht anhält bei der Bergabfahrt, um sich diesen schönen und nutzlosen Dingen hinzugeben, ist man in handgestoppten zwei Minuten unten, und darin unterscheidet sich Griechenland dann doch von den Skigebieten, die man sonst so kennt.

          Am Fuß des Lifts, eines Zweier-Sessellifts, wie es sie vor zwanzig Jahren in den Alpen noch oft zu sehen gab, also ein Lift ohne all die Annehmlichkeiten wie beheizbaren Sitzen und verschließbaren Schutzhauben, sondern mit einer harten Bank und einem einfachen, klapprigen Bügel, am Fuß dieses Lifts also begegnet man dann jedes Mal einem freundlichen, aber bestimmt auftretenden Griechen, der beim Einsteigen helfen will. Er hilft, indem er mit leicht zu interpretierenden Handbewegungen den Verkehr zu regeln versucht, denn es gibt keine Schranken, und schnell kann es passieren, dass man auf einem Sessel Platz nimmt, den jemand anderes sich auch ausgesucht hat. Funktioniert aber alles wie am Schnürchen, nickt der Grieche zufrieden.

          Weitere Themen

          Elf Patienten aus Krankenhaus entlassen Video-Seite öffnen

          Nach Busunfall auf Madeira : Elf Patienten aus Krankenhaus entlassen

          Nach dem Busunglück auf Madeira sind elf der Unfallopfer aus dem Krankenhaus entlassen worden. 16 weitere Personen würden weiter behandelt, ihr Zustand sei aber stabil und verbessere sich. Noch sei nicht abzusehen, wann die verletzten Touristen zurück nach Deutschland transportiert werden können.

          Topmeldungen

          Gibt es eine „verlorenen Mitte“? Rechtspopulistische und antidemokratische Einstellungen sind in der deutschen Bevölkerung einer aktuellen Studie zufolge
weiter tief verwurzelt.

          Studie zu Vorbehalten gegen Asylanten : Wo der Daumen links ist

          Die Wachsamkeit gegenüber Rechtsextremismus kann nicht groß genug sein. Doch es ist ein Ärgernis, dass Studien dazu missbraucht werden, die Gefährdung der Mitte einseitig darzustellen.
          Frankreichs Präsident Emmanuel Macron während der Pressekonferenz im Elysée-Palast

          Macron schließt Elitehochschule : Das Ende der Enarchie

          Die Elitehochschule Ena gilt vielen Franzosen als Brutstätte einer abgehobenen politischen Führungsschicht. Präsident Macron will die staatliche Verwaltungshochschule jetzt abschaffen. Das ist ein Paukenschlag – und wird doch nichts an den Gründen für den Zorn der Bürger ändern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.