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Singapore Girls : Kebaya und Liebe

  • -Aktualisiert am

Sie können einen Langstreckenflug durchlächeln und ganz besonders leise laufen: die Singapore Girls Bild: SIA

Mit den Singapore Girls hat sich eine Airline schwebende Idealbilder gezüchtet, die auf ihre Fluggäste einfach bezaubernd wirken. Lächeln und ein makelloses Auftreten gehören zu ihren Markenzeichen. Die perfekten Frauen?

          Als Kind stellte ich mir, wenn ich im Flugzeug saß, immer vor, ich sei ein Geschäftsmann und habe Wichtiges zu erledigen. Fliegen war etwas Besonderes. Egal, wie schlecht das Essen schmeckte, das man auf den kleinen Tabletts serviert bekam, egal, wie eng es war - wenn man flog, war man ein Film. Heute ist es nervig oder egal, es wird erledigt. Die Stewardessen faszinieren mich nicht mehr so wie früher, als ich sie nicht aus den Augen ließ und ihr Erscheinungsbild genau studierte, weil ich dachte: So geht das als erwachsene Frau. Man trägt Lippenstift und tut Dinge, die man tut, wenn man einen Beruf hat - eine Idee, die heute komplett entzaubert ist, weil ich selbst Lippenstift benutze und Dinge tue, die man tut, wenn man einen Beruf hat. Eine bestimmte Stimmlage am Telefon haben etwa oder in Mails Formulierungen verwenden, die mir komisch vorkommen, also das bisschen an beruflichem Fassadenverhalten aufwenden, das manchmal nötig ist, auch, wenn ich dabei immer lachen muss. Eben weil Inszenierungen in dieser superironischen Welt als solche erkennbar sind und man sich ihnen entweder bewusst, aus Lust, aus dem Wunsch heraus zu flüchten, jedenfalls immer willentlich, hingibt, oder man lacht darüber.

          Kürzlich jedoch flog ich von Singapur, dieser vollklimatisierten Stadt aus Glas, Ideen und Dienstleistern, nach Frankfurt, und während dieses zwölfstündigen Flugs begegnete ich einer Inszenierung, bei der mir das nicht passierte (gilt sonst eigentlich nur für Beyoncé), ich also weder lachen noch mich der Inszenierung erwehren konnte und diese nicht im Mindesten den Anschein machte, ironisch zu sein. Die Akteure jener Vorstellung waren die sogenannten Singapore Girls, die Flugbegleiterinnen von Singapore Airlines (und deren Erfindung). Sie trugen alle (und es waren so viele, viel mehr als normalerweise in Flugzeugen) diese phantastischen Kleider mit einem irgendwie asiatisch-raffinierten Muster, die überhaupt nicht aussahen wie Uniformen und auch nicht an Arbeit erinnerten. Sie schwebten durch das Flugzeug, und sie scheinen immer zu schweben, denn ich sah sie bereits am Flughafen in kleinen Gruppen sich bewegen, schwerelos, gleiche Schuhe, gleiche Kleider und gleiche Handtaschen, und sie wirkten dabei so perfekt, dass sie ein Film waren, jener Film von früher, der einem das Gefühl gab, etwas Besonderes zu tun, indem man flog.

          Die Singapore-Girls-Inszenierung

          Auf meinem Platz sitzend, musste ich sie (als Erwachsene) dauernd ansehen und studieren, ihre unmöglich makellosen Hochsteckfrisuren, aus denen keine Strähne unordentlich heraushing, das aufwendige, aber dennoch dezente Make-up und ihre schmalen Taillen, die es so eigentlich gar nicht geben konnte, ihre Freundlichkeit und Geduld mit Gästen, die noch mehr Alkohol wollten, die schnarchten, bestimmt aus dem Mund rochen und dauernd irgendetwas brauchten, also in Anspruch nahmen, wofür sie dachten bezahlt zu haben (und die man gerne aus der fliegenden Maschine irgendwo ins Meer geworfen hätte, wobei dieser Wunsch vielleicht von dem Unbehagen rührt, das entsteht, wenn eine ehrerbietige, sehr zarte Frau einen Mann bedient, der das Gegenteil von beidem ist und dessen Grobheit so noch tausendmal gröber wirkt). Zwischen „Would you like some more tee/coffee/water/juice/wine?“, zwischen heißen Handtüchern, die man vor dem Essen oder nach dem Schlafen bekam, und zwischen „The Wolf of Wall Street“ und „Her“ suchte ich nach dem Loch in der Singapore-Girls-Inszenierung. Aber da war nichts, nichts zum Durchgucken, nirgendwo ein kleiner Hinweis, der zu einer Ahnung führen könnte. So: Aha, diese Frau gibt es also auch privat. Nein, nichts. Was ist da los? Wie geht das?

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