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Sicherheitsbestimmungen : Großbritannien verbietet Handgepäck in Flugzeugen

  • Aktualisiert am

Mehr Handgepäck darf in Großbritannien nicht an Bord Bild: dpa

An deutschen Flughäfen hat sich die Lage nach den vereitelten Anschlägen auf Passagiermaschinen beruhigt. Bei Rückflügen von amerikanischen oder britischen Flughäfen sollten sich Reisende aber auf strenge Sicherheitsbestimmungen gefaßt machen.

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          Nach der Freigabe des Londoner Flughafens Heathrow hat sich die Lage auf den deutschen Airports am Samstag wieder weitgehend normalisiert. Zwei Tage nach den Terrorwarnungen laufe der Flugbetrieb „wieder normal“, sagte ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport. Es gebe nur noch leichte Verspätungen. Ein Sprecher der drei Berliner Flughäfen Schönefeld, Tegel und Tempelhof sagte, inzwischen herrsche wieder weitgehend normaler Betrieb. Auch in Frankfurt-Hahn lief es nach Angaben eines Sprecher wieder „einigermaßen normal“.

          Seit Donnerstag abend gelten für Flüge in die Vereinigten Staaten neue Bestimmungen für die Mitnahme von Handgepäck. Die Bundesregierung hat die Auflagen der amerikanischen Heimatschutzbehörde umgesetzt, so daß bestimmte Gegenstände nicht mehr in das Flugzeug mitgenommen werden dürfen. Passagiere dürfen demnach weder Flüssigkeiten noch Gels - gleich welcher Größe - im Handgepäck in die Flugzeugkabine mitführen. Dazu zählen Getränke, Shampoos, Sonnenmilch, Cremes, Zahnpasta, Haargel und Flüssigkeiten ähnlicher Konsistenz.

          Weiterhin dürfen mitgeführt werden Babynahrung, -milch oder -säfte, wenn das Baby oder Kleinkind mitreist. Auch dringend notwendige Medikamente sind gestattet, wenn der Name auf dem Präparat oder dem Rezept mit dem auf dem Ticket übereinstimmt. Vor Reisebeginn sollten alle unzulässigen Gegenstände im Gepäck verstaut und aufgegeben werden.

          Weiterhin verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an Deutschlands Flughäfen
          Weiterhin verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an Deutschlands Flughäfen : Bild: AP

          Flüge von Großbritannien nur ohne Handgepäck

          Bei Flügen aus Großbritannien ist Handgepäck gänzlich verboten. Passagiere dürfen lediglich einen durchsichtigen Plastikbeutel mit folgenden Gegenständen mit an Bord nehmen: Reisedokumente wie Reisepaß, Ticket und Visum; Geldbörsen im Hosentaschenformat einschließlich Münzen und Karten; vom Arzt verschriebene Medikamente, deren Einnahme für die Dauer des Fluges erforderlich ist. Ausgenommen davon sind Flüssigkeiten, solange diese nicht als echt eingeschätzt wurden. Ferngläser und Sonnenbrillen ohne Etui; Kontaktlinsen ohne Reinigungsflüssigkeit; Schlüssel ohne elektronische Schlüsselanhänger; Hygieneartikel für Frauen; Taschentücher. Für Reisende mit Kleinkindern: Babynahrung, Milch und Hygieneartikel, die während des Fluges erforderlich sind.

          Flüge aus Deutschland nach Großbritannien sind von diesen Bestimmungen nicht betroffen. Bei längeren Flügen mit Zwischenstopp in Großbritannien empfehlen die großen Fluggesellschaften jedoch, das Handgepäck bereits beim Abflug in Deutschland auf das Nötigste zu begrenzen. Auch elektronische Geräte wie Laptops sollten mit dem normalen Reisegepäck aufgegeben werden. Die Fluggesellschaften haften allerdings nicht für eventuelle Schäden an elektronischen Geräten, die im Reisegepäck mitgeführt werden. Für Flüge innerhalb Deutschlands bleiben die Gepäckbestimmungen vorerst unverändert.

          Frankreich untersagte vorläufig die Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck bei Flügen auf Risikostrecken. Das Verbot gelte für Flüge nach Großbritannien, Israel und in die Vereinigten Staaten. Bei den Eurostar-Zügen nach London sowie an Bahnhöfen und Flugplätzen werden verstärkt stichprobenartig Gepäckstücke kontrolliert. Die in London ausgehobene Islamistengruppe hatte angeblich Verkehrsflugzeuge mit flüssigem Sprengstoff in der Luft zerstören wollen.

          Am Freitag gestrandete Passagiere zurückgeholt

          Am Freitag mußte British Airways (BA) erneut 96 Flüge streichen. Das war jedoch deutlich weniger als am Donnerstag, als 364 zumeist Kurzstreckenflüge der BA am Boden bleiben mußten. Am Frankfurter Flughafen hoben wegen der Sperrung in Heathrow am Donnerstag insgesamt 22 Flüge von Lufthansa und British Airways nicht ab, wie der Fraport-Sprecher mitteilte. Allein die Lufthansa mußte nach Angaben eines Unternehmenssprechers insgesamt 36 Verbindungen von und nach Heathrow streichen. Davon seien 5000 Passagiere betroffen gewesen.

          Die europäischen Airlines mühten sich am Freitag, die vielen tausend gestrandeten Passagiere an ihr Ziel zu bringen. Die spanische Iberia setzte in Richtung Großbritannien ihr größtes Flugzeug mit 400 Sitzen ein, um den Stau abzubauen. In Paris Charles de Gaulle kämpften die Verantwortlichen mit Verspätungen in die Vereinigten Staaten und Großbritannien. Auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol sorgen die Flugausfälle am Morgen weiter für Chaos. Dennoch gingen die meisten Passagiere mit den Unannehmlichkeiten sehr gelassen um, bestätigten die Airports.

          Um endlose Warteschlangen vor allem bei der Handgepäckkontrolle zu vermeiden, setzten die meisten Flughäfen am Freitag mehr Sicherheitspersonal ein. „Alle Leute, die wir kriegen konnten, haben wir gebeten, zum Dienst zu kommen“, sagte der Fraport-Sprecher. Die niederländische KLM setzte 20 Leiharbeitskräfte ein, um die Sicherheitschecks zu beschleunigen.

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