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Sizilien im Winter : Die Straßen von Palermo

So frühstückt man in Taormina Bild: San Domenico Palace

Früher wusste man noch, dass man nach Sizilien am besten im Winter reist. Dann ist es ideal zum Wohnen, Schauen, Welt-Betrachten.

          6 Min.

          Es war am zweiten von drei herrlichen Dezembertagen in Palermo, eine Mittagsstunde, wie sie heller, blauer, heiterer nicht sein konnte, als wir, endlich, auch mal aufs Negative zu sprechen kamen. Was ist eigentlich das Problem dieser Stadt?

          Claudius Seidl
          Redakteur im Feuilleton.

          Wir hatten mit dem Direktor des Hotels „Villa Igiea“ zu Mittag gegessen im Hotelrestaurant, eine Vorspeise aus rohem Oktopus, dann Spaghetti nach Art des Hauses, mit frischem Fisch, und zum Abschluss Halbgefrorenes, und jetzt, zum Kaffee, hatten wir uns auf die Terrasse gesetzt, schauten über den kleinen Jachthafen und die ganze Bucht von Palermo, blinzelten in der Sonne und trauten uns endlich, den Direktor nach einer Beobachtung zu fragen, welche uns sehr froh machte, ihn aber vermutlich nicht so sehr: Das Hotel war nicht gerade voll.

          Ein Problem mit dem Image

          Wir hatten das Gefühl, das Restaurant ganz für uns zu haben, im Frühstücksraum saßen morgens nur wenige Gäste, und der Garten, der zum Meer hinunterging, war groß genug, dass man die zwei, drei anderen, die da in der Sonne saßen oder auf und ab gingen, fast übersah. Es war schön, den ganzen Platz zu haben und die Aufmerksamkeit des Personals. Es war aber trotzdem unverständlich.

          Denn wenn man durch Palermos Altstadt spazieren ging in diesen Wintertagen, bei sechzehn, siebzehn Grad im Schatten, wenn man sich in den Garten setzte und darüber nachdachte, ob man die Sonnencreme auspacken solle: Dann stellte sich immer wieder die Frage, warum das Hotel nicht ausgebucht war. Jetzt, im Winter, war doch die beste Jahreszeit - und damals, als das Hotel eröffnet wurde, kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende, damals war ja auch der Winter die Hauptsaison. Was will denn einer in Palermo, wenn es heiß ist?

          Bild: F.A.Z.

          Dass der Sommer keine gut Zeit sei, das habe sich herumgesprochen, sagte der Direktor. Die meisten Gäste kämen im Frühjahr und im Herbst. Es könnten aber insgesamt mehr Touristen kommen, und dass sie fernbleiben, zeige, dass die schöne Stadt Palermo ein Problem mit ihrem Image habe. Was für ein Problem?

          Furchtlos ist der Altstadt

          Florenz habe die Uffizien, Rom den Vatikan, Venedig die Kanäle und den Markusplatz. Wer nach Neapel fahre, habe den Vesuv vor Augen, Pompeji um die Ecke, und vor dem Horizont zeichne sich die Silhouette der schönen Insel Capri ab. So ein Markenzeichen habe Palermo nicht. Palermo hat die Mafia.

          Und das war der Moment, da der Direktor gleichzeitig zu grinsen und zu stöhnen schien. Sein Telefon klingelte, und er verabschiedete sich. Und wir konnten ihn nicht mehr um eine Stellungnahme bitten zu den landläufigen Meinungen über seine Stadt.

          Erstens nämlich, so hatten uns die Leute zu Hause erzählt, sei Palermo die Stadt, in welcher man keinesfalls Auto fahren solle: Man begebe sich zum Beispiel hinein in einen Kreisverkehr. Und komme erst nach einer Stunde wieder heraus, weil die Regeln für jeden Nichtsizilianer völlig unverständlich seien.

          Zweitens aber sei Palermo die Stadt, in der auch das Spazierengehen zu gefährlich sei. Je tiefer man sich hineinwage in die Altstadt, desto enger würden die Gassen und desto dunkler die Ecken. Groß sei die Gefahr, dass man selber dort verloren gehe, noch größer die, dass man zwar wieder herauskomme, aber ohne Handtasche oder Portemonnaie.

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